Der Mann, der den BVB „erschoss“

Siegfried Grams (links) beim Training zusammen mit dem ehemaligen S04-Keeper Horst Mühlmann in der Schalker Glückauf-Kampfbahn. Der „Eiserne Fritz“, Trainer Fritz Langner, beobachtet die Trainingseinheit seiner Schützlinge.
Siegfried Grams (links) beim Training zusammen mit dem ehemaligen S04-Keeper Horst Mühlmann in der Schalker Glückauf-Kampfbahn. Der „Eiserne Fritz“, Trainer Fritz Langner, beobachtet die Trainingseinheit seiner Schützlinge.
Foto: Friedhelm Wessel

An den 22. Mai 1955 erinnert sich Siegfried Grams noch ganz genau. Damals fungierte der 13-Jährige als Balljunge in der Schalker Glückauf-Kampfbahn. Rund 60 000 Zuschauer waren im Stadion, denn dort standen sich der SV Sodingen und der 1. FC Kaiserslautern im Vorrundenspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft gegenüber. „Doch als ich die Zuschauermassen sah, bekam ich richtig Angst“, erzählt der spätere Fußballprofi aus dem Herner Vorort, der längst im sauerländischen Meinerzhagen heimisch geworden ist.

Sieben Jahre nach dem denkwürdigen Ereignis in Schalke titelte die Herner Westdeutsche Allgemeine aber: „Grams erschießt den BVB“, denn Siegfried Grams gehörte inzwischen dem erfolgreichen Oberliga-Kader der Grünweißen an und die traten unter anderem gegen die Borussia, den MSV, Rot-Weiß Oberhausen oder S04 an. Bereits als Schüler und Jugendspieler hatte der Kicker, der im ehemaligen Pflüger-Haus im Schatten von Mont-Cenis zu Hause war, auf sich aufmerksam gemacht. So erfolgten bald Berufungen zu Auswahlspielen, wo er zusammen mit den späteren Fußball-Legenden Reinhard „Stan“ Libuda, Wolfgang Overath und Jürgen Sundermann und dem jüngst verstorbenen Grünweißen Lothar Hensel kickte.

Mit dem SVS nach Tunesien

In Sodingen lief es zunächst recht gut für den jungen Kicker, der den Beruf eines Feinblechners erlernte. „Im Sommer 1961 musste ich einmal sofort meine Arbeitsstelle verlassen, weil ich überraschend für die Reise der Oberligaelf nach Tunesien nominiert wurde. Ich war damals der jüngste Spieler im Kader und teilte mir das Zimmer mit SVS-Legende Hennes Adamik, dem ältesten Kicker des Teams“, erinnert sich Siegfried Grams.

Der Trainer der benachbarten Westfalia, Fritz Langner, war längst auf den torgefährlichen Sodinger aufmerksam geworden. Als der „eiserne Fritz“ vom Herner Schloss zum Gladbacher Bökelberg wechselte, nahm er Grams mit. „Eine spannende Zeit, dann hier spielte und trainerte ich mit Jupp Heynckes, Günter Netzer und Horst Höttges“, verriet der ehemalige Grünweiße. Besonders Höttges sollte ihm später einmal das Fußballerleben schwer machen.

Zwei Jahre gehörte Grams dem Team aus Mönchengladbach an, konnte sich aber nie richtig durchsetzen. So folgte er schließlich Trainer Fritz Langner nach Schalke. Bei den Königsblauen kam Siegfried Grams zunächst nur bei den Amateuren oder bei Turnieren zum Einsatz. In dieser Zeit freundete sich „Siggi“, wie der Stürmer aus Sodingen gerufen wird, mit Hannes Becher, Friedel Rausch, Karl-Heinz Bechmann an. Dann kam der 5. März 1966. Siegfried Grams stand erstmals in der Startelf der Knappen. Zu Gast war die Mannschaft von Werder Bremen. Hier hatte ein beinharter Abwehrspieler auf sich aufmerksam gemacht, den Bundesligadebütant Grams schon vom Bökelberg kannte: Horst „Eisenfuß“ Höttges. „Der spielte mich schwindelig“, erzählt Grams. Die Begegnung ging verloren, Werder gewann 6:1, und beim „Eisernen Fritz“, bei dem der Herner fünf Jahre trainierte, fiel Grams in Ungnade. Hinzu kam noch Verletzungspech. Seine Karriere setzte Siegfried Grams zunächst beim Oberlisten TSV Marl-Hüls fort, um dann nach Meinerzhagen zu wechseln. Hier beendete der Kicker, der einst den „BVB erschoss“, 1974 seine aktive Laufbahn.

An seine Zeit in Schalker erinnert sich der Sodinger gerne. Kurz nach Einweihung des Parkstadions tauschte Siggi Grams sogar alte Erinnerungen mit Stan Libuda, Klaus Fichtel und Friedel Rausch aus. Später zog er sich für ein Benefizspiel in Meinerzhagen noch einmal das Trikot über. Zu Gast war die Traditionsmannschaft der Schalker, der unter anderem Klaus Senger, Hermann Erlhoff und Willi Koslowski angehörten. Und mit dem „Schwatten“ hatte sich ja Grams bereits zu Oberligazeiten spannende Zweikämpfe geliefert.

 
 

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