„Jede Strecke eine neue Herausforderung“

Jörg Baier, Kanu-Club Hohenlimburg, Kanu
Jörg Baier, Kanu-Club Hohenlimburg, Kanu
Foto: WP

Hohenlimburg..  Drei Jahrzehnte Pause waren dem Hohenlimburger Jörg Baier genug. Vor viereinhalb Jahren stieg der heute 52-jährige Inspekteur der Firma Bilstein wieder in ein Kajak beim Kanu-Club Hohenlimburg und fährt wieder regelmäßig Slalom-Rennen im Wildwasser in seiner Altersklasse. Über seine Motivation hat er dieser Zeitung in einem Interview erzählt.

Herr Baier, ich habe Sie eigentlich als Jugendtrainer bei den Fußballern von Eintracht Hohenlimburg in Erinnerung...

Richtig, das habe ich vier Jahre gemacht ab der E-Jugend, als mein Sohn Devin dort gespielt hat. Erst war ich nur interessierter Vater, dann war kein Trainer mehr da, und es wollte keiner machen. Aber ab der D-Jugend habe ich das Feld anderen überlassen, weil ich nie selbst Fußball gespielt habe.

Aber Kanu-Slalom gefahren?

Das habe ich bis zu meinem 18. Lebensjahr gemacht, damals noch beim Hohenlimburger Kanu-Verein. Danach kam die Familie, die Veränderung im Beruf und andere Interessen.

Wann und warum haben Sie wieder angefangen?

Vor 4,5 Jahren. Mein Sohn hat mit Fußball aufgehört und ich hatte für mich keine Beschäftigung in meiner Freizeit mehr. Ich bin durch einen alten Paddelkameraden darauf gekommen, dass viele Leute in meinem Alter im Kanu-Slalom aktiv sind, dieses mit Erfolg betreiben und an Wettkämpfen teilnehmen. Ich habe den KCH-Trainer Siegfried Schulte einfach mal angesprochen, und er hat mir leihweise Material zur Verfügung gestellt.

Dann hat es wieder gejuckt...

Ja, ich bin fast 30 Jahre nicht gepaddelt, aber das verlernt man nicht. Es hat sich viel verändert, was Material, Regeln und Strecken angeht. Aber alles zum Positiven. Früher haben wir uns eine alte Turnhose angezogen und sind ins Boot gestiegen. Da gibt es heutzutage richtig gute Kleidung für Athleten.

Wann ging es zum ersten Mal wieder ins Wildwasser?

Nach ein paar Wochen hat mich Siegfried Schulte die Kanustrecke hinuntergeschickt. Es hat gesagt ,Probier doch einfach mal’. Das war schon extrem nach so einer langen Zeit, mit dem Training im Flachwasser überhaupt nicht zu vergleichen. Da bin ich erst sehr oft schwimmen gegangen (lacht). Dann habe ich mal die Eskimorolle ausprobiert, und das hat völlig überraschend funktioniert. Danach bin ich nicht mehr so oft baden gegangen.

Welche Strecke ist die anspruchsvollste, die sie bisher kennengelernt haben?

Hohenlimburg ist in dieser Region schon sehr anspruchsvoll. Dann bin ich mit nach Augsburg gefahren. Das ist schon eine Hausnummer, das kann man mit der Lenne nicht vergleichen. Ich hatte zwar keine Angst, aber Respekt vor der Strecke. Früher hatte ich Angst, aber mit den Jahren hat man ein Gefühl dafür entwickelt. Die Strecke hat ihre Tücken. In Prag war ich im letzten Jahr, das war auch eine schöne Strecke. Sehr anspruchsvoll ist auch Markkleeberg, da war ich im vergangenen Jahr auch zum ersten Mal.

Wie oft trainieren Sie?

Ich versuche fünf Mal in der Woche etwas zu machen. Viermal gehe ich aufs Wasser, einmal in der Woche in den Kraftraum.

Überwiegt bei Ihnen der Ehrgeiz oder der Spaß?

Es ist eine Mischung aus beidem. Mit Training ohne Ziel kann ich mich schlecht motivieren. In meiner Altersklasse wollen die anderen Teilnehmer ja auch gewinnen. Außerhalb des Wettkampfes ist die Atmosphäre aber sehr familiär, und wir haben miteinander viel Spaß. Ich habe mich an die Spitze herangearbeitet, der letzte Schritt fehlt allerdings noch. Ich gehe mit Ehrgeiz an die Sache, um gute Platzierungen herauszufahren.

Aus welchen Gründen würden Sie anderen Menschen raten, Kanu-Slalom zu fahren?

Kanu-Slalom ist eine Mischung aus vielen Komponenten, besteht nicht nur aus Vorwärtsfahren, sondern auch aus viel Technik. Jede Strecke ist anders und stellt eine neue Herausforderung dar. Außerdem kommt man viel rum. Ich mache ja auch viele Urlaubs- und Jugendfahrten mit dem Verein.

Jetzt haben Sie beim KCH auch Verantwortung übernommen...

Ja, ich arbeite mich jetzt in das Amt des Slalomwartes hinein, mein Vorgänger schafft es aus zeitlichen Gründen nicht mehr. So ist das in jedem Verein, wenn man lange dabei ist, wird man irgendwann gefragt, ob man nicht etwas machen möchte. Wenn Siegfried Schulte mal nicht kann, übernehme ich auch die Betreuung der Athleten.

Was haben Sie für persönliche Ziele?

Ein Ziel habe ich schon erreicht. Ich betätige mich wieder sportlich, was mir sehr gut tut. Ich fühle mich fit und hoffe, dass ich das noch lange machen kann. Im Oktober sind auf unserer Strecke die German Masters , auf meiner Hausstrecke möchte ich da schon ein gutes Ergebnis erreichen. Ein Traum von mir sind die World Masters Games in Auckland in Neuseeland 2017.

Was haben Sie noch für Interessen?

Kanu-Slalom nimmt sehr viel Freizeit in Anspruch. Ich gucke gerne Fußball und interessiere mich für alles, was mit Sport zu tun hat.

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