Alles gegeben, nichts gewonnen

Pech im B-Finale: Der Frauen-Zweier „ohne" mit Charlotte Siering (l.) vom RV Emscher und Dorothee Beckendorff (Essen)
Pech im B-Finale: Der Frauen-Zweier „ohne" mit Charlotte Siering (l.) vom RV Emscher und Dorothee Beckendorff (Essen)
Foto: Detlev Seyb

Achtmal Vierter. In manchen Rennen fehlten nur wenige Zehntel Sekunden. Im Lager des Deutschen Ruderverbandes, der in Varese/Italien insgesamt sechs Medaillen gewann, hatte man so etwas bei einer U23-Weltmeisterschaft noch nicht erlebt. Auch der Männer-Achter schob Frust. Rene Stüven vom Ruderverein Emscher Wanne-Eickel und sein Team holten zum WM-Abschluss den achten vierten Platz für Deutschland.

Hätte es am Ende Bronze gegeben, Trainer Tim Schönberg hätte ein rundum zufriedenes Bild von diesen Titelkämpfen malen können. „Wir waren gut vorbereitet“, sagt er, „die Jungs haben die Aufgabe richtig gut angenommen“, fährt er fort: „Und sie sind ein gutes Rennen gefahren, haben fast alles richtig gemacht.“ Und dennoch war das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes in einem tollen Finale chancenlos.

Neuseeländer fahren Topzeit

An der Spitze des Feldes strotzte der aktuelle U23-Weltmeister aus Neuseeland geradezu vor Selbstvertrauen. Dahinter blies die USA auf Angriff, doch Australien holte Silber vor den Amerikanern, die nach hinten genügend Luft zu den Deutschen besaßen. „Wir hatten schon gehofft, dass wir dichter dran sind“, meint Tim Schönberg: „Die Neuseeländer sind eine Top-Zeit gefahren.“ Das sei nicht weiter schlimm gewesen, aber dass es gleich drei Mannschaften an einem Tag auf diesem extrem hohen Niveau gegeben hätte, sei schon ärgerlich.

Carl Reinke, Michael Trebbow, Malte Grossmann, Finn Schröder. Eike Kutzki, Arne Schwiethal, Rene Stüven, Torben Johannesen und Steuermann Jonas Wiesen dürfen dennoch auf eine gute Saison zurückblicken, hatten nach dem zweiten Platz im Vorlauf die Medaillenränge fest im Visier, obschon da schon abzusehen war, dass vorne die Post abgehen könnte. Neuseeland präsentierte sich eben so, als könnte das Team im Finale noch zulegen. Und Stüvens Kampfansage, „so etwas wie im letzten Jahr passiert uns nicht noch einmal“, nährte die Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang. Schönberg: „Wir haben die Aufgabe im Finale gut angenommen. Wir sind nicht die Startschnellsten. Am Ende kamen wir auch auf.“ So wie geplant.

Obwohl es im Männer-Riemenbereich nur eine Medaille für Deutschland gab, obwohl der Achter leer ausging, stellten die Trainer einen Aufschwung in diesem Disziplinbereich fest. „Wir haben uns von Bronze auf Silber verbessert, von einer Medaille in den nicht-olympischen zu den olympischen Bootsklassen verbessert“, resümiert Schönberg mit Blick auf den Vize-Titel des Vierer „ohne“ am Samstag. „Auch im Achter ging es rauf von Platz sechs im Vorjahr in Ottensheim/Österreich auf Platz vier.“ Der Trend nach oben sei da, aber der Trend sei noch nicht gut genug, um mehr Medaillen zu gewinnen.

Allerdings wirft der Coach auch ein, dass die Nationen nach unterschiedlichen Gesichtspunkten ihre Mannschaften zusammenstellen. Während bei den Deutschen im A-Bereich der Achter höchste Priorität genießt, habe man im U23-Bereich erst Zweier und Vierer „ohne“ gebildet – dann den Achter. Neuseeland beispielsweise hätte seine stärksten Ruderer in den Achter gepackt.

Seegras bremst den Siering-Zweier

Für Marcus Schwarzrock, den Cheftrainer des Deutschen Ruderverbandes, und Nachwuchs-Bundestrainerin Brigitte Bielig geht es immer um das Ganze im Verband. Dennoch stellt Bielig fest: „Wir haben uns in Varese schon etwas mehr erhofft.“ Mit etwas Glück, hätten es auch mehr als sechs Medaillen werden können.

Etwas mehr erhofft hatte sich auch Stüvens Vereinskollegin Charlotte Siering, die deutlicher als erwartet das A-Finale verpasste und schließlich im B-Finale nach gutem Start sich Seegras einfing und letztlich ohne Chance war. Dennoch hat sich für sie der Heimaturlaub in Europa gelohnt. Nach erstem Abtasten bei der Internationalen Regatta in Ratzeburg folgte schließlich die überraschende Direkt-WM-Qualifikation im Zweier „ohne“ mit Dorothee Beckendorff aus Essen.

Beim Zuschauen der A-Finals auf dem Lago di in Varese brannte aber schon wieder der Ehrgeiz. Viele ihrer Studienkolleginnen aus Berkeley (Kalifornien/USA) sind in die Finals durchgestartet und haben am Ende sogar Medaillen gewonnen.

Seit einem Jahr studiert Charlotte Siering in den USA, Ende August wird sie ihren Heimaturlaub beenden und wieder nach Kalifornien fliegen.

 
 

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