Spitzenleistung wird nicht belohnt

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  • Die TSG Sprockhövel verliert zum fünften Mal in Serie: 1:2 in Oberhausen
  • Doch die Mannschaft zeigte eine Spitzenleistung und hätte mehr verdient gehabt
  • Das Siegtor fällt kurz vor Schluss per Strafstoß

„Auswärtssieg! Auswärtssieg! Auswärtssieg!“, schallte es am Samstag gegen 15.36 Uhr durchs Stadion Niederrhein. Die vielleicht 60 oder 70 Anhänger der TSG Sprockhövel träumten vom ganz großen Coup, während die Anderthalbtausend in Rot und Weiß plötzlich ganz schön still waren. Sprockhövel gab in Oberhausen den Ton an und zwar nicht nur auf den Rängen.

Kurz zuvor hatte Christian März eine richtig starke zweite Halbzeit mit dem 1:1-Ausgleichstreffer gekrönt. Und zwar hochverdient, nach allem was davor geschehen war. Mit einem 0:1-Rückstand kam Sprockhövel in Oberhausen aus der Pause. Vor der Pause war Sprockhövel nicht schlecht gewesen, aber RWO besser und gefährlicher. Die Führung ging in Ordnung, das Spiel lief in den erwarteten Bahnen.

In Halbzeit zwei sah alles ganz anders aus. Rot-Weiß war behäbig, überheblich, schlaff. Die TSG dagegen grätschte und kämpfte um jeden Ball, schnürte die viel erfahrenere (und auch teurere) Oberhausener Mannschaft teilweise mit dem aus der Oberliga bekannten Power-Pressing in der eigenen Hälfte ein. Vom Angsthasenfußball aus dem Wattenscheid-Spiel war nichts mehr zu sehen, Sprockhövel dominierte den Gegner. Antwi-Adjejs und Wasilewskis Schussversuche wurden noch geblockt, dann schoss Antwi-Adjej, der ein hervorragendes Comeback gab, daneben. RWO wirkte geschockt ob der körperlichen Präsenz und der Giftigkeit der TSG. Bis auf einen Fernschuss von Kaya brachte Oberhausen in dieser Phase nichts zustande und hatte Probleme, aus der eigenen Hälfte herauszuspielen.

Die Blauen hatten keine Angst vorm Eins-gegen-Eins, sie gewannen Zweikämpfe, ließen Gegner im Dribbling stehen. Die leidenschaftliche und mitreißende Vorstellung wurde in Minute 75 belohnt: Statt aus 25 Metern einen Freistoß aus Tor zu schießen, spielten Adrian Wasilewski, Tim Dudda und Christian März eine perfekt einstudierte Variante – Ausgleich. Alles schien möglich, sogar der erste Sieg.

Oberhausen raffte sich zwar auf und wollte kontern, wirkte aber angeknockt. Doch die TSG musste letztendlich den Preis für ihre Spielweise zahlen: Patrick Polk flog an der Strafraumgrenze etwas übermotiviert mit langem Bein voraus in Oberhausens Budimbu hinein, berechtigter Strafstoß. Patrick Bauder verwandelte eiskalt links unten.

Wenig später war Schluss und Sprockhövel wieder Verlierer. Und zwar unverdient. Auf den verbalen Blumenstrauß von RWO-Trainer Mike Terranova hätte die TSG am liebsten verzichtet: „Sprockhövel hat nicht gespielt wie ein Tabellenletzter. Wenn sie so weitermachen, werden sie genügend Punkte holen.“ Balaika: „Wir wollten uns nicht verstecken und haben ein richtig gutes Spiel gemacht. Es ist ein ganz bitterer Nachmittag für uns. Das geht an die Moral. Der Ausgleich war in meinen Augen hochverdient.“

Auch Terranova sprach von einem „nicht unverdienten“ Ausgleich, erinnerte andererseits aber auch daran, dass das Spiel deutlich früher hätte entschieden sein können. Oberhausen war in Hälfte eins nämlich spielstark und torgefährlich. Robin Benz musste sich mehrfach auszeichnen, bis er dann nach 34 Minuten geschlagen war: Reinert musste nach Kaya-Ablage nur ins leere Tor schieben.

Ganz bitter für die TSG: Da hätte es schon 0:1 stehen könne, vielleicht müssen: Nachdem RWO-Keeper Udegbe einen Rückpass mit der Hand gespielt hatte, gab es indirekten Freistoß aus knapp zehn Metern, der Gewaltversuch von Hatim Bentaleb wurde aber auf der Linie geblockt. Zwei Minuten vor dem 1:0 wurde der TSG ein klarer Strafstoß verweigert, als Antwi-Adjej Nakowitsch an die Hand schoss. Und nur eine Minute nach dem Tor setzte sich Hatim Bentaleb robust gegen Steurer durch, scheiterte aber im Eins-gegen-Eins an Udegbe.

Der letzte Aufreger des ersten Durchgangs gehörte aber RWO, als Kaya aus kurzer Distanz nur die Latte traf – das hätte quasi mit dem Pausenpfiff das 2:0 und die Vorentscheidung sein können. War es aber nicht, so dass die TSG zurückkommen, ausgleichen und ganz kurz von einem Auswärtssieg träumen durfte.

Es folgte ein hartes Erwachen.

 
 

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