Inge Finsterbusch: Mit 80 habe ich aufgehört

Inge Finsterbusch, ATS Nahmer
Inge Finsterbusch, ATS Nahmer
Foto: WP

Nahmer..  Im Jahr 2013 hat Inge Finsterbusch ihre Turnmädchen beim ATS Nahmer zum letzten Mal betreut. Mit etwas Wehmut verabschiedete sie sich von ihren Schützlingen. „Aber 45 Jahre sind genug“, sagt Inge Finsterbusch, die im gleichen Jahr ihren 80. Geburtstag gefeiert hat.

Geboren wurde die langjährige Übungsleiterin in Ostpreußen, kam 1948 nach Hohenlimburg. Eher durch Zufall fand die begeisterte Turnerin den Weg in die Adler-Halle des ATS Nahmer, übernahm 1968 die Gruppe der sechs- bis 14-jährigen Turnerinnen – obwohl sie noch keine Lizenz hat. „Den Übungsleiterschein habe ich erst hinterher gemacht“, erzählt die sympathische Hohenlimburgerin. „Aber das ich diese Gruppe 45 Jahre leiten würde, hätte ich niemals gedacht.“

Überhaupt waren viele Abläufe damals anders. „Als ich in die Halle kam, saß dort jemand am Tisch und hat von jedem 50 Pfennig Monatsbeitrag kassiert“, so Inge Finsterbusch. Aufnahmeanträge und Überweisungen gab es noch nicht, das kam alles erst später. Alles wurde noch per Hand gemacht.

Jahrzehntelang unterwegs

Jahrzehntelang bereiste sie Turnfeste im Bezirk und auch auf Gau- und Landesebene. Nicht nur mit ihren Mädels, sondern auch als Kampfrichterin. Ihr Ehemann Kurt war übrigens ebenfalls beim ATS Nahmer ehrenamtlich tätig – als Übungsleiter, Oberturnwart und später auch als Vorsitzender des Gesamtvereins.

Schöne Erinnerungen hat Inge Finsterbusch an das deutsche Turnfest 1983 in Frankfurt. „Da waren sehr viele Jugendliche dabei, die abends natürlich alle in die Disco wollten“, erzählt Inge Finsterbusch. Dort lernte eines ihrer Turnmädchen einen Jungen kennen. „Einen Tag später musste sie am Reck turnen. Sie hat so sehr gehofft, dass der Junge ihr dabei zusieht“, sagt Inge Finsterbusch mit einem Schmunzeln. Der Junge kam tatsächlich auch. Und nicht nur das. Die beiden haben später geheiratet.

Wie vielen Kindern Inge Finsterbusch die ersten Gehversuche am Boden, Reck, Stufenbarren oder Schwebebalken beigebracht hat, vermochte sie nicht zu sagen. „Ich habe die ganzen Bücher noch zu Hause, die müsste ich dann alle mal durchgehen“, so die 81-Jährige. „Von vielen Mädchen kannte ich auch die Mütter. Auch die haben bei mir geturnt.“ Viele Mädchen mit Migrationshintergrund hat die engagierte Übungsleiterin betreut. Auch außerhalb der Sporthalle hat sich Inge Finsterbusch um ihre Mädchen gekümmert. „Wir haben sehr viele schöne Weihnachtsfeiern veranstaltet.“ Es war ihr immer wichtig, dass ihre Mädchen Spaß am Sport haben. Aber auch auf Disziplin und Pünktlichkeit hat sie stets Wert gelegt.

Gruppe löst sich auf

2013 war dann Schluss. Die Mädchen-Gruppe beim ATS Nahmer gibt es heute nicht mehr, was Inge Finsterbusch natürlich sehr bedauert. Immerhin bestand die Gruppe zu Spitzenzeiten aus 30 bis 40 Mädchen, gegen Ende der Übungsleitertätigkeit von Inge Finsterbusch waren es noch 15 Mädels. „Der ATS Nahmer hat einfach keine Übungsleiter mehr gefunden“, sagt sie mit viel Wehmut.

Auch wenn sie selbst kaum noch Sport betreibt, reißt der Kontakt zum ATS Nahmer nicht ab. Jährlich besucht sie mit Ehemann Kurt das Stiftungsfest des Traditionsvereins. So auch im November 2014. „Da haben wir beide sogar ein Tänzchen gewagt.“

Ein großes Hobby hat das Ehepaar Finsterbusch auch noch – ihr Garten. Dort verbringen sie sehr viel Zeit. Aber auch der ATS Hohenlimburg-Nahmer wird sie niemals loslassen...

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