Extremlauf über 230 Kilometer am Polarkreis

Michele Ufer, Extremsportler aus Herdecke
Michele Ufer, Extremsportler aus Herdecke
Foto: WP
Der Herdecker Extremsportler Michele Ufer startet am Wochenende in sein nächstes Abenteuer: Der 41-Jährige nimmt am „Ice Ultra“ teil, einem Lauf über 230 Kilometer und vier Etappen am nördlichen Polarkreis.

Herdecke..  Am Freitag hebt der Flieger am Düsseldorfer Flughafen ab und landet einige Stunden später in Lulea in der nordschwedischen Provinz Norrbottens län. Von dort sind es noch 110 Kilometer bis zum nördlichen Polarkreis. Dort kann es im Winter bitterkalt werden, minus 40 Grad sind keine Seltenheit. Es ist karg, es ist bergig, es ist eisig.

Diese für einen Mitteleuropäer extremen Bedingungen werden Michele Ufer aber nichts anhaben. Er ist ja auch Extremsportler, einer von der ganz harten Sorte. 41 Jahre alt, die lange blonde Mähne zum Zopf gebunden, drahtiger Körper, ein verschmitztes Lächeln, ein selbstbewusster Typ, der weiß, was er tut und was er sich zumuten kann. Und das ist offenbar eine ganze Menge. Der Herdecker lief im vergangenen Herbst fast 250 Kilometer bei brütender Hitze durch die Namibwüste. Jetzt versucht er sich an einem anderen Extrem: 230 Kilometer in vier Etappen am Polarkreis laufen. „The Ice Ultra“ nennt sich der erstmals ausgetragene Wettkampf, der nach dem Medizin- und Ausrüstungscheck in einem Basiscamp in Jokkmokk am Samstag beginnt und den rund 30 Teilnehmern aus der ganzen Welt alles abverlangen wird. Die Strecke muss binnen vier Tagen absolviert werden. Laufend. Die Etappen sind je nach Schwierigkeitsgrad 40 bis 90 Kilometer lang. Alle zehn bis 15 Kilometer ist ein Kontrollpunkt eingerichtet, den alle Läufer in einem bestimmten Zeitlimit erreichen müssen. Wer es nicht schafft, ist raus. Weite Schneeflächen. verschneite Wälder und zugefrorene Seen warten auf die laufenden Abenteurer.

Die Organisatoren stellen an den Etappenzielen Hütten, Zelte und eine Isomatte. Mehr nicht, und so sind die Extremsportler Selbstversorger. Im Rucksack und am Mann sind neben der für arktisches Klima notwendigen Kleidung u.a. Erste-Hilfe-Set, Signalpfeife, Stirnlampe, Reservebatterien und natürlich Verpflegung. „Jeder muss Essen und Trinken mit mindestens 2000 Kalorien am Tag dabei haben. Das ist eine Wissenschaft für sich“, erzählt der Sportpsychologe, „leider sind viele leckere Sachen zu schwer. Deshalb kommt man von solchen Touren auch immer dünner nach Hause.“ In erster Linie sind Nahrungsergänzungsmittel. Trinkfrühstück, Gels, Energieriegel, isotonisches Pulver, Salztabletten - all das darf nicht fehlen. Und abends im Camp wird sich Ufer mit einer dünnen Nudelsuppe zufrieden geben. Immerhin wird das Wasser zum Kochen zur Verfügung gestellt.

Michele Ufer liebt solche Herausforderungen und lechzt ständig nach neuen Abenteuern. „Es ist die Lust, immer wieder etwas Neues zu erleben und die persönlichen Grenzen auszuloten, die mich antreibt. Das ist ebenso faszinierend wie inspirierend. Ich bin mutig und mache das, was sich andere nicht trauen“, sagt er. Ufer hat schon diverse verrückte Sachen gemacht, obwohl er dem Ausdauerlauf erst seit drei Jahren frönt. Davor fand er Laufen „irgendwie langweilig und unsexy“. Damals lief er gleich mal 250 Kilometer durch die staubtrockene Atacama-Wüste in Chile.

Von gezieltem Lauftraining kann aber keine Rede sein: „Wenn ich Lust habe, laufe ich los. Jede Einheit ist eine Mikroexpedition, weil ich in mich hineinhorche und versuche, daraus Schlüsse zu ziehen.“

Beim „Ice Ultra“ kann Michele Ufer als zusätzliche Motivation ideal sein Hobby mit dem Beruf als Sportpsychologe und Mentalcoach verknüpfen. Er nutzt den Wettkampf, um für ein Projekt der Universität Halle/Wittenberg zu forschen. Das steht sogar im Vordergrund. „Erster zu werden, ist nicht mein Ziel. Ich will ankommen und gut in das Projekt einsteigen.“ Und sicher auch gesund nach Hause kommen, um sich gleich wieder einem neuen Traum zu widmen: Mitte Mai 230 Kilometer durch den peruanischen Dschungel laufen...

 
 

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