Schicht bei Schacht nach 186 Kilometern Dauerlauf

Extremläufer Frank Schacht liebt die Einsamkeit beim Laufen.
Extremläufer Frank Schacht liebt die Einsamkeit beim Laufen.
Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Frank Schacht läuft 29 Stunden ohne Pause. 44 Kilometer vor dem Ziel, dem Essener Baldeneysee, verlassen den Hattinger aber die Kräfte. Mit dem Lauf sammelte Schacht Geld für einen guten Zweck

Hattingen.. Den Weg ins vierte Obergeschoss geht Frank Schacht am Dienstag zu Fuß. Den Aufzug nutzt der 45-Jährige sowieso nicht so gerne. Aus Eigennutz. Dieser Mann braucht Ausdauer. Im Job und bei seinem Hobby. Der Vater zweier Kinder ist Leiter der Kreisleitstelle der Feuerwehr, seine Leidenschaft sind lange Laufstrecken. 186 Kilometer stecken am Dienstag noch tief in den Knochen. Über 29 Stunden war der Hattinger am Samstag und Sonntag unterwegs. Nonstop.

Frank Schacht schnürte die Laufschuhe bei der „TorTour de Ruhr“. Diese Laufschuhe waren übrigens drei Nummern größer als normal. „Der Fuß schwillt beim Laufen eben an“, sagt der Hattinger und lacht.

Um acht Uhr am Samstagmorgen ging es in Winterberg los, am Sonntagmittag war dann kurz vor dem Essener Baldeneysee Schluss. Endstation für Frank Schacht nach 29 Stunden. 44 Kilometer vor dem Ziel. „Der Frust sitzt tief. Eine solche Distanz verschiebt allerdings auch Dimensionen“, sagt er. „Es ging gar nichts mehr. Die Luft war raus.“

400 Kilometer im Versorgungs-PKW

Zwölf Liter Cola, 20 Liter Wasser, vier Dosen Red Bull für die Nacht. Dazu ganz viel Obst und Powergele. Soviel zur Nahrung. Und wenn man mal muss? „Ja, dann geht man eben in die Büsche“, sagt er. Was soll man auch sonst tun? An diesen heißen Pfingsttagen, an denen ganz Nordrhein-Westfalen auf den Beinen war, sei es nicht immer ganz so einfach gewesen, ein geeignetes Plätzchen zu finden.

Ehefrau Marion, sein 15-jähriger Sohn Fabian und sein bester Freund Frank Everts begleiteten ihn auf dieser „TorTour de Ruhr 2012“ Allein seine Frau legte über 400 Kilometer mit dem Versorgungs-PKW zurück, um alle zehn Kilometer mit in Eiswasser getauchten Handtüchern, Getränken und Wechselwäsche zu warten. Es musste eben an alles gedacht werden.

Anfeuerung mit Blaulicht

Sohnemann Fabian und Frank Everts begleiteten Frank Schacht dann während der Nacht, fuhren auf dem Fahrrad nebenher. „So ein Lauf ist Teamarbeit. Man muss sich zu 150 Prozent auf seine Partner verlassen können. Meine Frau war am Sonntag mindestens genauso erschöpft“, sagt der Läufer und ergänzt: „Man kann sich vorstellen, dass man irgendwann auch nicht mehr unbedingt Bitte und Danke sagt, wenn man etwas zu trinken haben möchte.“

Für die Motivation sorgten die Kollegen der Feuerwehr aus Wetter und Herdecke. Sie hatten ihren Kreisleitstellen-Leiter überrascht, sich bei Kilometer 140 in Wetter postiert und ihrem Chef zugejubelt. Dazu gab es Blaulicht. Standesgemäß.

6000 bis 7000 Kilometer pro Jahr

Drei Nachtläufe über mehr als 100 Kilometer hatte Frank Schacht im Vorfeld absolviert. „Man läuft ja gegen den natürlichen Rhythmus. Das ist ein ganz anderes Laufgefühl.“ Ziemlich aufregend sei das, mit der Stirnlampe zu laufen. Das Sichtfeld ist dabei arg eingeschränkt. „Man glaubt gar nicht, in wie viele Augen ich nachts blicke. Meistens sind es Katzen“, sagt er. „Ich genieße die Natur, die Umgebung. Bei diesen extremen Läufen laufe ich nur für mich und befinde mich in meiner eigenen Welt.“

Zwischen 6000 und 7000 Kilometer absolviert Frank Schacht im Jahr, braucht dafür sechs bis sieben Paar Laufschuhe. An rund 120 Ultraläufen hat er teilgenommen. Auch der eine oder andere Marathon ist im Jahreskalender notiert. „Zur Erholung“, sagt er, und grinst.

Das nächste große Ziel: Die Mutter aller Bergläufe

Jede Distanz, die über 40 Kilometer lang ist, sei reine Kopfsache. „Man denkt irgendwann an nichts mehr und läuft einfach nur noch,“ erklärt Schacht. Der Blankensteiner lief schon beim New York Marathon, nahm am Ironman teil, lief Bergläufe auf Gran Canaria und in Andalusien. Auch in der Sahara und in der Wüste Namib war er schon unterwegs. „Das einzige Geräusch, das man in der Wüste wahrnimmt, ist der eigene Atem. Der Sternenhimmel ist einzigartig“, schwärmt Schacht. Das nächste große Ziel lautet: Ultra Trail du Mont Blanc – die Mutter aller Bergläufe.

Als Leistungssportler bezeichnet sich Schacht nicht. „Das ist Hobby, das ist Freizeit und ein toller Ausgleich zu meinem Job im Büro.“ Und was nimmt der Ultraläufer auf jedem Meter in Laufschuhen mit ins Büro der Kreisleitstelle der Feuerwehr? „Dass es sich immer lohnt, alles zu geben.“

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