Bayern-Manager Pesic: „Heimat ist da, wo meine Familie ist“

Svetislav Pesic (r.) und sein Sohn, Sportdirektor Marko Pesic, von den Basketballern des FC Bayern München, stehen sich beruflich und privat nah.
Svetislav Pesic (r.) und sein Sohn, Sportdirektor Marko Pesic, von den Basketballern des FC Bayern München, stehen sich beruflich und privat nah.
Foto: dpa
Mehrere Jahre lang war Marko Pesic, Sportdirektor der Basketballer des FC Bayern München, in Herdecke zuhause. Noch heute ist er hier gern zu Gast.

Herdecke/München.. Der FC Bayern München logiert im Zweibrücker Hof. Der Sportfachmann weiß: Da die Fußballer derzeit mit der EM-Qualifikation in Irland beschäftigt sind, können es nur die Basketballer sein. Die spielten Mittwochabend gegen Phoenix Hagen. Wobei die Reise nach Nordrhein-Westfalen für zwei Verantwortliche stets etwas Besonderes ist, lebten doch Bayern-Trainer Svetislav Pesic und sein Sohn Marko, der als Geschäftsführer und Sportdirektor seinem Vater vorgesetzt ist, mit der Familie eine Zeit lang in Herdecke.

Wir schreiben das Jahr 1987. In Sarajewo erreichte Svetislav Pesic der Ruf des Deutschen Basketball-Bundes mit Sitz in Hagen, um Nationaltrainer zu werden. Also zog die Familie um. „Ich sprach damals kein Wort Deutsch und habe unheimlich viel Unterstützung erfahren“, erinnert sich Marko Pesic. 1990 fanden die Eltern mit ihren beiden Kindern (Marko wurde 1976 geboren, seine Schwester ist acht Jahre jünger) ein Haus in Herdecke am Ahlenberg. „Das war das erste Eigenheim für meine Eltern in Deutschland, auch sie haben sich damals hier sehr wohl gefühlt.“

Am Ruhrufer gedribbelt

Von Hagens Hildegardis-Schule – wo er zum ersten Jungen-Jahrgang inmitten der vielen Mädchen gehörte – wechselte er zum Friedrich-Harkort-Gymnasium. „Das war in meiner Erinnerung damals eine top-moderne Schule“, sagt der heute 38-Jährige. Vor allem auf dem Basketball-Freiplatz am Ruhrufer hinter der FHS hat Pesic viele Stunden in seiner Jugend verbracht. „Ich war da oft mit meinem Onkel, der heute noch in Herdecke lebt.“ Erinnern kann sich der Bayern-Manager auch an Ruderkurse und Erfahrungen im Fluss. „Das Ausbalancieren im Boot war gar nicht so einfach, daher bin ich auch mal ins Wasser gefallen.“

Dabei war die Zeit nicht gänzlich unbeschwert. Als Basketball-Talent wurde Marko Pesic zwar in Hagen sehr gefördert, doch durfte er in der Schule nicht den Anschluss verpassen. „Ich hatte unheimlich Glück mit meinen Lehrern und Trainern, die haben mir oft geholfen.“ Umso dankbarer ist der ehemalige Bundesliga-Profi und Nationalspieler, der 1996 in Berlin sein Abitur baute: „In Hagen und Herdecke wurden die Grundlagen für meine Karriere gelegt, die Zeit hat mich für mein Leben geprägt. Aus heutiger Sicht könnte ich mir keinen besseren Ort für meine Entwicklung vorstellen.“

Pesic junior hat zu kämpfen gelernt

Das bezieht der heutige Funktionär einerseits auf seine sportliche Entwicklung, andererseits auch auf seine Einstellung. „Ich musste damals eine neue Sprache lernen, durfte in der Schule inhaltlich nicht den Anschluss verpassen und war wegen des Basketballs oft unterwegs“, so Pesic junior. „So habe ich zu kämpfen gelernt.“

Marko Pesic kennt viel nette Menschen in Hagen und Herdecke

Er komme immer wieder gerne zurück, zumal es weiterhin einige Kontakte nach Hagen gibt. „Die Stadt gilt ja nicht gerade als Schönheit, ich verteidige sie aber, zumal ich dort und in Herdecke viele offene und nette Menschen kennengelernt habe.“

Daran fühlt sich der Geschäftsführer der Bayern-Basketballer immer erinnert, wenn in München neue Spieler aus dem Ausland ankommen. Diese und deren Familien gelte es auch abseits des Sports zu integrieren. „Das sehe ich als unsere Pflicht an, sie hier einzugewöhnen und ihnen neben der Sprache auch die Kultur näher zu bringen.“

Aus seiner Zeit in Hagen und Herdecke weiß Pesic, wie wichtig Gastfreundlichkeit ist. „Das ist quasi wie ein Tattoo auf meinem Körper.“ Logisch, dass er das weitergeben will. Denn nach etlichen Jahren des Umziehens und seinen Engagements auch im Ausland hat er für sich erkannt: „Heimat ist da, wo meine Familie und meine Freunde sind.“

Bei seinen Aufenthalten im Zweibrücker Hof, den er bei Dienstausflügen nach Hagen stets gerne besuche, steht stets der Sport im Vordergrund. „Das Hotel ist für uns immer eine Basis, in der ich mich wohl fühle.“ Das liege auch an der Lage. „Immer wenn ich hier bin, gehe ich morgens an der Ruhr joggen.“ So auch heute.

 
 

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