Herner Gerüst bleibt stehen

Wolfgang Volmer
Für mehr Durchschlagskraft im Herner Angriff soll Daniel Eisenkopf (blaues Trikot) sorgen, der zuletzt beim TSV Marl-Hüls spielte.
Für mehr Durchschlagskraft im Herner Angriff soll Daniel Eisenkopf (blaues Trikot) sorgen, der zuletzt beim TSV Marl-Hüls spielte.
Foto: WAZ FotoPool

Am Tag nach dem dramatischen Saisonfinale mit dem kaum noch erwarteten Klassenerhalt machte Jörg Silberbach das, was Fußballer eben so tun, wenn eine Spielzeit beendet ist. Er bestieg den Flieger nach Mallorca, um die Nachspielzeit zu genießen. Per Handy war Westfalia Hernes Trainer aber stets mit der Heimat verbunden, galt es doch, sich mit Uli Reimann und Uwe Heinecke abzustimmen, die derweil am künftigen Oberligakader bastelten.

Abgeschlossen sind die Planungen noch nicht, sie sind aber so weit gediehen, dass der SCW mit den bisherigen Ergebnissen an die Öffentlichkeit geht. Zehn Abgängen, überwiegend bereits bekannt, stehen acht Zugänge gegenüber, von denen vier allerdings aus der eigenen Jugend kommen. Die ganz großen Namen, die richtigen „Kracher“ sind nicht dabei, wie man schon ahnen konnte. Viel zu verdienen gibt es in Herne nämlich nicht. „Wir setzen weiter auf die Jugend und müssen versuchen, über mannschaftliche Geschlossenheit und gute Fitness die nötigen Punkte zu holen“, unterstützt Silberbach den Herner Jugendstil. „Aber natürlich wird das wieder eine ganz schwere Saison.“

Krantz’ Spielerpass bleibt in Herne

Wohler wäre ihm, zwei junge Burschen würden in den nächsten Tagen unterschreiben, die erst in der Schlussphase der letzten Saison für die „Erste“ aufliefen: Semih Güler und Onur Özbicerler. Beide Talente zögern noch, spekulieren auf bessere Angebote. Zu früh, wie Silberbach findet. „Es würde auch für sie Sinn machen, den nächsten Schritt noch in gewohnter Umgebung zu gehen“, will der erfahrene Trainer die Jugendlichen noch weiter entwickeln. Sein Vorgänger sendet auch in diesem Punkt auf derselben Wellenlänge: „Semih und Onur sind zwei Top-Talente, die wir sehr gerne im Kader halten würden“, bestätigt Uli Reimann. Als Sportlicher Leiter schöpft er seine Spielräume voll aus.

Neben diesen Jungs gibt es einen dritten „unsicheren Kantonisten“: Matthias Krantz. Der 34-Jährige war nicht nur wegen seiner Routine und sportlichen Klasse ein Faktor im Abstiegskampf, er war auch als Persönlichkeit immens wichtig. Ihn lockt jetzt eine interessante berufliche Aufgabe nach Schweden. Noch ist das nicht ganz sicher, und sein Spielerpass bleibt in Herne.

Die Erfahrungslücke, die Krantz hinterlässt, kann Daniel Eisenkopf vielleicht schließen. Der 30-Jährige kommt vom TSV Marl-Hüls, wo er meist links in der Viererkette spielte. Er soll aber in Herne dem Angriff zu mehr Durchschlagskraft verhelfen. Eisenkopf ist „gelernter Stürmer“ und hat beim Probetraining auch in dieser Rolle überzeugt.

Großes Potenzial hat Silberbach auch bei Dennis Wessendorf gesehen. Der defensive Mittelfeldspieler gehörte zum Kader des VfB Hüls, hatte in der Regionalliga aber nur drei Kurzeinsätze. „Dennis hat bei Martin Schmidt aber viel gelernt. Ich denke, er hat gute Chancen, sich bei uns durchzusetzen“, baut Silberbach auf den 21-Jährigen.

Für die offensiven Außenbahnen hat der SCW mit Serdar Yigit einen gestandenen Fußballer verpflichtet, der zuletzt mit dem SV Zweckel in die Oberliga aufstieg, zuvor aber mehrere Jahre beim DSC Wanne-Eickel und in Sodingen kickte. Vierter externer Neuzugang ist Mercan Türkyilmaz. Er kommt aus der A-Jugend des TSC Eintracht Dortmund und hat rechts im Angriff gespielt, wo beim SCW durch Andreas Pollaschs Weggang ein Platz frei wird.

Große Stücke hält man in Herne auch auf Kai Forin, der als Innenverteidiger bei der A-Jugend konstant stark spielte. Mit ihm rücken drei weitere A-Jugendliche in der Oberliga-Kader auf: Torwart Lukas Seelemeyer sowie die Mittelfeldspieler Christoper Antwi-Adjej und Bastian Hufnagel. „Insgesamt sehe ich uns gar nicht schlecht aufgestellt, zumal wir ja unser Gerüst behalten“, ist Jörg Silberbach guten Mutes. Marcel Johns, Michael Planhof, Robin Gallus und auch Marc Schröter bilden eine Achse, um die herum etwas entstehen kann. Erst recht, wenn Güler und Özbicerler dabei bleiben.

Abgänge: Rasit Tekin (TSG Sprockhövel), Andreas Pollasch (U 23 RW Oberhausen), Samed Sazoglu (DSC Wanne-Eickel), Philipp Kraska (unbekannt), Marvin Poggel (TuS Sinsen), Tom Wisniewski (BW Obercastrop), Christopher van der Heusen (SV Sodingen), Danny Tottmann (TSV Marl-Hüls), Samet Ural (TSV Marl-Hüls).

Zugänge: Daniel Eisenkopf (TSV Marl-Hüls), Dennis Wessendorf (VfB Hüls), Mercan Türkyilmaz (Eintr. Dortmund, A-Jgd.), Kai Forin, Christopher Antwi-Adjej, Bastian Hufnagel, Lukas Seelemeyer (alle eigene A-Jugend), Lokman El-Kasmi (vereinslos), Serdar Yigit (SV Zweckel).

KaderTor: Marcel Johns, Merten Heilmann, Lukas Seelemeyer; Abwehr: Michael Planhof, Robert Hansmann, Robin Gallus, Christian Kaup, Tim Reimann, Torben Reimann, Kai Forin. Mittelfeld: Mustafa Kaya, Alexander Sube, Christopher Antwi-Adjej, Bastian Hufnagel, Serdar Yigit, Dennis Wessendorf, Mercan Türkyilmaz, Christian Johns, Lokman El-Kasmi. – Sturm: Marc Schröter, Dejan Petrovic, Alexander Sube, Daniel Eisenkopf

Trainer: Jörg Silberbach, Hansi Bruch, Pietro Perrone.

Trainingsauftakt: Samstag, 6. Juli.