„Hamburger Olympia-Nein ist nur logisch“

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Die Hohenlimburger Trainer Thorsten Busch (Ringen) und Siegfried Schulte (Kanuslalom) sehen sinnvollere Möglichkeiten, das Geld anzulegen.

Hohenlimburg..  Das Thema Olympia 2024 in Hamburg ist durch. Die Abstimmung fiel knapp aus, und entsprechend geteilt sind auch die Meinungen in Hohenlimburg, wo einige olympische Sportarten auf recht hohem Niveau betrieben werden. Die Kanuten tragen Deutsche Meisterschaften aus, die Ringer blicken der Oberliga-Meisterschaft entgegen und die Badminton-Spieler kämpfen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga, sind zudem doppelt in der Oberliga vertreten.

„Dass die olympischen Spiele nicht in Hamburg ausgetragen werden und dass Hamburg sich erst gar nicht bewirbt, ist schlecht für das sportliche Deutschland“, ist Siegfried Schulte, Vorsitzender des Kanu-Clubs überzeugt. Er kritisiert allerdings die Arbeitsweise der Funktionäre in den obersten Sportverbänden in Deutschland und äußert somit auch sein Verständnis für die Ablehnung der Hamburger Bevölkerung. Das Olympia-Nein sei daher nur logisch. „Es sollten Spiele werden, wo die Sportstätten nach der Veranstaltung wieder abgebaut werden. Das hätte auch für die Kanuslalom-Anlage gegolten. Somit wäre eine dort entstandene Bahn keine Konkurrenz für uns hier gewesen. In Hamburg gibt es viele Kanuvereine, aber nur einen, der Kanu-Slalom betreibt. Eine Bahn hätte dort also längerfristig gar keinen Sinn gemacht“, meint Schulte. „Da Hamburg aber zurückgezogen hat, stehen die Chancen wieder besser für eine Bewerbung von NRW“, glaubt der Hohenlimburger Kanu-Papst, der hier viel Potenzial sieht, da in den größeren Städten Sportstätten und Infrastruktur vorhanden seien. „Und dadurch wäre es nicht so teuer“, betont Schulte.

Das sieht auch Ringertrainer Thorsten Busch so. Er kritisiert die geplanten Olympischen Spiele in Hamburg als teures Prestigeobjekt, das auf dem Rücken der Steuerzahler hätte entstehen sollen. „Man kann das Geld auch sinnvoller einsetzen, anstatt es so zu verschwenden“, meint dieser. Er fände es besser, wenn sich solche Städte bewerben würden, die auf bestehende Sportanlagen zurückgreifen können und deren Bewerbung so den Geldbeutel der Steuerzahler schonen würde. Aber er stellt auch klar: „Für Deutschland ist es schade, dass wir keine Olympischen Spiele bekommen!“

Eine Million für den Olympiasieg

„Man sollte aber auch mal vor die Tür schauen. Hier werden Hallen für den Sport geschlossen, weil dort Flüchtlinge untergebracht werden, was ich grundsätzlich gut finde, aber für den Breitensport gibt es kein Geld“, kritisiert der Ringertrainer, der bei seiner Sportart besonders deutlich die Auswirkungen des Randsportdaseins zu spüren bekommt. „Überall wird gefordert, dass Kinder mehr Sport treiben, doch Geld gibt es dafür nicht. Wir bilden junge Ringer aus, fahren mit ihnen zu internationalen Turnieren, damit sie zu ihren Kämpfen kommen. Am Ende kostet uns so ein Jugendlicher jährlich eine vierstellige Summe. Dazu gibts in Hagen keine Hallenbetreuung mehr. Um alles muss sich der Verein selber kümmern“, schimpft Busch. Er fordert: „Man sollte in den Breiten- und Schulsport investieren.“

In Deutschland sieht er für 2024 durchaus Kandidaten, die bei den Ringerwettkämpfen mitkämpfen könnten. „Doch hier fehlt einfach die Anerkennung. Schaut man z.B. nach Russland, da bekommen Olympiasieger eine Million und der Trainer bekommt 15 Prozent davon. Wir bekommen 15 000 bis 20 000 Euro. Das langt gerade für die Reise zu den Olympischen Spielen.“

 
 

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