Radke bringt Westfalia in Abstiegsnot

Manuel Bölstler musste bereits nach einer halben Stunde ausgewechselt werden.
Manuel Bölstler musste bereits nach einer halben Stunde ausgewechselt werden.
Foto: WAZ FotoPool
Es wird wieder eng im Abstiegskampf: Weil Ex-SCW-Stürmer zwei mal für Hamm gegen Westfalia Herne traf, ist der Vorsprung des SCW auf den Abstiegsplatz nur noch hauchdünn.

Hammer SV -
SC Westfalia Herne 3:1 (1:0)

Tore: 1:0 Höfler (12.), 2:0 Radke (57.), 2:1 Mützel (68.), 3:1 Radke (90.+1).
HSV: Lenz – Yigit, Kaminski, Rieker, Jungk - Demir, Sarisoy (56. Keskin), Maciejak, Özkaya - Radke (90.+2 Tunc), Höfler.
SCW: Carpentier - Mützel, Luvuezo, Kilic, Kosien - Bölstler (32. Zakrzewski), Weßendorf - Aktas (61. Horneffer), Ferati, Schilling - Karagülmez (46. Kaya).

„Es war mir fast klar, dass Danny Radke heute gegen uns trifft. So ist Fußball halt.“ Westfalia Hernes spielender Co-Trainer Manuel Bölstler hatte also schon mehr als eine böse Ahnung auf der Anreise zur Hammer Evora-Arena, was dort dann geschah, übertraf das aber noch deutlich.

Es sollte eigentlich der perfekte Geburtstag für Cheftrainer Holger Wortmann werden: Mit einem Sieg an seiner alten Wirkungsstätte als Trainer und Spieler, der Hammer Spielvereinigung, hätte der SCW bei einer Niederlage des SV Zweckel schon den Klassenerhalt perfekt machen können.

Es kam anders. Zunächst gewann Zweckel am Samstag mit 5:1 gegen Stadtlohn – der Klassenerhalt als Geburtstagsgeschenk für Wortmann war damit erledigt. Augenzeuge Bölstler: „Obwohl das Ergebnis sehr deutlich war, fand ich die Zweckeler Leistung nicht beängstigend. Beängstigend war eher unsere eigene Leistung in Hamm.“ Mit 1:3 verlor der SCW dort am Sonntag. Der Vorsprung auf Zweckel ist auf einen Punkt zusammengeschrumpft, die bessere Tordifferenz egalisiert: Akute Abstiegsgefahr am Schloss Strünkede.

Früh brachte Hamms Toptorjäger Jochen Höfler sein Team in Führung, nachdem er Benjamin Carpentier umkurvt hatte. Hamm hätte nachlegen müssen: Einen sauber ausgespielten Konter hätte Demir am langen Pfosten nur eindrücken müssen, doch Carpentier hielt Westfalia im Spiel (21.).

Bölstler muss früh raus

Im Gegenzug fast das 1:1: doch Semih Aktas scheiterte nach schönem Dribbling an der Fußabwehr von Torwart Manuel Lenz (24.).

Es waren die aufregendsten Minuten der ersten Halbzeit, die schnell verflachte. Nach einer guten halben Stunde der nächste Rückschlag: Manuel Bölstler musste raus, für ihn kam Martin Zakrzewski – noch ein bitterer Ausfall, nachdem der SCW schon auf Zaskoku, Gumpert und Özbicerler verzichten musste. Zakrzewski zeigte direkt, dass er nicht nur Verteidiger-, sondern auch Spielmacherqualitäten besitzt, seinen Lupferpass konnte Fatmir Ferati aber nicht verwerten.

Wortmann brachte zur Pause Enes Kaya für den im Sturmzentrum unsichtbaren Karagülmez – fast mit direktem Erfolg, Kaya scheiterte auf Vorlage von Schilling kurz am Torwart (47.). Wie es geht , zeigte auf der anderen Seite Danny Radke, der in der Hinrunde noch für Westfalia aufgelaufen war: Carpentier wehrte einen Schuss von Höfler zunächst ab, die SCW-Abwehr machte jedoch keine Anstalten, die Situation endgültig zu klären, so dass Radke den völlig harmlosen zweiten Versuch anstoppen und verwandeln konnte.

Radke feierte überschwänglich, zog sein Trikot aus und hielt es den Auswechselbänken vor die Nase. Bölstler war ihm nicht böse: „Ich freue mich nicht, dass er gegen uns getroffen hat. Aber schön, dass er in Hamm gut zurechtkommt. Er ist ruhiger geworden, das hat man auch auf dem Feld gemerkt.“

Sebastian Mützel antwortete zwar wenig später mit einem abgefälschten Linksschuss zum 2:1, doch viel Ballbesitz kam Westfalia nicht zu klaren Chancen. „Uns hat der Wille gefehlt, die letzten zehn Prozent zu geben, alles in die Waagschale zu werfen“, war Manuel Bölstler „grundsätzlich unzufrieden“, zumal der Gegner nicht allzu stark gewesen sei: „Hamm hat nicht viel geboten, hauptsächlich gekontert. Aber das erste und dritte Gegentor fallen nach einer Ecke von uns – das darf nicht passieren.“

Es kam sogar noch schlimmer: Mit seinem zweiten Tor vermieste Danny Radke seinem Ex-Trainer Holger Wortmann den Geburtstag endgültig. Bölstler: „Ich glaube nicht, dass er heute Abend feiert.“

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