Ausgerechnet das Herz

Großes Medieninteresse im April 1959:  Die Herner Nationalspieler Alfred Pyka (Mitte), Helmut Benthaus (links) und Hans Tilkowski.  Foto: Archiv Piorr
Großes Medieninteresse im April 1959: Die Herner Nationalspieler Alfred Pyka (Mitte), Helmut Benthaus (links) und Hans Tilkowski. Foto: Archiv Piorr
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Am Ende war es sein Herz, das nicht mehr schlagen wollte. Alfred Pyka, Mittelläufer der legendären Elf von Westfalia Herne der 1950er Jahre, starb am Dienstag, den 10. Januar 2012, im Herner Marienhospital. In einem Fernsehinterview bekannte er einst: „Westfalia ist ein Teil meines Lebens. Ich spiele auch noch gerne hier und irgendwann muss ich mich auch hier von dem Rasen verabschieden. Das tut mir dann leid, aber so ist nun mal der Lauf der Zeit.“

Als Kind kam der 1934 geborene Pyka aus Schlesien nach Herne und trat 1949 der Jugend des SC Westfalia Herne bei. Vier Jahre später absolvierte er sein erstes Pflichtspiel als Senior in der Zweiten Liga West gegen den Rheydter Sportverein. Angestachelt von seinen Mitspielern sollte er auf seinen Gegenspieler, den Stürmer Franz „Penny“ Islacker, „immer ordentlich drauf gehen“. Nachdem er dies zweimal getan hatte, fragte Islacker ihn, ob er das Ende des Spiels noch erleben wolle? „Ich habe gar nicht verstanden, was er meinte“, erzählte Pyka später, „aber kurz vor der Halbzeit hält er den Schlappen drauf, und ich muss mit der Bahre vom Feld getragen werden. In der Pause geht er an mir vorbei und sagt: ‚Jüngelchen, dass du das Spiel nicht überstehst, habe ich ja gesagt. Aber das du schon zur Halbzeit schlapp machst, damit hätte ich nicht gerechnet.’“

In Ägypten

Aber der junge Verteidiger ging nicht k.o., sondern mischte mit Westfalia die Oberliga West kräftig auf. Am 28. Dezember 1958 streifte er sich sogar in Ägypten das Trikot der Nationalmannschaft über.

Die Presse schwärmte von der Achse „Tilkowski-Pyka-Clement“, derweil Trainer Fritz Langner ein knüppelhartes Konditionstraining exerzierte. „Mir hat das ewige Laufen nichts ausgemacht“, so Pyka, „aber andere haben es nicht verkraftet. Wie Dieter Küchenmeister, ein talentierter Spieler. Der ist nach dem Training gegen den Türpfosten der Kabine gelaufen, so kaputt war er. Manchmal saß er völlig ausgelaugt in der Ecke und sagte: ‚Mach doch mal das Licht an.’ Wir guckten nur zu ihm hin, das Licht war schon längst an!“

1964 verließ Pyka das Schloss Strünkede, und nach einem erfolglosen Intermezzo bei 1860 München ereilte ihn zur Saison 1965/66 der Ruf von Fritz Langner, der ihn zur Schalker Glückauf-Kampfbahn holte, wo er einen kaum bundesligatauglichen Kader verstärken sollte. Alfred Pyka stand für Königsblau jede Minute auf dem Platz, und tatsächlich konnte der Klassenerhalt bewerkstelligt werden. Nach einem weiteren Jahr auf Schalke kehrte er 1967 nach Herne zurück, um seine Karriere ausklingen zu lassen. Aber noch 1980, als nach der Goldbach-Pleite die Reserve Westfalias zur ersten Mannschaft umgemodelt werden musste, feierte er mit 46 Jahren ein überzeugendes Comeback in der zweiten Mannschaft in der Bezirksliga.

Der „Bulle“

Bis 2007 spielte der gelernte Dreher, der auch als Kraftwagenfahrer und Gastwirt gearbeitet hatte, noch bei den Alten Herren des SC Westfalia. „Dass ausgerechnet sein Herz schlapp machte, hat ihn in den letzten zwei Jahren tief erschüttert. Schließlich nannten wir ihn früher aufgrund seiner ungeheuren körperlichen Stärke immer ‚den Bullen’“, erinnert sich Friedhelm Jesse, Weggefährte und Freund des stoischen Verteidigers.

Bereits am vergangenen Freitag wurde Alfred Pyka auf dem Baukauer Nordfriedhof beerdigt. Sonntags, schon bei leichtem Ostwind, kann man hier das Raunen der Zuschauer aus dem Stadion am Schloss Strünkede hören.

 
 

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