Reimann macht Platz für Silberbach

Wolfgang Volmer
Schon gegen die Spvgg Erkenschwick am Dienstagabend wird Jörg Silberbach auf der Herner Trainerbank sitzen.
Schon gegen die Spvgg Erkenschwick am Dienstagabend wird Jörg Silberbach auf der Herner Trainerbank sitzen.
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Den ganzen Montag über ging Uli Reimann nicht ans Handy. Auch die Mailbox war abgeschaltet, der in solchen Fällen übliche Rückruf blieb aus. Die Erklärung lieferte der noch 49-Jährige am Dienstagmittag nach: „Ich wollte nichts sehen und nichts hören, musste erstmal Abstand gewinnen.“ Abstand von seiner Tätigkeit – oder seinem Hobby? – als Trainer des Fußball-Oberligisten SC Westfalia Herne.

Stunden zuvor hatte der Verein den freiwilligen Ausstieg Reimanns und seines Co-Trainers Jörg Tottmann nach zweijähriger Amtszeit bekannt gegeben und gleich auch den Nachfolger genannt: Jörg Silberbach (48), langjähriger SCW-Spieler und Profi bei Preußen Münster, ausgestattet auch mit großer Trainererfahrung, will versuchen, den Abstieg noch zu verhindern. Sein Assistent wird Hansi Bruch, der ebenfalls aus der Westfalia-Jugend stammt und dort mit Reimann zusammen gespielt hat. Bereits am Montag leitete „Fisch“ Silberbach das Training, nachdem sich Uli Reimann zuvor in einer zehnminütigen Ansprache von der Mannschaft verabschiedet hatte.

Viele Nackenschläge hatte Reimann auch in dieser Saison bereits weggesteckt, hatte sich stets schützend vor seine junge Mannschaft gestellt. Nach dem 0:1 gegen Heven wirkte er erstmals richtig angeknockt. Nachdem er eine Nacht drüber geschlafen hatte, stand sein Entschluss fest, sich das nicht länger anzutun. „Ich bin völlig ausgelaugt, habe zuletzt auch schlecht geschlafen. Es war Zeit, die Reißleine zu ziehen“, begründet Reimann. Zugleich habe er damit Verantwortung an die Spieler übertragen. „Jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht, Akzente zu setzen. Ich weiß, dass es schwer ist. Aber ich habe immer noch die Hoffnung, dass sie die Klasse halten kann.“

Damit allein aber wäre noch nicht viel gewonnen. „Ich war zuletzt alles: Obmann, Busfahrer und Trainer. Das geht nicht, hier müssen andere Strukturen rein“, ist der Ex-Trainer und Immernoch-Herzens-Herner überzeugt. „Im Vorstand müssen noch ein, zwei Leute mitarbeiten, und auch unser Betreuer Klaus Loose kann Hilfe gebrauchen“, nennt Reimann nur einige Baustellen. So sieht es auch Vorsitzender Sascha Loch, und der hat auch erste Lösungsvorschläge. Er hat Reimann das Amt des Sportlichen Leiters angeboten. „Wir möchten Uli gern langfristig in die sportliche Führung einbinden“, ist er sich mit Uwe Heinecke, dem Abteilungsleiter 1. Mannschaft, einig. Auch Tottmann würde er gern mit anderen Aufgaben betrauen: „Beide haben viel geopfert und weit mehr geleistet, als man von einem Trainergespann erwarten darf.“

Lochs Worte sind mehr als hohle Floskeln, sie sind ein ernsthaftes Angebot. Uli Reimann will drüber nachdenken. „Aber erst muss ich Abstand gewinnen.“