Der Ruf der Berge

So langsam steigt das Kribbeln bei Michael Westerhaus. Kein Wunder, denn für den Extremsportler aus Wanne-Eickel rückt die größte sportliche Herausforderung seiner Laufbahn immer näher. Am kommenden Freitag, 24. Juni, startet der 30-Jährige beim „Race across the Alps“, dem härtesten Eintagesradrennen der Welt.

Nach dem Startschuss im österreichischen Nauders liegen dann rund 540 Kilometer vor Westerhaus, die in einem Tag und einer Nacht gemeistert werden müssen. Dabei geht es allerdings quer durch die Alpen, und das Profil der Strecke, die durch Italien und die Schweiz zurück nach Nauders führt, ist wirklich Respekt einflößend. 14535 Höhenmeter müssen die Athleten bewältigen, und dabei geht es über etliche Pässe, die deutlich über der 2000-Meter-Marke liegen.

„Bei diesem Radrennen werden echte Helden geboren“, heißt es auf der Homepage (www.raceacrossthealps.com) des Ausrichters. Die zu befahrenden Bergstraßen halten locker mit den klassischen Etappen des Giro d’Italia oder der Tour de Suisse mit: Stilfserjoch, Gaviapass, der extrem steile Mortirolo und die Skistation Aprica, der Bernina-, Albula-, Flüela, Ofen- und Umbrailpass sind bei der halsbrecherischen Tour zu bewältigen.

Kein Wunder, dass auch bei der 11. Auflage des „RATA“ ausschließlich erfahrene Langstreckenspezialisten starten dürfen. „Die Qualifikation ist schon individuell, aber man muss bewiesen haben, dass man solche Strecken fahren kann“, erzählt Westerhaus. Und das hat der Fitnesstrainer: Letzten Sommer beim „Rad am Ring“, dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, schaffte der Wanne-Eickeler 21 Runden, insgesamt 540 Kilometer. Das bedeutete Rang 27 unter knapp 460 Startern, in seiner Altersklasse gar Platz acht.

Wenig später stand fest: Michael Westerhaus ist aufgenommen in den elitären Kreis von 44 Fahrern für das „RATA 2011“. Und auch für den Radsportler galt die alte Fußball-Weisheit: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Neben seiner Arbeit im Fitnesscenter und privaten Verpflichtungen fand Westerhaus auch in den letzten Wochen immer noch die Zeit, wöchentlich über 400 Kilometer auf dem Rad abzusitzen. Und auch die letzten beiden Vorbereitungsrennen sind gut gelaufen. Beim „M312“, dem Ultra-Radmarathon auf Mallorca über 312 Kilometer, fuhr Westerhaus unter den besten 50 und blieb mit 11:16 Stunden deutlich unter der von ihm angepeilten Zwölf-Stunden-Marke. Beim Velo-thon in Berlin mit 13000 Teilnehmern verpasste er allerdings einen anvisierten Top-100-Platz. „Das lag aber weniger an meiner Leistung als am sehr schlechten Startplatz. Mit der Fahrzeit war ich aber zufrieden“, sagt Westerhaus.

Gestern stand für ihn noch ein kleinen Rennen in Coesfeld an („um die Beine so richtig leer zu fahren“), heute und am Sonntag wird noch mal ganz locker trainiert. Und nach der ganz kurzen regenerativen Pause geht es dann am Mittwoch bereits in Richtung Österreich. Mit im Auto, das Westerhaus auch auf der Rennstrecke durch die Alpen begleiten wird, sitzen seine beiden Betreuer Stephy und Christian Reichenberg. Für die wird das „RATA“ auch eine echte Herausforderung. „Sie haben Material und ein Ersatzrad am Bord und kümmern sich um meine Verpflegung. 540 Kilometer mit 20 km/h hinter mir herzufahren, und das auch die Nacht durch, wird sicher nicht einfach sein“, weiß Westerhaus. Den wesentlich größeren Kraftakt muss aber er bewältigen, und dabei hat er vorrangig ein Ziel im Auge: „Das Wichtigste ist, durchzukommen. Und das nicht unbedingt als Letzter“, sagt Michael Westerhaus. Und hängt noch dran: „Wenn alles gut läuft, kann ich vielleicht die 28-Stunden-Marke knacken. Das wäre optimal.“

 
 

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