„Ich kann über alles und jeden lachen“

Allein gegen alle: Teya Wright, Hernes derzeit verletzte Centerin (Mitte), versucht auch außerhalb des Basketballfeldes, alle Hindernisse zu überwinden.
Allein gegen alle: Teya Wright, Hernes derzeit verletzte Centerin (Mitte), versucht auch außerhalb des Basketballfeldes, alle Hindernisse zu überwinden.
Foto: Haenisch / waz fotopool

Die Fahrt durch Herne am Montagnachmittag ist anstrengend: Es ist Berufsverkehr. Immer wieder muss der Fahrer am Steuer aufpassen und anhalten, weil Ampeln auf Rot schalten. Außerdem scheren stets Autos aus oder blinken, weil sie auf die andere Spur wollen.

Doch Teya Wright macht den Trip durch die Emscherstadt angenehm. Die amerikanische Centerin des Basketball-Bundesliga-Teams Herner TC lacht viel und ist äußerst kommunikativ, während des Gesprächs gibt es kaum Pausen, schier unendlich sind die Themen, über die man sich mit der 24-Jährigen unterhalten kann; sie lässt sich nicht nur fragen, sondern stellt auch Gegenfragen. „Ich kann über alles und jeden lachen“, sagt Wright.

Im Januar will sie dem HTC wieder zur Verfügung stehen, nachdem sie im Saison-Eröffnungsspiel durch eine schwere Armverletzung außer Gefecht gesetzt wurde. „Die Blessur war schrecklich. Darüber hinaus war es das erste Mal für mich, dass ich mit Chirurgen zu tun hatte und operiert wurde“, berichtet Wright.

Angebote anderer Vereine

Die sprunggewaltige US-Amerikanerin, geboren im Nordosten der USA in Paterson im US-Bundesstaat New Jersey, die über ihre Spieleragentur nach Herne vermittelt wurde, ist in ihrer zweiten Saison beim HTC – und das, obwohl sie vor der Spielzeit mehrere Angebote von anderen Vereine hatte. Doch sie hielt ihrem Club die Treue.

„In den letzten acht Spielen der vergangenen Saison sind wir zu einer Mannschaft zusammengewachsen. Das war der Wendepunkt. Wir sind immer besser geworden und das hat mich schließlich überzeugt. Es ist ein Teamgeist entstanden“, sagt Wright, deren Lebensmotto es ist, niemals aufzugeben. „Erfolg ist sehr wichtig für mich und ich versuche, alle Lebensbereiche mit Fortschritt und Gelingen zu gestalten. Ich finde immer einen Weg, um Hindernisse zu überwinden“, erklärt Wright.

Auch bei ihrer Armverletzung. Rechtshänderin Wright kann ihren rechten Arm nicht ausstrecken, trainiert dafür aber tagtäglich und macht Krankengymnastik.

Die Leistungssportlerin liebt die Herner Innenstadt, geht gerne einkaufen, verbringt ihren Nachmittag mit der Mannschaft oder auch einmal, indem sie schläft, und hat schon viele Städte der Umgebung besucht: Bochum, Dortmund, Köln oder Essen. „Im Vergleich zu den USA ist hier vieles kleiner, die Geschäfte oder die Autos. Studenten bezahlen keine Studiengebühren, jeder hat – nicht so wie bei uns – eine Krankenversicherung, und das Benzin ist viel teurer“, nennt Wright die aus ihrer Sicht wichtigsten Unterschiede zwischen den USA und Deutschland.

Sie will in ihrem Leben noch viel herumreisen und viele Sprachen erlernen, auch wenn es mit dem Deutschen noch etwas hapert.

Bachelor in Betriebswirtschaft

Einen Fernseher hat die schwarze Amerikanerin, die eine graue Mütze trägt, doch sie hat ihn in diesem Jahr noch nicht angeschaltet. Auf ihrem Nachttisch liegt ein Buch über die Frage, wie man im Berufs- und Privatleben erfolgreich sein kann. Und was waren die letzten drei Dinge, die sie mit ihrer Kreditkarte gekauft hat? „Ein Paar Stiefel, Nahrungsmittel und Süßigkeiten“, antwortet die 24-Jährige, deren erstes Auto ein Honda Civic 2002 war. Einen Freund hat sie derzeit nicht, Wright mag keine Fernbeziehungen. Gedanken über ihre berufliche Zukunft hat sie sich noch nicht so sehr gemacht, aber eine Tätigkeit als Basketball-Coach kommt für sie eher nicht in Frage. Abgeschlossen hat sie ihr Studium der Betriebswirtschaft mit einem Bachelor.

Wright hält Kontakt zur Familie

Familienmensch Wright hält über Facebook, Internet und Skype Kontakt zu ihrer Familie in den USA. Sie hat einen älteren Bruder, der als Musiker arbeitet, eine ältere Schwester, die im Sicherheitsdienst tätig ist und eine jüngere Schwester, die noch zur Schule geht.

Der Arm von Teya Wright ist geschient. „Ich mache gute Fortschritte, was meine Verletzung anbetrifft“, berichtet sie mit energischer Stimme. Und strahlt über das Gesicht. Sie lebt mit den HTC-Spielerinnen Quenise Davis (USA) und Henna Salomaa (Finnland) in einer Wohngemeinschaft unweit der Herner Innenstadt. „Das funktioniert sehr gut und ich bin es seit meinen Zeiten am College gewöhnt, mit anderen Personen zusammen zu leben. Ich kann mich sehr gut anpassen“, sagt Wright.

Angekommen an der Wohnung ist die Fahrt durch die überfüllten Straßen von Herne im Flug vergangen.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen