Bundesliga-Ära von Phoenix Hagen endet mit Heimspiel gegen Braunschweig

Im gut gefüllten Ratssaal stellten Dr. Dirk Andres und Patrick Seidel (v.li.) das Konzept für eine mögliche Phoenix-Zukunft in der ProA vor. Foto:Jörg Laube
Im gut gefüllten Ratssaal stellten Dr. Dirk Andres und Patrick Seidel (v.li.) das Konzept für eine mögliche Phoenix-Zukunft in der ProA vor. Foto:Jörg Laube
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Am 10. Dezember wird die Erstliga-Ära von Phoenix Hagen mit dem Heimspiel gegen Braunschweig enden, im Sommer 2017 soll der Neuanfang in der ProA folgen.

Hagen..  Am 10. Dezember wird die Erstliga-Ära von Phoenix Hagen mit dem Heimspiel gegen Braunschweig enden, in der neuen Saison soll der Neuanfang in der 2. Bundesliga ProA folgen: Das ist das Szenario für eine Zukunft des Profi-Basketballs in Hagen, das Geschäftsführer Patrick Seidel und Inolvenzberater Dr. Dirk Andres beim Sponsorentreffen im Ratssaal gestern Abend präsentierten. Dazu benötigt die für den Spielbetrieb zuständige Basketball Hagen GmbH&Co. KGaA bis zur Eröffnung des Insolzvenzverfahrens am Donnerstag noch 250 000 Euro zur Abwicklung. Zur Fortsetzung des Spielbetriebs wären 800 000 Euro erforderlich gewesen. „Ich hoffe, dass wir gemeinsam eine tragfähige Perspektive für hochklassigen Basketball in dieser Stadt finden“, hatte Oberbürgermeister Erik O. Schulz das Treffen eröffnet. Nach der Vorstellung des Konzepts und dem Werben um Geldgeber machten etliche Teilnehmer deutlich, dass sie eine Hilfe auch an die Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten in der Vergangenheit knüpfen.

Der Ist-Stand

Am 20. Oktober stellte Phoenix Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung mit der Hoffnung, durch Kostenreduzierung und frische Sponsorengelder die Saison zuende spielen zu können. „Die Situation hat sich von den Zahlen her nicht massiv verbessert“, muss Seidel nun einräumen. Zum einen, weil sich positive Effekte von möglichen Kostenreduzierungen aufgrund von Vertragslaufzeiten erst nach März zeigen würden. Die erwartete Tendenz der Abgänge von Stammspielern, die oberhalb der Bemessungs-Grundlage des Insolvenzgelds verdienen, hätte sich bis auf Richie Williams nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, neben Topverdiener David Bell hätte auch der zunächst sehr gefragte, dann aber am Rücken verletzte Center Owen Klassen zuletzt betont, die Saison in Hagen durchziehen zu wollen.

Zum anderen hätte die hohe, für ein Weiterspielen noch benötigte Summe potenzielle Geldgeber abgeschreckt. „Zusätzliche 800 000 Euro bräuchten wir jetzt, um die Saison geordnet zuende zu spielen“, sagte Seidel, „die Erfahrung der letzten Wochen zeigt, das schaffen wir nicht.“ Und Andres erklärte, man hätte diese Zahl zwar nach unten reduzieren können, dann hätte sich aber eine neue Lücke für die Zukunft aufgetan.

Der Plan B

Nachdem die Phoenix-Verantwortlichen der Liga vor zehn Tagen die aktuellen Zahlen präsentierten und auf die Regularien von Bundesliga und ProA hingewiesen wurden, entwickelte sich Plan B, Profi-Basketball zu erhalten und in der nächsten Saison in der ProA anzutreten. Der allerdings drastische Konsequenzen hat. Die aktuelle Mannschaft wird demnach nur noch am Sonntag in Ludwigsburg und am 10. Dezember daheim gegen Braunschweig antreten, danach folgt die Einstellung des Spielbetriebs. Phoenix würde als erster sportlicher Absteiger gewertet und könnte im März 2017 das Teilnahmerecht für die ProA beantragen. Dort, so der Plan, will man dann in der Spielzeit 2017/18 mit einem Team mit starker Hagener Identität und einem 1,5-Millionen-Etat das obere Drittel anstreben.

