Wetteranerin hat den Rhythmus im Fuß

Flinke Füße steppen über das Parkett: Die Mitglieder der Stepptanzgruppe wissen genau, wie sie ihre Füße als Instrumente nutzen können. Corinna Ten-Cate (hinten) schaut zu Beginn noch zu und sie die Tänzerinnen  und ihre Lehrerin (2.v.li.)
Flinke Füße steppen über das Parkett: Die Mitglieder der Stepptanzgruppe wissen genau, wie sie ihre Füße als Instrumente nutzen können. Corinna Ten-Cate (hinten) schaut zu Beginn noch zu und sie die Tänzerinnen und ihre Lehrerin (2.v.li.)
Foto: Jürgen Theobald
  • Beim Praxistest haben wir uns aufs Parkett gewagt
  • Stepptanz ist Sport und Musik in einem
  • Besuch im Tanzstudio von Vera Schimetzek

Wetter..  Dadata, dadata, dada. Der Rhythmus hallt durch das Studio, bringt den Holzboden zum Vibrieren. Es klingt und groovt. Dabei gibt keine Band den Rhythmus vor - sondern Füße. Beim Stepptanz sind sie die Musik, sind sie der Takt. „Zur ersten Hälfte sind wir Percussionist, erst zu anderen Hälfte Tänzer“, erklärt Vera Schimetzek. Die Wetteranerin ist begeisterte Stepptänzerin und -lehrerin. Und heute wage ich mich das erste Mal in Stepptanz-Schuhen aufs Parkett.

Doch noch sind die anderen dran. Der „Anfänger-Kurs mit Vorkenntnissen“ trainiert im Studio Battuta Tap. Vor der großen Spiegelfläche im Hagener Postsportheim gehen die Tänzer immer wieder die Choreographie durch. Schritt für Schritt. Tap für Tap. „Lockstep. Drehung, Break und dann Twist auf der Ferse“ gibt Vera Schimetzek vor. Mir sagen die „Kommandos“ nicht viel, aber getanzt sieht es gut aus - und hört sich gut an. Auch wenn beim heutigen Training aufgrund der Grippewelle einige fehlen: Die drei Tanzschülerinnen bringen viel Rhythmus und Spaß in das Sportlerheim.

„Stepptanz hat mich schon als Kind fasziniert. Mit meinen Großeltern habe ich immer die Filme mit Fred Astaire geschaut“, erzählt Tanzschülerin Kirsten Klima in einer kurzen Pause. Mittlerweile steppt sie seit zwei Jahren selbst. Zwischen 14 und 66 Jahre alt sind die Tänzer, die hier gemeinsam trainieren. „Stepptanz ist für jede Altersstufe etwas“, sagt die Trainerin. Das kann Christa Löbe bestätigen. Sie zählt zu den Älteren in der Gruppe und möchte noch lange nicht aufhören: „Solange die Gesundheit mitmacht, bin ich dabei.“

Die drei K’s des Stepptanzens

Es geht weiter. Konzentriert und aufmerksam folgen die drei Frauen wieder den Schritten von Vera Schimetzek. Mit viel (Takt-)Gefühl geht die Tänzerin immer wieder die einzelnen Kombinationen durch, erklärt und verbessert. Ich versuche von meinem Platz aus zu folgen, gebe aber erstmal auf: Es sind viele Schritte, viele Kombinationen. Und die Arme müssen ja auch noch mitschwingen, die Hände klatschen, die Finger schnipsen. Ohne einen einzigen Schritt gemacht zu haben, merke ich schon jetzt: Stepptanz verlangt Koordination, Konzentration und Kondition.

Das Training der fortgeschrittenen Anfänger ist vorbei. Ich bin dran. Ich schlüpfe in die schwarzen Schuhe mit den glänzenden Platten unter der Sohle und gehe ein paar Meter. Klick, klack. Jeder Schritt wird zum Ton. Oder zu mehreren Tönen: „Mit nur einem Fuß kann man beim Stepptanz drei Töne erzeugen“, erklärt Vera Schimetzek – und demonstriert es mir direkt. Schnell, kräftig und klangvoll. Bei mir bleiben es erst einmal zwei Töne: Vorne mit der Spitze beim „step“, hinten mit der Hacke beim „heel“.

Erst bekomme ich eine Kurzeinweisung zu Haltung, Gewichtsverlagerung und den wichtigsten Begriffe beim Stepptanz. Dann der erste Rhythmus. Tack, tack, tack. Drei-Viertel-Takt. Ich schaue auf die Füße, konzentriere mich. Schließlich sollen die Töne möglichst klar klingen – und der Rhythmus muss auch gehalten werden. Dann versuchen wir den „Calypso“ – und es klappt. Ich werde etwas sicherer. Samba? Geht auch. Langsam. Aber es geht. Und macht Spaß.

Vom Ballett zum Stepptanz

Vera Schimetzek ist eine gute Lehrerin, geduldig und voller Begeisterung für „ihren“ Tanz. „Ich bin seit gefühlten Jahrhunderten beim Stepptanz hängen geblieben“, erzählt sie und lacht. Über Klassisches Ballett und Jazz Dance ist sie 1993 zum Stepptanz gekommen. Seit 1995 unterrichtet sie ihn auch. „Mit Stepptanz kann ich mich einfach ausdrücken“, sagt sie. Und zeigt mir Schrittfolgen, die mich schwindelig machen, so schnell, so präzise wirbeln ihre Füße über den Holzboden.

Ich bleibe beim Calypso. Wir üben weiter, während mir Vera Schimetzek von den Ursprüngen des Stepptanzes als Straßentanz erzählt, von der engen Verbindung zum Jazz, von Stepptanzgrößen und -stilen. Ich lerne viel an diesem Abend. Am Ende sogar einen ersten, kurzen Teil der Choreographie, die vorhin im Training durchgegangen wurde. Etwas holprig zwar, aber immerhin.

Und auf dem Weg zurück zum Auto sind meine Schritte zwar wieder klanglos, aber der Rhythmus bleibt im Kopf. Dadata, dadata, dacka.

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