Vom Berg bis ans Meer

Auf extremen Distanzen sucht Michael Westerhoff (gelbes Trikot) die sportliche Herausforderung.
Auf extremen Distanzen sucht Michael Westerhoff (gelbes Trikot) die sportliche Herausforderung.
Foto: WAZ

Satte 1400 Trainingskilometer hat Michael Westerhaus allein im Juli mit dem Fahrrad zurückgelegt. Die vielen weiteren auf der „Rolle“, dem Heimtrainer in den eigenen vier Wänden, nicht mitgerechnet.

Auch nicht mit auf dem Zettel stehen die 624 Kilometer, die der 31-jährige Herner beim Fichkona Radmarathon absolvierte. Dort ging es innerhalb von 24 Stunden vom Berg bis zum Meer. Der Fichtelberg an der tschechischen Grenze war der Startpunkt: Von 1212 Metern über dem Meeresspiegel ging es Richtung Norden. Ziel: Das Kap Arkona, der fast nördlichste Teil von Rügen.

Unter mehr als 200 Startern fand sich Westerhaus in der schnellsten Gruppe wieder: „Das Rennen wurde im Verbund gefahren. Ich hatte einen Schnitt von etwa 34 Kilometer pro Stunde.“ 18 Stunden und 23 Minuten brauchte der Fitness-Trainer für die Strecke. Nur zwei Stunden und zehn Minuten rastete er. Zur Ruhe kommt man in der Zeit aber trotzdem nicht wirklich.

Wie im Urlaubskatalog

Auf seinem „wilden Ritt durch den Osten“ hat er viele Leute kennengelernt und auch ein wenig die Landschaft genießen können. Die Beschreibung auf der Internseite des Veranstalters liest sich wie ein Urlaubskatalog: Schließlich ging es sowohl über die Berge und Ausläufer des Erzgebirges als auch durch die leicht hügelige Dübener Heide und die Lutherstadt Wittenberg. Mit Polizeieskorte dann sogar nach und mitten durch die Innenstadt von Potsdam. Weiter in der Nacht über die langen mecklenburgischen Alleen, bis einem das erste Mal die salzige Seeluft in Stralsund in die Nase kriecht. Der Rügendamm und die erstaunlich hügelige Insel waren die letzten Herausforderungen bis zum Ziel am Leuchtturm.

Nicht minder anstrengend war das 24-Stunden-Rennen Anfang August in Duisburg. Zum ersten Mal versuchte sich Westerhaus auf dem Mountainbike. Im Landschaftspark Duisburg schaffte er 54 Runden á acht Kilometer. Mit den gefahrenen 432 Kilometer belegte er sogar Rang acht in der Einzelwertung. „In NRW gibt es keinen vergleichbaren Wettkampf mit dem Mountainbike“, so Westerhaus.

Und die ganzen guten Ergebnisse stimmen ihn sogar für das jetzt anstehende eimliche Saisonhighlight optimistisch. Beim „Rad am Ring“ Anfang September will er unter die Top-Ten fahren. Eine Nordschleifenrunde in der „Grünen Hölle“ des Nürburgrings hat rund 23 Kilometer und 500 Höhenmeter im Steckbrief vorzuweisen. 28 Runden in 24 Stunden ist die bisher ungeknackte Bestmarke. Michael Westerhaus schaffte bei der Auflage im vergangenen Jahr 21 Runden und belegte Rang 27 im Gesamtklassement – ein Riesenerfolg.

Fürs kommende Jahr hat sich Westerhaus den Mai schon rot markiert. Beim Race around Slovenia will er unbedingt teilnehmen. „Das ist eines der größten europäischen Mehrtagesrennen“, so Westerhaus. Und wenn er die über 1100 Kilometer in dreieinhalb Tagen oder weniger schafft, darf er sogar beim Race across America antreten. „Das ist mein absolutes Langzeitziel. In weniger als zwölf Tagen 4800 Kilometer quer durch Amerika“, schwärmt und träumt Westerhaus schon von den Rocky Mountains und den Appalachen. Eine Vorstellung, von der so mancher Alpträume bekommen würde.

 
 

EURE FAVORITEN