Gebühren sollen Thema im Wahlkampf werden

Axel Gaiser
Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Die neuen Gebühren für die Hagener Vereine will der Vorstand des Stadtsportbunds im Kommunalwahlkampf zum Thema machen. Vor der Wahl wolle man von den Oberbürgermeister-Kandidaten erfahren, wie sie zu der jüngst beschlossenen „Energie- und Bewirtschaftungsumlage für Sportflächen“ stehen, erklärte SSB-Chef Dietmar Thieser beim traditionellen Neujahrsempfang des Sports vor knapp 400 Aktiven, Vereinsvertretern und Politikern in der Vorhaller Karl-Adam-Halle: „Damit wir wissen, wen wir wählen können und wen nicht.“

Zum Auftakt des schon 17. Neujahrsempfangs standen die im November vom Rat beschlossenen Gebühren nicht unerwartet im Mittelpunkt von Thiesers Ausführungen. Der SSB-Vorsitzende verwies darauf, dass der 2009 geschlossene „Pakt des Hagener Sports“ und die ein Jahr später erreichte Kooperations-Vereinbarung des gemeinsamen Servicezentrums Sport weiter Gültigkeit hätten, ein Großteil beschlossener Konsolidierungs-Maßnahmen allerdings nicht umgesetzt seien. Stattdessen sei in Sachen Einsparungen „auch 2013 wieder draufgesattelt“ worden. „Es macht stutzig, dass der Bereich der Sportförderung mit sieben Beschäftigten, der an den städtischen Gesamtaufwendungen einen Anteil von 1,4 Prozent ausmacht, zum Mittelpunkt der Konsolidierungs-Bemühungen gemacht wird“, sagte Thieser und betonte: „Es gibt keinen Bereich, wo mit so wenigen Menschen so viel auf die Beine gestellt wird.“ Dass ausgerechnet die Mitarbeiter des Servicezentrums Sport sich nun ein System ausdenken sollen, wie der noch nicht näher konkretisierte Ratsbeschluss (Thieser: „Bisher kann keiner sagen, was das heißt“) umgesetzt werden soll, sei „harter Tobak“. Zudem mahnte Thieser: „Wenn die Schwimmvereine so belastet werden, wie der Rat es beschlossen hat, gehen sie kaputt.“

Dass gerade kleine Vereine an den neuen Vorgaben zu knapsen hätten, räumte Bürgermeister Dr. Hans-Dieter Fischer ein. Er verwies aber auch darauf, dass die Sportpolitiker die Schließung von drei Bädern verhindert und die Sportstättennutzungsgebühr in Höhe von 560 000 Euro abgeschmettert hätten, stattdessen müssten über die „Energie- und Bewirtschaftungsumlage“ nun nur 175 000 Euro aufgebracht werden. „Ein Resultat, mit dem die Vereine leben können“, befand Fischer, „vorausgesetzt, die Schraube wird nicht weiter angezogen.“ Wofür er sich einsetzen wolle.

Wie vielfältig und erfolgreich der Hagener Sport trotz aller Sparvorgaben ist, zeigte sich bei den Ehrungen, die wie stets den Kern des Neujahrsempfangs bildeten. Und wie die Klubs mobilisieren können. Insgesamt 3067 Stimmen gingen bei der Wahl zu den „Sportlern des Jahres“ ein, die erstmals von allen Sportinteressierten gewählt und nicht von einer Jury bestimmt wurden. Die meisten Stimmen konnten dabei die Baseballspieler der Hagen Chipmunks als NRW-Ligameister auf sich vereinen, mit 41 Prozent wurden sie „Mannschaft des Jahres“. Die beiden anderen Titel machten die Federfußballer des FFC Hagen unter sich aus: „Sportlerin des Jahres“ ist Sarah Walter (34%), einen noch größeren Stimmenanteil erreichte der Weltmeisterschafts-Dritte David Zentarra (58%) als „Sportler des Jahres“. Auch bei den Ehrungen der Stadt konnten internationale Erfolge gewürdigt werden (siehe Liste in linker Spalte). Etwa die von Taekwondo-Weltmeister David Sojka vom TSV Hagen 1860, der viel Beifall erhielt, als er spontan in Jeans und Pulli seine Disziplin „Creative Poomse“ demonstrierte: „Das ist eine Art imaginärer Kampf gegen einen Gegner.“

Ganz real sind die Sorgen der Hagener Vereine angesichts der neuen Belastungen, dennoch ist sich SSB-Chef Thieser sicher: „Der Zusammenhalt der Hagener Sportfamilie ist intakt - und wird es bleiben.“