Eindrucksvolles sportliches Lebenszeichen von Phoenix Hagen

Axel Gaiser
Phoenix-Nachwuchsspielmacher Pascal Zahner-Gothen, hier im Duell mit Bonns Konstantin Klein, bekam beim ersten Auftritt nach dem Insolvenzantrag so viel Spielzeit wie nie zuvor. Foto:Jörg Laube
Phoenix-Nachwuchsspielmacher Pascal Zahner-Gothen, hier im Duell mit Bonns Konstantin Klein, bekam beim ersten Auftritt nach dem Insolvenzantrag so viel Spielzeit wie nie zuvor. Foto:Jörg Laube
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Bei der 85:95-Niederlage in Bonn stellte die Mannschaft von Phoenix Hagen guten Charakter unter Beweis.

Bonn. Dieses sportliche Lebenszeichen war höchst eindrucksvoll! Erst ganz am Ende musste sich Phoenix Hagen beim ersten Auftritt nach dem Insolvenzantrag im einzigen NRW-Duell der Basketball-Bundesliga bei den Telekom Baskets Bonn geschlagen geben. Mit 85:95 (53:51) verlor das Team nach der bisher besten Saisonleistung, auch weil im letzten Viertel die Kräfte schwanden, wurde von den mitgereisten Hagenern aber anhaltend gefeiert. „Sowohl die Stimmung der Fans als auch die Leistung der Mannschaft war sehr beeindruckend“, lobte Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel – und hofft auf Rückenwind für die nächsten Wochen auf dem schwere Sanierungsweg.

Schon vor dem Hochball musste Phoenix weitere Schwächungen hinnehmen. Zwar hat bisher kein Spieler das Team verlassen, doch mit Jonas Grof (Außenbandriss) und Julian Jasinski (Knieprobleme) fehlten zwei junge Spieler. Für sie rückte neben Pascal Zahner-Gothen erstmals Alex Kortenbreer ins Aufgebot. Der 2,17-m-Center spielte zwar noch keine Rolle, die anderen Youngster dagegen schon. Marcel Keßen etwa, der schon nach vier Minuten kam und so unerschrocken auf der Centerposition agierte, dass er hier die meisten Minuten sah. Oder Nachwuchs-Spielmacher Pascal Zahner-Gothen, ebenfalls schon im Startviertel zur Entlastung von David Bell auf dem Parkett, der den Kollegen bis zur Pause drei Assists zusteckte. „Für uns junge deutsche Spieler ist das natürlich die Chance auf mehr Spielzeit“, befand der Boeler später, der anstelle des verletzten Grof 13 Minuten Spielzeit erhielt: „Ich glaube, ich habe mich heute ganz gut angestellt.“

So waren die Gäste, von etwa 300 mitgereisten Fans unermüdlich singend unterstützt, ganz lange im Spiel. Nicht nur Phoenix-Kapitän David Bell setzte nach wenigen Sekunden den ersten Akzent, auch in der Folge wechselte die Führung ständig. Nach dem 12:17 durch Owen Klassens zweiten Dreier (6. Minute) lagen wiederum die Gastgeber 19:17 und 23:19 (7.) vorn, doch schon bis zur Viertelpause kamen die Hagener dank Keßen zurück. Und blieben zunächst vorn. Trent Plaisted und Klassen sorgten für das 31:36 (14.), ehe Bonns Ryan Thompson sein Team zurückbrachte (37:36, 15.). Doch Phoenix ließ sich nicht abschütteln. Nach zwei Dreiern von Konstantin Klein zum zwischenzeitlichen 47:43 (18.) für den Favoriten sorgten Bell und Chris Hass Dreier für die Pausenführung.

Die bis dahin starke Hagener Wurfquote ließ allerdings nun nach, in Halbzeit zwei trafen die Gäste nur noch einen von neun Dreierversuchen. Und offensiv leistete man sich gegen die intensiver werdende Bonner Defensive vermehrt Ballverluste. Bis zu Kessens 63:63 (25.) kamen die Gäste dennoch immer zurück, ehe Klein erneut zwei Dreier traf (69:63, 27.). Und Phoenix-Coach Ingo Freyer zur Auszeit bat – und verärgert sein Taktikbrett auf den Hallenboden schmetterte. „Da hatten wir nicht mehr die Kraft, uns über die Blöcke zu kämpfen und die offenen Würfe zu verhindern“, analysierte er später, „da hat man gemerkt, dass wir eine nur kurze Rotation hatten.“

„Hier wird nichts abgeschenkt“

Bonn nutzte es vornehmlich durch den stämmigen Center Filip Barovic, der auch von etlichen Foulpfiffen gegen Plaisted und Klassen profitierte. Beide waren wie auch der recht blass bleibende David Godbold so früh mit vier Fouls belastet und mussten sich zurückhalten. Bei Kleins 81:71 (34.) war der Vorsprung der Gastgeber erstmals zweistellig, doch die Hagener zeigten auch nach Klassens Ausscheiden (37.) starke Moral. Plaisted verkürzte nochmal auf 88:82, erst dann ließ Barovic Bonn endgültig enteilen. Die mitgereisten Phoenix-Fans, die vor dem Spiel mit Plakaten gegen den Phoenix-Aufsichtsrat protestiert, Coach Freyer dagegen unterstützt hatten, störte das überhaupt nicht. Sie feierten die Hagener Spieler ungeachtet der sechsten Saisonniederlage im Auswärtsblock frenetisch. „Eine fantastische Unterstützung“, hob Routinier Adam Hess hervor, als von den Stehplatzrängen wieder heruntergestiegen war: „Wir sind dankbar, dass sie in einer so schweren Situation hinter uns stehen.“ Und Coach Freyer betonte: „Ich kann meinen Jungs zu ihrem Einsatz und 100 Prozent Kampfgeist nur ein Kompliment machen.“ Besonders die jungen Keßen und Zahner-Gothen lobte der Phoenix-Trainer und unterstrich: „Die Mannschaft wollte nach den schlechten Nachrichten allen beweisen, dass sie einen guten Charakter hat. Hier wird nichts abgeschenkt.“

Telekom Baskets Bonn: Mayo (9, 1/6 Dreier, 5 Assists), Koch (9), Silins (8), Thompson (15, 3 Steals), Gamble (8), Klein(16, 4/8 Dreier, 7 Rebounds), Barovis (24, 7 Rebounds), DiLeo (1), Richter (5).

Phoenix Hagen: Bell (18, 1/7 Dreier, 4 Assists, 5 Ballverluste), Hass (12, 2/6 Dreier), Plaisted (16, 8 Rebounds), Godbold (2), Klassen (17, 2/2 Dreier, 8 Rebounds), Keßen (8), Dunbar (5), Hess (5), Zahner-Gothen (2, 3 Assists).

Spielviertel: 27:28, 24:25, 23:15, 21:17.

Teamstatistik: 49:46% Wurfquote, 10/30:6/21 Dreier, 11/17:17/20 Freiwürfe, 42:35 Rebounds, 16:11 Assists, 8:7 Steals, 15:16 Ballverluste, 3:0 Blocks.

Zuschauer: 5090.