Westfalia Herne wirft Polizei und RW Ahlen Totalversagen vor

Philipp Ziser
Schwerer Vorwurf: Die Polizei soll die Warnungen vor den Ausschreitungen in Ahlen ignoriert haben.
Schwerer Vorwurf: Die Polizei soll die Warnungen vor den Ausschreitungen in Ahlen ignoriert haben.
Foto: Archiv - Joachim-Kleine Büning
Westfalia Herne hat Einspruch gegen die Spielwertung des 0:2 beim Auswärtsspiel in Ahlen eingelegt. SCW-Vorstand Sascha Loch erhebt schwere Vorwürfe gegen den Gastgeber. Das Spiel war in der ersten Halbzeit unterbrochen worden, da Fans auf den Platz gestürmt waren. RW Ahlen bleibt gelassen.

Ahlen/Herne. „Grob fahrlässig, wenn nicht sogar vorsätzlich“ habe es der Vorstand von Rot-Weiß Ahlen zur Eskalation kommen lassen, so der SCW-Vorsitzende Sascha Loch. „Die Verantwortlichen vom RWA und bei der Polizei waren einige Tage im Voraus darüber informiert, was für Personen anreisen und was passieren würde. Durch V-Leute wussten wir Bescheid und haben alle Infos weitergegeben. Verein und Polizei haben unsere Warnungen ignoriert.“

Die Randalierer seien sogar schon vorher namentlich bekannt gewesen. Gemeinsam mit der Polizei Herne habe der SCW organisiert, dass diese Fans nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr, sondern in einem Fanbus nach Ahlen reisen.

Darstellungen widersprechen sich

Auch im Stadion sei deutlich zu wenig Ordnungspersonal vor Ort gewesen, so Loch. Nach Angaben von Ahlens Geschäftsführer Gerald Stoffers sei man in der Tat über einen Bus mit „unangenehmen“ Fans aus Bochum informiert worden. Daraufhin habe man die Zahl der Ordner verdoppelt. Loch: „Es waren viel zu wenige Ordner und Polizei da, es gab keine Kontrollen.“ Martin Schnafel, Sprecher der Polizei Warendorf, bestreitet, dass Namen bekannt gewesen seien, außerdem hätten die Informationen nicht auf erhöhten Bedarf an Einsatzkräften hingewiesen. Er sieht den Fehler in Herne: „Wenn Westfalia vorher Bescheid wusste, warum versuchen sie dann nicht, so etwas bereits im Vorfeld zu verhindern?“

RW Ahlen weist Vorwürfe von sich

Loch schildert die Entwicklung aus Sicht der Herner: Eineinhalb Stunden vor dem Spiel sei der Bus am Stadion angekommen, das aber noch verschlossen war. „Daraufhin sind die Herner in die Innenstadt gezogen, um sich mit alkoholischen Getränken zu versorgen. Ahlener Fans haben sich dann beim Ordnungsdienst erkundigt, wo die Herner Fans seien und auf deren Hinweis hin die Verfolgung aufgenommen und die Vorfälle in der Innenstadt provoziert.“ Damit widerspricht er der Darstellung der Gastgeber: RWA-Vorstandsmitglied Schlieper hatte am Sonntag gesagt, die Herner hätten sich von ihrem Busfahrer direkt in der Nähe der Innenstadt absetzen lassen.

Am Montag sagte Schlieper ausdrücklich, dass um 13.30 Uhr, also neunzig Minuten vor Anpfiff, die Kassen definitiv bereits offen gewesen seien. Der Polizeibericht spricht von „etwa 30 - 40 Gästefans (...), die bereits erheblich alkoholisiert in Ahlen eintrafen“. „Diese Personengruppe zog grölend durch die Ahlener Innenstadt in Richtung Werse­stadion. Aus dieser Gruppe wurden Flaschen geworfen. Durch eingesetzte Polizeikräfte wurden die Personen zum Stadion begleitet.“ Sascha Loch: „Wir sind ein demokratisches Land, man kann niemandem verbieten, nach Ahlen zu fahren. Aber man kann es steuern. Wir haben alles dafür getan, Rot-Weiß und die Polizei haben das verpasst. Das war ein Totalversagen. Diese Ignoranz muss bestraft werden.“

Ahlens Geschäftsführer Stoffers wies die Vorwürfe entschieden zurück: „Das ist eine Frechheit.“

RWA-Marketingchef Kuligowski reagierte gelassener, er habe „laut gelacht“, als er von Westfalias Einspruch gehört habe.