Durch Eiger Nordwand des Wildwassersports...

Alexander Leste bereitet sich in Norwegen auf die Sickline-WM 2016 im Ötztal vor.
Alexander Leste bereitet sich in Norwegen auf die Sickline-WM 2016 im Ötztal vor.
Foto: WP
Für die meisten Menschen sind reißende Stromschnellen, Ufer mit spitzem Gestein und Wasserfälle bis zu sechs Meter Gefälle Naturschauspiele. Nicht mal für horrende Geldsummen würden sie sich in ein Kanu setzen und sich in die Wassermassen stürzen. Doch der Hohenlimburger Alexander Leste (25) sucht den Kick. Er bereitet sich derzeit auf seine dritte Teilnahme an der „Sickline“-Weltmeisterschaft vor.

Hohenlimburg..  Für die meisten Menschen sind reißende Stromschnellen, Ufer mit spitzem Gestein und Wasserfälle bis zu sechs Meter Gefälle Naturschauspiele. Nicht mal für horrende Geldsummen würden sie sich in ein Kanu setzen und sich in die Wassermassen stürzen. Doch der Hohenlimburger Alexander Leste (25) sucht den Kick. Er bereitet sich derzeit auf seine dritte Teilnahme an der „Sickline“-Weltmeisterschaft vor.

Kurz zur Erklärung – was ist „Sickline“? Bei diesem Extrem-Kajaksport heißt es, steile Flüsse und hohe Wasserfälle zu befahren und extreme Wildwasserschwierigkeiten zu meistern. Hierfür gibt es spezielle, so genannte „Creek-Boote“, die stabil genug sind, dem Wasserdruck standzuhalten und auch mal einen Zusammenstoß mit einem Felsen verzeihen. Während beim Kanu-Slalom auch auf künstlich angelegten Strecken gefahren wird, wird beim Sickline ausschließlich durch natürliche Strecken gefahren. Bei offiziellen Rennen ist das Ziel des Sportlers – oder auch der Sportlerin – , die Strecken so schnell wie möglich zu durchfahren.

Schwere Strecke

Die Weltmeisterschaft findet wie immer im Ötztal statt, und zwar vom 6. bis zur 8. Oktober. Die Wellerbrücke zählt zu den schwierigsten Wildwasser-Strecken der Welt und wird als Eiger-Nordwand des Wildwassersports bezeichnet. Die Weltmeisterschaft wird auf einer Strecke von ca. 200 Metern ausgetragen. Auf dieser Strecke müssen die Kajakfahrer 20 Höhenmeter überwinden, was einem Gefälle von zehn Prozent entspricht. Gleich beim „Felsenstart“ geht es sechs Meter abwärts, die Kernstelle, der „TNT RAPID“, ist ein S-förmiger Katarakt mit fünf Metern Gefälle.

Um sich optimal auf die WM vorzubereiten, ist Alexander Leste für zwei Wochen in Norwegen unterwegs – in den Regionen Odda und Voss. „Da musste ich mich wieder an das Wildwasser gewöhnen, um die nötige Praxis zu bekommen“, sagt der Hohenlimburger. Er ist dort gemeinsam mit 15 Kajaksportlern aus ganz Deutschland unterwegs, die zum Teil auch an der Weltmeisterschaft teilnehmen werden. Alleine sollte man derartige Strecken auf keinen Fall befahren.

Auch in diesem Jahr rechnen die Organisatoren mit etwa 150 WM-Teilnehmern. Im vergangenen Jahr rangierte sich Alexander Leste auf dem 117. Platz ein. „Da habe ich gleich zu Beginn des Rennens einen Fehler gemacht und mich aufs Heck gestellt.“ Das kostete ihn drei Sekunden, was in dem stark besetzten Feld etwa 50 Plätze bedeutet.

Der Ablauf ist immer gleich – Alexander Leste muss bei der Anmeldung nachweisen, ob er für diese Rennen überhaupt geeignet ist. Wer für diesen Schwierigkeitsgrad ungeeignet ist, wird zum Rennen aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen. „Zudem müssen sich alle Teilnehmer einer Sicherheitsprüfung unterziehen“, erklärt Alexander Leste. Dort wird nachgeschaut, ob das Boot den schweren Verhältnissen standhält, ob in demselbigen verbotene Auftriebskörper angebracht sind, ob die Schwimmwesten und Protectoren in Ordnung sind. Danach gibt es einen „Beobachtungslauf“. Im Quali-Rennen qualifizieren sich dann 48 Fahrer für das Halbfinale, dort kommen dann 20 in den Endlauf.

Keine Favoriten

„In diesem Jahr möchte ich aber in die obere Hälfte hinein fahren. Alles, was darüber hinaus käme, wäre Bonus“, sagt der 25-Jährige. Favoriten sind schwer auszumachen. „Chancen haben eigentlich alle.“ Über Pfingsten nahm der Hohenlimburger bei einem Extremrennen in Valsesia (Italien) teil und erreichte dort sogar das Finale der besten 20. Am Ende sprang ein hervorragender 15. Rang hinaus. „Es waren zum Großteil Sportler am Start, die auch bei der WM dabei sind.“ Insgesamt waren bei dem Rennen 70 Teilnehmer dabei.

Finanzieren muss Alexander Leste übrigens alles aus eigener Tasche. Lediglich die Startgebühren von 130 Euro übernimmt der Kanu-Club Hohenlimburg. Im Juli kaufte er sich ein neues Boot für 1200 Euro. Auch für die Vorbereitung muss er Urlaub und Euros opfern. Neben täglichem Training in Hohenlimburg soll es auch ein Wochenende nach Augsburg gehen sowie zwei Wochen zum Rissbachklamm nach Tirol. Eine Woche vor der Weltmeisterschaft möchte er dann bereits ins Ötztal fahren – zum „Einpaddeln“. Um seine technischen Fähigkeiten weiter zu fördern, fährt Alexander Leste auch Kanu-Slalom. Im Einercanadier hat er sich sogar für die deutschen Meisterschaften qualifiziert, die vom 16. bis zum 18. September in Hohenlimburg stattfinden werden.

 
 

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