Westfalia scheitert an Teufelskerl Graudejus

Am Kampfgeist mangelte es nicht. Aber Fatmir Ferati (l.) und seine Mitspieler konnten ihre Chancen nicht verwerten.
Am Kampfgeist mangelte es nicht. Aber Fatmir Ferati (l.) und seine Mitspieler konnten ihre Chancen nicht verwerten.
Foto: Joachim Haenisch
Brackeler Schlussmann rettet seiner Mannschaft das 0:0. Herner rennen 90 Minuten vergeblich an und vergeben zahlreiche Chancen. Am Ende hätten die Gäste sogar noch gewinnen können.

SC Westfalia Herne -
SV Brackel 06 0:0

SCW: Carpentier - Rößler (75. Rieker), Zaskoku, Haar, Temme - Streit (84. Vespermann), Ferati, Klaas - Kaya (46. Petrovic), Onucka, Trisic.

SR: Florian Visse (Recke).

Zuschauer: 290.

Gelb/Rot: Klaas (SC/90.+3).

Zum zweiten Mal in dieser Saison hat der SC Westfalia Herne binnen sieben Tagen fünf Punkte liegen lassen. Diesmal aber mussten die Herner den Tabellenthron der Westfalenliga nicht räumen, da auch Verfolger Hordel in Neheim über eine Nullnummer nicht hinauskam. Und anders als am letzten Sonntag hatten sich die Herner nach dem 0:0 gegen Brackel auch kaum etwas vorzuwerfen.

„Ich habe eine Heimmannschaft gesehen, die sich für die schlechte Leistung der letzten Woche rehabilitieren wollte“, meinte auch Trainer Christian Knappmann. „In punkto Leidenschaft, Herzblut und Einsatzbereitschaft hat sie alles gegeben.“ Wenn es diesmal etwas zu bekritteln gab, dann war es der verschwenderische Umgang mit den Tormöglichkeiten. Mehrfach liefen Herner aus spitzem Winkel allein auf David Graudejus zu, aber der Brackeler Schlussmann blieb stets lange stehen, machte sich groß und wehrte alles ab, was Trisic, Onucka und Co. auf seinen Kasten brachten. „Graudejus war für Brackel der Matchwinner“, lobte auch Knappmann den starken Gästekeeper.

Was der SCW-Trainer schon ein wenig vermisste, war die letzte Konsequenz im Abschluss. „Wir haben 90 Minuten auf ein Tor gespielt und hatten allein 16 Ecken“, resümierte der SCW-Coach. „Da müssen wir einfach galliger sein, das Tor dann auch zu machen.“

Eine zutreffende Analyse, auch wenn sie der guten Leistung der Gäste nicht ganz gerecht wird. Die Brackeler beschränkten sich nämlich keineswegs darauf, ihr Tor mit einer Fünfer- und einer Dreierkette zu verbarrikadieren, sondern nutzten jede Möglichkeit, nadelstichartige Konter zu setzen. Und wenn es ganz dumm gelaufen wäre, hätte der SCW am Ende auch mit völlig leeren Händen dastehen können. Zweimal war es Maurice Haar, der in der 90. Minute brenzlige Situationen noch bereinigen konnte, und auch in der sechsminütigen Nachspielzeit, die Robin Klaas wegen einer fragwürdigen Ampelkarte nur zur Hälfte mitmachen durfte, tauchten die Gäste noch gefährlich vor dem Herner Strafraums auf.

Ein „lucky punch“ der Dortmunder hätte den Spielverlauf allerdings auf den Kopf gestellt. Zwar stürmte der SCW diesmal nicht vom Anpfiff an munter drauflos, nach einer viertelstündigen Abtastphase aber ging es fast nur noch in eine Richtung. Dabei standen die Mannschaftsteile näher zusammen als gegen Horst, damit war des SCW kompakter und weniger konteranfällig.

Es dauerte bis zur 13. Minute, ehe sich Marko Onucka nach einem Ferati-Pass in die Gasse die erste Einschusschance bot. Doch Graudejus verkürzte den Winkel, Milko Trisics Nachschuss blieb hängen. In den folgenden 20 Minuten ging es im Gäste-Strafraum häufig hoch her, aber irgendwie wollte der Ball nicht über die Linie. Mal warf sich ein Abwehrspieler in die Schussbahn, mal zielten die Herner nicht genau, und immer wieder parierte Graudejus: Zum Beispiel Onuckas Flachschuss (14.), Streits 20m-Hammer in den Knick (19.) oder gegen den starken Trisic, für den nach feiner Onucka-Vorarbeit und tollem Dribbling der Winkel zu spitz wurde. Als Graudejus dann doch einmal geschlagen war, schlug einer seiner Vorderleute einen Haar-Kopfball von der Linie (35.). In der 44. Minute gaben auch die Brackeler nach einem Freistoß mal wieder ein offensives Lebenszeichen. In höchster Not konnte Maurice Temme retten, den Nachschuss parierte Carpentier.

In der zweiten Hälfte änderte sich wenig. Der SCW kämpfte, drückte, rannte, versuchte es mal mit langen Bällen, mal spielerisch über die Außen – das Brackeler Tor aber war wie vernagelt. Die klarsten Möglichkeiten boten sich Dejan Petrovic, der nach einem abgewehrten Klaas-Kracher den Nachschuss nicht an Graudejus vorbei brachte und später mit zwei Direktabnahmen aus kurzer Distanz scheiterte.

An Tagen wie diesen sind Fußballer froh, wenn’s nicht noch auf der anderen Seite einschlägt. Zumindest das blieb dem SCW erspart.

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Beschreibung anzeigen