TV Gladbeck - Annika Drazek wird Bobfahrerin

Thomas Dieckhoff
Annika Drazek peilt eine Karriere als Bobfahrerin an.
Annika Drazek peilt eine Karriere als Bobfahrerin an.
Foto: WAZ FotoPool
Die schnellste Gladbeckerin schult sportlich um: Annika Drazek (TV 12) kehrt dem Sprint den Rücken und wird Bobfahrerin. „Bobfahren“, sagt die Studentin und klingt begeistert, „macht riesigen Spaß.“

Gladbeck.  Annika Drazek vom TV Gladbeck glänzte kürzlich bei der Verleihung des Volksbank-Jugendsportpreises aus gutem Grund durch Abwesenheit. „Sie ist sportlich unterwegs“, verriet ihre Frau Mama in der Riesener-Halle. Das war Annika Drazek, und zwar am Königssee, um genau zu sein. Die 19 Jahre junge Gladbeckerin schult nämlich zurzeit um. Nach einer überaus erfolgreichen Zeit in der Leichtathletik peilt sie nun - unglaublich, aber wahr - eine Karriere als Bobfahrerin an.

„Ich will mal etwas Neues ausprobieren“, begründet die Studentin ihre überraschende Entscheidung. Zur Erinnerung: Annika Drazek zählt zu den besten Nachwuchssprinterinnen der Republik. „Die Leichtathletik“, sagt die Rentforterin, „hat mir Spaß gemacht. Als ich im letzten Jahr aber mal in Winterberg war und dort einen Bob auf Schienen angeschoben habe, fand ich das ganz cool.“

Einladung nach Winterberg

Man könnte es inzwischen eine neue, eiskalte Leidenschaft nennen. „Bobfahren“, sagt Annika Drazek und klingt begeistert, „macht riesigen Spaß.“ Mit 120 oder 130 Stundenkilometern den Eiskanal herunterzujagen, verursache bei ihr einen „totalen Adrenalinkick“ und sei „krasser als jede wilde Achterbahnfahrt“. Lachend sagt Drazek: „Es ist total verrückt, es ist etwas für mich.“

Wie kommt eine auch international erfolgreiche Nachwuchssprinterin aus Gladbeck, also eine Flachlandtirolerin, eigentlich zum Bobfahren? Ganz einfach: Im September 2013 erhielten die Blauhemden mal wieder eine Einladung nach Winterberg, wo Heiner Preute, der Leiter und Trainer der Leichtathletik-Abteilung des TV Gladbeck, alles andere als ein Unbekannter ist. Preute war nämlich selbst einmal Bobfahrer. Er nahm an Deutschen Juniorenmeisterschaften teil und kam sogar in einem Europacup-Rennen zum Einsatz, ehe er schließlich Ende der 90-er Jahre im Sauerland als Athletiktrainer arbeitete. „Ich kenne Christoph Langen, Rene Spieß und all die anderen persönlich“, so Preute.

Preutes gute Kontakte

Diese guten Kontakte ihres Trainers erwiesen sich für Annika Drazek, die sofort Gefallen gefunden hatte an dem rasanten Sport, natürlich als hilfreich. Bereits im vergangenen Mai traf sich Heiner Preute mit Rene Spieß, den sportlichen Direktor des nordrhein-westfälischen Bob- und Schlittensportverbandes, zu einem Frühstück bei Wormland, um sich über Annika Drazek zu unterhalten. Die schaute im vergangenen September erneut zum Anschieben in Winterberg vorbei - und entschied sich, die Sportart zu wechseln.

Aus einer zunächst vielleicht vagen Idee wird nun Ernst: Am 27. Dezember nimmt Annika Drazek an einem zentralen Leistungstest der deutschen Bob-Elite in Oberhof teil. „Da geht’s um die Wurst“, sagt sie, „ich wünsche mir, eine gute Pilotin zu bekommen.“ Stress mache sie sich aber nicht. Welche Ziele setzt sie sich? Nationale Titelkämpfe, Teilnahme an Europa- oder Weltcup-Rennen? „Da bin ich eher zurückhaltend“, sagt sie. Und betont: „Ich lasse lieber Taten sprechen.“