Integrationswoche trifft Nerv junger Sportler

Foto: WP Michael Kleinrensing
Die erste Sommerferien-Woche hat wahrlich nicht mit bestem Freibadwetter geglänzt. Da haben jene jungen Athleten alles richtig gemacht, die an einem Projekt des Stadtsportbundes Hagen teilnehmen. „Integration durch Sport“, heißt das Motto in der Halle der Gesamtschule Haspe.

Hagen..  Die erste Sommerferien-Woche hat wahrlich nicht mit bestem Freibadwetter geglänzt. Da haben jene jungen Athleten alles richtig gemacht, die an einem Projekt des Stadtsportbundes Hagen teilnehmen. „Integration durch Sport“, heißt das Motto in der Halle der Gesamtschule Haspe. 30 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und 16 Jahren nehmen teil - mehr als doppelt so viele wie bei der Premiere vor einem Jahr.

Und die meisten wollen 2015 wiederkommen. Was darauf hindeutet, dass das Konzept, welches der SSB-Integrationsbeauftragte Fatih Kurukafa und seine Mitstreiter erarbeitet haben, den Geschmack der jungen Zielgruppe trifft. „Ich finde es toll, dass ich hier neue Sachen kennenlerne, zum Beispiel mit Stöcken auf großen Bällen herumzutrommeln“, sagt der elfjährige Daniel. „Besonders gut gefallen haben mir bisher auch Boxen und das Seilspringen.“

Letzteres steht gerade auf dem Programm. Genauer gesagt handelt es sich um „Rope Skipping“, wie die eigentlich alte, aber neu aufgepeppte sportliche Betätigung heute heißt. Nahe gebracht wird sie dem Nachwuchs von Regine Schwalb, Abteilungsleiterin von DJK TuS 03 Hagen. „Dort haben wir vor drei Jahren mit zwei Teilnehmern angefangen, heute sind es 30“, berichtet die Chefin der „Froggy Jumpers“, wie sich die modernen Seilspringer aus Wehringhausen nennen. Inzwischen „skippen“ sie schon um Landestitel mit.

Im Moment herrscht aber noch Jungenmangel beim TuS 03. Deshalb hätte Regine Schwalb nichts dagegen, wenn der eine oder andere Teilnehmer an der Integrationswoche nach den Ferien vielleicht mal beim Training vorbeischaut. Dies scheint gar nicht so unwahrscheinlich, denn nicht nur Mädchen bekunden, dass ihnen das Seilspringen Spaß macht. Kunstsprünge, Speed- und Show-Elemente müssen erlernt werden, um auf Wettkampfniveau zu kommen. Kondition und Koordination werden gefördert.

Wie auch beim Boxen, das tags zuvor auf dem Programm stand und nach Auskunft der jungen Teilnehmer ebenfalls viele Freunde gefunden hat. „Auch wenn das Aufwärmtraining sehr anstrengend war“, wie die achtjährige Jule bekennt. „Aber auch toll“, ergänzt Lilly, gerade erst sieben.

Außer Rope Skipping und Boxen wurden und werden bis einschließlich dem heutigen Freitag zahlreiche andere sportliche Aktivitäten dem Nachwuchs vorgestellt. Von Taekwondo über Basket- und Volleyball bis zu Turnen, Tanzen und Fechten spannt sich der Bogen. Übungsleiter aus verschiedenen Vereinen präsentieren ihre Sportart altersgerecht - und treffen offenbar den richtigen Nerv.

Die Integration von jungen Hobbyathleten mit Migrationshintergrund, eines der vom Stadtsportbund verfolgten Ziele, vollzieht sich automatisch. Wobei die Grenzen ohnehin fließend sind. Hat auf die Frage: „Wer von euch ist Deutscher?“, noch die Mehrheit der jungen Teilnehmer aufgezeigt, so gehen auch wieder viele Arme nach oben, als die Anschlussfrage kommt: „Wessen Eltern kommen nicht aus Deutschland?“Insgesamt sind neun Nationen in der Halle der Gesamtschule vertreten.

Wie positive Integration durch Sport einen Lebensweg beeinflussen kann, dafür ist Numan Kaya ein gutes Beispiel. Der heute 25-jährige Faustkämpfer vom BSC Haspe wurde einst zum Boxen geschickt, weil er in der Schule auffällig geworden war. Als aktiver Kämpfer brachte er es zum Westdeutschen Meister, als lizenzierter Trainer schult er heute den Nachwuchs, auch bei Veranstaltungen wie dem aktuellen SSB-Projekt. Nachdem Kaya einst Probleme mit der deutschen Sprache hatte, erwarb er später das Fachabitur und beginnt in Kürze eine Ausbildung im technischen Bereich. „Dank des Sports und des Vereins ist bei mir alles optimal gelaufen“, dafür ist Numan Kaya dankbar. Integration durch Sport - auch die Gesellschaft profitiert davon.

 
 

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