Abschied vom Hurra-Stil?

Philipp Ziser

Eigentlich hatten die Blauen ja in der ersten Halbzeit sogar die bessere Spielanlage“, sagte ein Kollege der Ahlener Presse am Samstag fast entschuldigend auf der Tribüne. Beim 4:0 schüttelte er den Kopf: „Die Ahlener sind keine vier Tore besser.“ Warum setzte es dann diese hohe Niederlage?

Ob Torwart, Innen- oder Außenverteidiger – jeder in der Sprockhöveler Abwehr offenbarte Schwächen. Über die Defensivprobleme zu sprechen ist angesichts der aktuellen Personallage zwar müßig. Dass vier der fünf Tore aus Kontern fielen zeigt aber, dass die letzte Linie der TSG oft zu hoch steht. Dazu wirkte die TSG ratlos, wenn Ahlen sich zurückzog. Nach zwei oder drei Querpässen folgt meist der lange Ball auf Antwi-Adjej oder Bukowski – wenig überraschend.

Am wichtigsten ist das Pressing: Wie die TSG den Bällen nachjagte, war aufregend anzusehen, aber wenig zielführend, da Ahlen technisch sauber spielte und sich keine Fehler leistete – stattdessen führten die Rot-Weißen die TSG zeitweise mit Kurzpässen und Kabinettstückchen vor, um dann im Umschaltspiel die Defensive bloßzustellen. Das Pressing 15 oder 20 Meter nach hinten zu verlagern, um besser abgesichert zu sein, könnte ein Lösungsansatz sein. In Ahlen schaffte die TSG nur mit der ersten Linie, Druck auf den Ball auszuüben. Wenn diese überspielt war, hatte RWA leichtes Spiel.

Ahlen hat sich auf Sprockhövels Spielweise eingestellt, diese umgedreht und die TSG ins offene Messer laufen lassen. Pech, Naivität, Übermotivation und ein richtig starker, maximal effizienter Gegner waren für diese hohe Niederlage verantwortlich. So weh es tut: Gegen die Topteams sollte sich die TSG womöglich vom Hurra-Stil verabschieden. Gegen alle anderen auf keinen Fall.