TSG setzt auf Essens Heim-Nachteil

Philipp Ziser
Foto: Thorsten Tillmann
  • Die TSG Sprockhövel schließt am Freitagabend bei Rot-Weiß Essen die Hinrunde ab
  • Kein Regionalligist lockt so viele Fans wie RWE – fast 8000 kommen im Schnitt zur Hafenstraße
  • TSG-Trainer Andrius Balaika glaubt, dass Essen eher keinen Heimvorteil hat – im Gegenteil

Rot-Weiß Essen. Hafenstraße. Tausende Zuschauer. Flutlicht.

Schon Gänsehaut?

Die TSG Sprockhövel jedenfalls ist heiß auf ihr Spiel bei Rot-Weiß Essen am Freitagabend (19.30 Uhr). Trainer Andrius Balaika sagt: „Das ist eins der Highlights der Saison, keine Frage. Die Jungs geben im Training richtig Gas – es geht ja nicht nur um einen Platz in der Startelf, sondern auch darum im Kader zu stehen. In so einem Stadion überhaupt bei der Mannschaft zu sein, ist schon etwas Besonderes.“

So viel Konkurrenzkampf herrschte bei der TSG noch nicht oft in dieser Saison. Bis auf Emre Demir, der noch einige Wochen fehlen wird, ist der Kader vollständig. Auch Raoul Meister hat mittrainiert. Er ist zwar nicht beschwerdefrei, angesichts der Tatsache, dass am kommenden Wochenende „nur“ ein Westfalenpokalspiel in Werdohl ansteht, ist es kaum vorstellbar, dass der Kapitän es sich nehmen lässt, am Freitagabend an der Hafenstraße aufzulaufen.

Denn auch wenn die gut 20 000 Plätze im Stadion Essen nicht alle besetzt sein werden, ist die Hafenstraße wohl die aufregendste Kulisse der Regionalliga West. Im Schnitt 7804 Zuschauer begrüßt RWE bei seinen Heimspielen, bei keinem anderen Club sind es mehr. Doch die TSG muss davor keine Angst haben, findet Balaika: „Das muss in dieser Liga kein Vorteil sein. Alle Gegner, die nach Essen kommen, sind extra hochgepusht in der Atmosphäre.“

RWE seit fünf Spielen ungeschlagen

Und die Kulisse ist nicht als die geduldigste und nachsichtigste bekannt. Zu viel haben die treuen Anhänger des Deutschen Meisters von 1955 mitmachen müssen. Dass der Verein RWE deutlich mehr als Regionalliga-Niveau hat, zeigt sich regelmäßig beispielsweise im DFB-Pokal, der graue Alltag sieht aber anders aus. In der vergangenen Saison steckte RWE zeitweise sogar im Abstiegskampf, schloss als Zwölfter ab. Im Moment steht RWE auf Platz neun, hat aber noch zwei Nachholspiele in der Hinterhand. In spätestens drei Jahren will RWE zurück im Profifußball sein – wenn der Kontakt zur Spitzengruppe nicht endgültig abreißen soll, muss Essen Sprockhövel schlagen.

Seit fünf Spielen ist RWE ungeschlagen. Zuletzt gab es aber „nur“ Unentschieden gegen RWO und Wattenscheid. Mindestens solch ein Ergebnis will auch die TSG mitnehmen: Sprockhövel kann die Kulisse nutzen, den Gegner ärgern, Druck aufbauen – und dann für eine Überraschung sorgen. Balaika: „Die Voraussetzung ist die Gleiche: Wenn wir alles abrufen und an unsere Grenzen gehen, wenn wir uns hinten keine blöden Fehler erlauben: Dann können wir was holen.“

Auch in Essen, vielleicht gerade in Essen. Fußball, Flutlicht, Fans: ab halb acht ist Gänsehaut-Zeit.