Der Boxer übernimmt

Seine Bilanz als Interimstrainer ist makellos. Und doch wurde Arben Tahiri seine Aufgabe beim SC Westfalia Herne so schnell wieder los, wie sie ihm zugefallen war. Am morgigen Donnerstag leitet Klaus Täuber (52) erstmals das Training des NRW-Ligisten.

„Klaus Täuber hat bei uns einen Vertrag über das Saisonende hinaus unterschrieben“, erklärte Timur Camci, Sportlicher Leiter des SCW. „Mit ihm als Eckpfeiler unserer Planungen werden wir jetzt umgehend die Gespräche mit den Spielern forcieren, um auch in Zukunft einen schlagkräftigen Kader zu haben.“ Und diese Zukunft werde sich definitiv in der NRW-Liga abspielen - allen wirtschaftlichen Problemen zum Trotz.

Über Täuber muss man in der Szene nicht viele Worte verlieren. Aus Erlangen stammend, kam der bullige Außenstürmer über die Stationen 1. FC Nürnberg und Stuttgarter Kickers nach Schalke, wo er mit seiner geradlinigen Spielweise schnell zum Publikumsliebling wurde. Nur um die chronisch klamme Kasse zu füllen, verkauften die Schalker ihren Führungsspieler nach Leverkusen. Dort war er mit dem entscheidenden Elfmeter fim Finale gegen Espanol Barcelona am Gewinn des UEFA-Pokals beteiligt, dem bislang einzigen großen Titel von „Vizekusen“. Kurz darauf, musste der „Boxer“ seine aktive Laufbahn nach 137 Erstligaspielen wegen eines gebrochenen Halswirbels beenden.

Im Ruhrgebiet aber hatte er seit seiner Schalker Zeit Wurzeln geschlagen. Seitdem lebt er in Dorsten-Wulfen. Wenige Kilometer weiter, beim FC Rhade, begann Täuber Anfang der neunziger Jahre seine Trainerlaufbahn, entdeckte dort spätere Profis wie Sascha Wolf oder Ünal Alpugan.

Seine zweite Trainerstation führte ihn zurück nach Schalke, wo er viele Jahre lang die Talente der U23 in der Oberliga ausbildete. Spieler wie Mike Hanke, Tamasz Hajnal oder Filip Trojan sind durch seine Schule gegangen. Danach saß Täuber mehrere Jahre beim Nordrhein-Oberligisten ETB SW Essen auf der Bank, zuletzt war er gut drei Jahre beim Herner Ligarivalen VfB Hüls tätig. Dort stellte der 52-Jährige sein Amt am letzten Donnerstag zur Verfügung, nachdem er Wochen zuvor seinen Ausstieg zum Saisonende angekündigt hatte und sein früherer Mannschaftskamerad Olaf Thon als sein Nachfolger vorgestellt worden war.

Täuber gehört nicht nur derselben Spielergeneration an wie Frank Schulz, er ähnelt seinem Vorgänger auch in seiner Auffassung vom Fußball. „Täuber passt perfekt zur Westfalia“, meint Camci. „Er stand und steht für die Tugenden, die auch unser Team auszeichnen: Einsatz, Kampf und Mannschaftsgeist.“

Täuber selbst kennt seinen Ruf als „harter Hund“, kann damit aber wenig anfangen. „Ich kann heute noch nicht übersetzen, was das bedeuten soll. Spieler wie Ercan Kacar, die mich kennen, wissen: Wenn es vernünftig läuft, bin ich ihr bester Freund. Das ist ein Nehmen und ein Geben.“

Natürlich freue er sich auf seine neue Aufgabe. „Eigentlich wollte ich bis Juli eine Pause einschieben, aber nachdem Frank Schulz kurzfristig abgesprungen ist, hat es sich halt so entwickelt. Vorteil ist sicher, dass ich besser Einfluss auf die Zusammenstellung der Mannschaft nehmen kann.“

Das 3:0 gegen Köln habe er sich nicht vor Ort angeschaut, um keine Spekulationen aufkommen zu lassen. „Wir haben uns erst nach dem Spiel im Büro von Herrn Stieneke getroffen und da alles klar gemacht.“ Als Trainer eines Ligakonkurrenten ist er aber über die Stärken und Schwächen des SCW im Bilde. „Die Mannschaft hat sich gut gefunden, trotz aller Probleme nie einen Knacks bekommen. Das spricht für dieses Team.“

Jetzt will er sich voll in seine neue Aufgabe stürzen. Parallel zur Vorbereitung auf das Spiel in Schermbeck soll die Planung für die neue Saison vorangetrieben werden. „Erst sprechen wir mit den eigenen Spielern, das ist Pflicht. Dann sehen wir mal, wo Lücken sind und was der Markt hergibt.“

Eine Lücke dürfte im Sturm entstehen. Abdou Ouro-Akpo liegen laut Jürgen Stieneke so gut dotierte Angebote vor, dass er nicht zu halten ist.

 
 

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