Pokal statt Silvesterparty: Vor 20 Jahren siegte Brandt Hagen

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Heute vor 20 Jahren: Auf eine Silvesterparty verzichteten die Basketballer von Brandt Hagen beim Jahreswechsel 1993/94. Denn zu Neujahr standen sie im deutschen Pokal-Halbfinale gegen Favorit Leverkusen, tags darauf siegten sie im Finale gegen Ulm.

Hagen..  Diese Silvesterfeier fiel überschaubar aus. „Kurz angestoßen, ein frohes neues Jahr gewünscht, das war’s“, erinnert sich Ralf Risse. Im Gasthof Höhn im oberfränkischen Memmelsdorf ging es unter einem Dutzend junger Männer am letzten Tag des Jahres 1993 ausgesprochen gesittet zu. Denn tags darauf wartete auf sie eine Mission, bei der ein Neujahrs-Kater geschadet hätte. Am 1. Januar 1994 schafften die Bundesliga-Basketballer von Brandt Hagen im Halbfinale mit einem 70:68-Triumph gegen den damaligen Dauermeister Bayer Leverkusen in Bamberg die Sensation. Keine 20 Stunden später - also heute vor 20 Jahren - gewannen sie durch einen 86:72-Finalsieg gegen den SSV Ulm den deutschen Pokal. Die verpasste Feier haben sie nach der Heimkehr in der Hagener Gaststätte Humpert übrigens ausgiebig nachgeholt, wie Teamkapitän Risse weiß: „Da wurde es dann umso heftiger.“

Hochklassiger Basketball hat in Hagen eine lange Tradition, in 48 Bundesliga-Jahren gehörte man nur fünf Spielzeiten nicht zum Oberhaus. Die nationalen Titel lassen sich dennoch an den Fingern einer Hand abzählen. Die Meisterschaft des SSV um Jimmy Wilkins 1974, der Pokal ein Jahr später, dann lange nichts. Eben bis zu den ersten Tagen des Jahres 1994, als mit Brandt der Abstiegsrunden-Teilnehmer der Vorsaison für den großen - und bis heute letzten - Coup sorgte. Die von Peter Krüsmann, 1974 noch Spieler im Meisterteam, im Sommer zuvor übernommene Mannschaft hatte in Keith Gatlin einen überragenden Spielmacher gefunden und entwickelte sich in der Saison 1993/94 zum härtesten Widersacher der damals überragenden Leverkusener. Gatlin war als Scorer und Ballverteiler gleichermaßen stark, mit dem 1992 aus Bayreuth zurückgekehrten „X“ Risse, Adam Fiedler, Stefan Svitek und Arnd Neuhaus hatte man eine in der Liga einzigartige Riege an Distanzschützen. Und unter dem Korb räumten Steven Wriedt und Oliver Herkelmann, der in dieser Saison zum Nationalspieler wurde, auf. Risse: „Das Ganze hatte Krüsmanns Handschrift, da passten viele Einzelteile zu einem erfolgreichen Puzzle.“

In der Liga erreichte dieses Brandt-Team später nach einer begeisternden Serie das Playoff-Finale, wo schließlich doch Leverkusen um Erfolgscoach Dirk Bauermann mit 3:0 klar siegte. In einem Spiel aber waren auch die Riesen vom Rhein schlagbar. Das bewiesen die Hagener an Neujahr in der Bamberger Graf-Stauffenberg-Halle, der mit 27 Punkten überragende Gatlin führte den krassen Außenseiter mit seinem Korb zwei Sekunden vor der Schlusssirene zum 70:68-Sieg ins Pokal-Endspiel. Jetzt ließen sich die Krüsmann-Schützlinge am 2. Januar 1994 auch von Ulm nicht mehr stoppen, auch wenn etliche Brandt-Fans auf dem Weg zum Finale in Bamberg auf verschneiten Straßen wieder umkehren mussten. Mit Neuhaus (22), Svitek (15), Herkelmann (14), Fiedler (14) und Gatlin (10) trafen gleich fünf Hagener zweistellig beim letztlich souveränen 86:72-Sieg, Krüsmann lobte die „phänomenal gute taktische Leistung“ seiner Schützlinge, ehe Kapitän Risse vom damaligen Basketballbund-Präsidenten Manfred Ströher Urkunde und Pokal überreicht bekam.

„Herausragend war Keith“, sagt Risse 20 Jahre später, „sonst erinnere ich mich nur noch an Bruchstücke aus dem Spiel.“ Kein Wunder, die Aufmerksamkeit des heute 49-Jährigen war zu Beginn 1994 geteilt, sechs Tage später kam Sohn Marius zur Welt. Das Nachspiel des Finales – angesichts der nachmittäglichen Hochballzeit in Bamberg schaffte man es noch am Abend in die Hagener Heimat und zu „Humpert“ – ist ihm dennoch im Gedächtnis haften geblieben: „Es hat riesig Spaß gemacht und war eine geile Feier. Der Pokal war immer reichlich gefüllt.“ Im Erfolgsteam entwickelten sich zudem bleibende Freundschaften: Mit Risse, Wriedt, Herkelmann, Neuhaus und Fiedler geht ein Quintett noch heute beim VFK Hagen gemeinsam auf Landesliga-Korbjagd. Und kämpft gelegentlich auch um deutsche Titel - allerdings in der Altersklasse M40. . .

 
 

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