HTC-Krimi in Halle

Starke Leistung in Halle: Quenice Davis.
Starke Leistung in Halle: Quenice Davis.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Wer gedacht hat, dass die Spannung in Spiel eins nicht mehr zu toppen gewesen wäre, lag falsch: Eigentlich war der HTC gut im Rennen, doch durch einen 0:13-Lauf im dritten Viertel kippte das Spiel plötzlich. Doch der Herner TC stand wieder auf und schaffte es in die Verlängerung.

Was für ein Abend, was für ein Drama! Seit neun Minuten vor neun Uhr am Freitagabend steht fest: Mit 78:76 nach Verlängerung zieht der Herner TC ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft ein. Trainer Marek Piotrowski war begeistert: „Die Mannschaft hat gefightet und Moral bewiesen, ist immer zurückgekommen, das ist einmalig. Ich bin stolz auf das Team, es hat unglaublich Spaß gemacht vor dieser Kulisse. Das ist ein Riesending.“

Bis es soweit war, vergingen allerdings fast zwei Stunden, in denen das Spiel durchgängig auf Messers Schneide stand.

Der Gastgeber legte vor Spielbeginn eine pompöse Show hin: In komplett abgedunkelter Halle, nur von Spotlight-Scheinwerfern verfolgt, durften die Lions einzeln in die Halle einlaufen – mehr als ein Ansporn für die Herner Schlachtenbummler, die stimmungstechnisch das Kommando übernahmen, sobald das Licht wieder an war.

Halle trifft Sekunden vor der Sirene

Zumindest Quenice Davis beeindruckte das wenig, sie erzielte nach 24 Sekunden direkt die ersten drei Punkte. Dann übernahmen allerdings die Gastgeberinnen das Spiel – während der HTC sich immer wieder Fehlwürfe und Ballverluste leistete, spielte Halle seine Angriffe schnell und teils sehr ansehnlich aus zum 10:3 nach drei Minuten. Beim 12:7 nahm Marek Piotrowski seine erste Auszeit. Es half ein bisschen: Nach zehn Minuten lag der HTC zwar hinten, hatte sich aber auf 23:21 herangearbeitet. Piotrowski über die schwierige Anfangsphase: „Uns war klar, das Halle aufdrehen würde am Anfang, sie mussten schließlich gewinnen. Wir hatten aber den Heimsieg im Rücken, der Rückstand hat mir nicht so viele Sorgen gemacht.“

Direkt nach Wiederanpfiff glich Lisa Koop dann für Herne aus, durch einen Bonusfreiwurf von Quenice Davis ging Herne zwei Minuten später wieder in Führung (23:25). Die Führung wechselte mehrmals hin und her, zum Ende des Viertels bekam der HTC zwar Foulprobleme, was aber nichts ausmachte, da die Lions mehrere Freiwürfe ausließen, so dass die Hernerinnen mit einer 40:37-Führung in die Pause gingen.

Nach der Pause dann das umgekehrte Bild, die Gastgeber foulten in drei Minuten drei Mal, der HTC zog auf 52:41 davon (15. Minute). Doch obwohl der Herner Anhang sich immer öfter lautstark bemerkbar machte, ließen sich die Gastgeber, die jetzt auf Zonenverteidigung umgestellt hatten, nicht abschütteln, durch einen 13:0-Lauf drehten die Lions das Ergebnis vor dem letzen Abschnitt zum 54:52. Piotrowski musste dem Gegner für diese Leistung Respekt zollen: „Halle hat sich mit allen mitteln gewehrt, gerade mit den Zuschauern im Rücken.“

Katarina Flasarova eröffnete das letzte Viertel mit einem Dreier, es wurde dramatisch, die Führung wechselte innerhalb von zwei Minuten fünf Mal, bis zum 69:66 für Halle 96 Sekunden vor Schluss konnte sich kein Team mit mehr als zwei Punkten absetzen. Auch die Stimmung kochte immer weiter hoch – es wurde so laut und schrill,dass der Schiedsrichter die Zuschauer via Hallensprecher bat, das Pfeifen zu unterlassen.

Salomaa vergibt zwei Freiwürfe

Jetzt hatten die Lions alle Trümpfe in der Hand: Drei Punkte Vorsprung, während der HTC bereits fünf Fouls angesammelt hatte (Halle nur zwei). Nach einem Offensivfoul von Lisa Koop trat Tiffany Porter-Talbert an die Freiwurflinie und vergab zweimal – doch Teya Wright foulte beim Rebound.

Nächster Freiwurf. Katharina Fikiel trifft. Doch den zweiten vergibt sie und Wright hat wieder den Rebound und zwar diesmal fair – und im Gegenzug trifft Henna Salomaa den Dreier zum 69:70. Steal von Quenice Davis, nächster Dreier von Salomaa – Herne führt, 70:72, noch 7,7 Sekunden auf der Uhr!

Auszeit Lions, die Burgstraße kocht. Tiffany Porter-Talber gleicht vier Sekunden vor dem Ende aus, der Buzzer-Beater von Quenice Davis verfehlt das Ziel. Verlängerung in Halle.

Noch zwanzig Sekunden der fünf Extraminuten führt Herne mit zwei, Henna Salomaa vergibt zwei Freiwürfe, doch der letzte Wurf der Lions springt vom Ring ins Feld – Schlusssirene, der Herner TC steht im Halbfinale!

Zahlen und Fakten

Gleich zwei Spielerinnen des Tages gab es gestern Abend auf Herner Seite.

Zum einen Lisa Koop, die die kompletten 45 Minuten auf dem Feld stand. Sie hatte eine gute Wurfquote (57 Prozent, 16 Punkte) und holte außerdem sieben Rebounds.

Die besten Statistiken des Abends hatte aber Quenice Davis.

Sie erzielte in etwas mehr als 42 Minuten 25 Punkte (50 Prozent aus dem Feld), traf vier von neun Dreierversuchen, gewann vier Rebounds, traf drei von vier Freiwürfen und holte vier Steals.


SV Halle Lions – Herner TC 76:78

Viertel: 23:21, 14:19, 17:12, 18:20

Verlängerung: 4:6
Halle: Rego (12), Kohlmann, Gaudermann, Henningsen (n.e.), Abelova (9), Fikiel (12), L. Hebecker (14), Schnorr (13), E. Hebecker (n.e.), Porter-Talbert (16).
Herne: Davis (25/4 Dreier), Müller, Koop (16), Bräuer, Terzic (8/1), Karic (2), Salomaa (6/2), Flasarova (8/2), Wright (10), Gawronska (3/1).
Rebounds: 11:12 (offensiv),

28:29 (defensiv).

Quoten: 44% – 44%(gesamt); 16/29 – 6/11 (Freiwürfe); 0/7 – 10/20 (Dreier).

 
 

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