„Kurzfristig ist das ein harter Weg, aber langfristig die einzige Perspektive“, sagte Seidel: „Wenn wir die KGaA aufrechterhalten, können wir Ende März in der ProA die Lizenz beantragen.“ Andernfalls drohe das „Worst-Case-Szenario“, am 1. Dezember in die Regelinsolvenz zu gehen, den Spielbetrieb sofort einstellen zu müssen und jegliches Recht zu verlieren, für die nächste Saison eine Zweitliga-Lizenz beantragen zu können.

250 000 Euro zusätzlich brauche man, um nach der Einstellung des Spielbetriebs einen geordneten Rückzug zu finanzieren. Davon werden 50 000 Euro benötigt, um den Spielbetrieb der in der Phoenix gGmbH organisierten Teams von Juniors und Youngsters in den Jugend-Bundesligen aufrechtzuerhalten. Die restlichen Kosten fallen für Geschäftsführer, Insolvenzberater, Mieten etc. an. Bis Mittwoch Abend, so Seidel, brauche er schriftliche Zusagen für diese zunächst auf ein Treuhandkonto fließenden Gelder. Tags darauf wird das Insolvenzverfahren eröffnet, in dem Phoenix weiter die Eigenverwaltung anstrebt. Die Bereitschaft der Geldgeber sei da, in die Zukunft zu investieren, glaubt Seidel. Und OB Schulz betonte, er habe seit Samstag mit mehreren Unternehmern gesprochen, von denen ein Drittel der benötigten Summe als feste Zusagen vorliegen.

Die Konsequenzen

Das Heimspiel gegen Braunschweig soll ein emotionales Ende der Bundesliga-Ära markieren, auch um etwa Kapitän Bell einen ehrenhaften Abschied zu ermöglichen, dessen Trikot unters Hallendach gezogen werden soll. Rein juristisch laufen die Arbeitsverträge von Kader-Mitgliedern und Geschäftsstellen-Angestellten danach weiter. Man geht davon aus, dass die Spieler diese nicht aussitzen, sondern sich neue Klubs suchen. Zudem biete das Insolvenzrecht Möglichkeiten, diese freizustellen.

Nicht einmal die Hälfte der vereinbarten Leistung erhalten mit dem Bundesliga-Aus die etwa 1700 Dauerkarten-Besitzer. Findet das Braunschweig-Spiel statt, konnten sie sieben von eigentlich 17 Heimspielen sehen. Im für die ProA vorgesehenen Ticketing-Konzept sollen sie Rabatte erhalten. Vor dem Schritt in die Regelinsolvenz steht die alte Phoenix GmbH, deren Verbindlichkeiten auf etwa 400 000 Euro beziffert werden. Diese Altschulden werden nun nicht mehr durch die KGaA getilgt werden. Andres: „Man kann in die Zukunft von Null starten, trägt keine Altlasten mehr mit sich herum, das ist der Vorteil der Eigenverwaltung.“

Die Reaktionen

Nach erster Schockstarre meldeten sich vor allem langjährige Förderer zu Wort, die nach Gründen und Schuldigen der aktuellen Lage sowie den Köpfen neben Geschäftsführer Seidel für den geplanten Neuanfang fragten. „Ich möchte wissen, klipp und klar, mit wem ich es zu tun habe“, sagte etwa Gründungs-Gesellschafter Klaus Acker, während Christiane Bergfelder die Einrichtung eines Sponsorenbeirats zur Kontrolle anmahnte: „Der kann gucken und künftig bremsen, wenn es in die falsche Richtung geht.“ Dass dies der Fall war, bestätigte Insolvenzberater Andres: „Es ist unfassbar viel schief gelaufen in der Vergangenheit.“ Diese wiederum werde aber im Insolvenzverfahren der alten GmbH aufgearbeitet. Aufsichtsrats-Chef Sven Eklöh, auf den viel Kritik abzielte, räumte ein, mit Geschäftsführer Peter Brochhagen einen Fehlgriff getätigt zu haben. Er stehe aber auch nur am Ende einer langen fehlerhaften Entwicklung bei Phoenix. „Wenn es gewünscht ist, muss ich nicht als Aufsichtsrats-Vorsitzender weitermachen“, bot er an. Die flammendsten Appelle für ein Weitermachen kamen an diesem Abend von Kooperationspartner EN Baskets Schwelm: Gesellschafter RalfStoffels bot allen Phoenix-Dauerkartenbesitzern an, die acht Monate Basketball-lose Zeit mit kostenlosen Besuchen bei den Spielen des Regionalligisten zu überbrücken. Und Geschäftsführer Omar Rahim warb: „Geben Sie der gesamten Infrastruktur eine Chance, vielleicht mittelfristig in die Bundesliga zurückzukehren.“

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