Kühler Kopf schlägt heißes Herz

Eine Idee zu spät kommt Hernes Maurice Temme (rechts) bei dieser Flanke, der Hülser Abwehrspieler kann klären.
Eine Idee zu spät kommt Hernes Maurice Temme (rechts) bei dieser Flanke, der Hülser Abwehrspieler kann klären.
Foto: FUNKE Foto Services
Cleverer TSV Marl-Hüls nutzt die Fehler des ungestüm anrennenden SC Westfalia eiskalt aus und holt sich mit dem 3:0-Sieg verdient den dicksten Pokal ab.

TSV Marl-Hüls -
SC Westfalia Herne 3:0

Tore: 1:0 (10.) Nowitzki, 2:0 (75.) Westerhoff, 3:0 (85.) Diericks.

TSV: Hester - Mingo, Basile, Hötte, Hoffmann - F. Sdzuy (14. Engbert), Diericks, Völkel - Westerhoff - Nowitzki, Karija (68. D. Sdzuy).

SCW: Wassmann - Rößler, Rieker (46. Ferati), Haar (75. Vespermann), Temme - Klaas, Streit - Klein (83. Kacar), Zaskoku, Gumpert (83. Mumcu) - Petrovic (53. Kaya).

Er wolle mal wieder einen Pokal in den Händen halten, hatte Christian Knappmann vor dem Endspiel des Cranger-Kirmes-Cups gesagt. Am Samstagabend hielt der Trainer des SC Westfalia einen Pokal in den Händen. Allerdings den für Platz zwei – das hatte sich „Knappi“ gewiss anders vorgestellt.

Den etwas kleineren Pokal und den deutlich kleineren Scheck nahmen die Herner aus Sodingen mit, dazu eine nicht ganz unbedeutende Erkenntnis: Nicht jeder Gegner lässt sich einfach niederrennen. Hohes Tempo, bissige Zweikampfführung und viel Ballbesitz führen nicht zwangsläufig zum Sieg. Nicht, wenn auf der Gegenseite eine Truppe steht, die mit diesem wilden Stil rechnet, die Räume eng macht, das Zentrum schließt und mit Kontern seiner abgezockten Offensivkräfte jede Schwäche nutzt. So wie der TSV Marl-Hüls an diesem Samstag.

Westfalia beginnt „ohne Sechs“

Kühler Kopf schlägt heißes Herz: Dieser Titel würde zu dem 90-minütigen Spielfilm am Holzplatz passen. Ohne erfahrene Leistungsträger wie Onucka, Kühn, Mützel, Carpentier, Trisic und zunächst auch Ferati schickte Knappmann seine „jungen Wilden“ auf den Rasen, der nach 16 Spielen an acht Tagen, nach viel Sonne und wenig Wasser kaum mehr als solcher zu erkennen war. Und die jungen Wilden taten, was sie können – und was ihnen ihr emotional aufgeladener Übungsleiter lautstark mit auf den Weg gab. Sie rannten, kämpften, attackierten. Gingen nach Ballverlust sofort drauf, um sich die Kugel zurückzuholen. Sofort war Feuer im Spiel.

Die erste Halbchance hatte Westfalia, doch Gumperts Flanke erreichte Petrovic nicht. Der TSV stand tief, räumte mit Hötte und Basile im Zentrum und Diericks davor konsequent auf und lauerte auf Herner Fehler – um gleich den ersten zu bestrafen. Nowitzki lief Rieker an, der fabrizierte einen halbhohen Rückpass auf Torwart Wassmann, der den Ball auf holprigem Boden nicht verarbeiten konnte. der schnelle Nowitzki hatte den Braten gerochen, war nachgesetzt, und von seinem Schienbein prallte der Ball ins leere Herner Tor (9.).

Das 1:0 spielte dem Oberligisten in die Karten, der nun clever seine Kontertaktik weiter verfolgen konnte. Während der SCW anrannte, ohne zu klaren Abschlüssen zu kommen, brannte es bei den Hülser Kontern lichterloh. In der 20. Minute grätschte Haar in Nowitzkis Querpass auf Westerhoff, sonst wäre das 2:0 fällig gewesen. Kurz darauf prallte ein Ball von Temmes Knie direkt zu Nowitzki, aber Wassmann lenkte dessen Schuss reaktionsschnell zur Ecke. Fast im Gegenzug jubelten die Herner, aber Streits Kopfballtor nach kurz ausgeführter Ecke fand wegen Abseits keine Anerkennung.

Mit Feratis Hereinnahme wurde Herne nach der Pause gefährlicher. Die erste Kostprobe seiner Schusstechnik gab Ferati, als sein Schlenzer knapp den Winkel verfehlte (54.). Später durfte er dreimal in seiner Spezialdisziplin ran, dem Freistoß-Schießen. Zwei seiner Bälle am Knick vorbei, ein Schuss landete in der Mauer. Deutlich effektiver waren die Hülser. Mit einem tollen Reflex konnte Wassmann gegen Westerhoff das 0:2 (66.) noch verhindern, neun Minuten später durfte der TSV-Kapitän unbedrängt Nowitzkis Querpass veredeln. Der SCW hatte bei eigenem Einwurf in Höhe des TSV-Strafraums auf jede Absicherung verzichtet, so dass Nowitzki aus der eigenen Hälfte allein aufs SCW-Tor zulaufen konnte.

Und als Herne alles auf eine Karte setzte, schlug der TSV erneut zu. Nach eigener Balleroberung erlief Diericks den von Westerhoff per Hacke gespielten Steilpass und setzte den Schlusspunkt unter eine Lektion zum Thema Cleverness.

 
 

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