Derby gegen die eigene Vergangenheit

Marcel Krischik
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Der VfB Hüls ist am Sonntag zu Gast beim SV Zweckel an der Dorstener Straße. Was die ohnehin interessante Partie noch brisanter macht: Sechs Spieler der Marler haben selbst schon für den SV Zweckel gespielt.

Derbyzeit im Gladbecker Norden: Am Sonntag (15 Uhr) empfängt der SV Zweckel an der Dorstener Straße den VfB Hüls, in dessen Reihen zahlreiche ehemalige Gladbecker stehen. Der Druck liegt beim Nachbarschaftsduell ganz klar beim SVZ. Ein Blick auf die nackten Zahlen genügt, um zu sehen, dass der Gastgeber bereits am neunten Spieltag unter enormen Zugzwang steht.

Schon vor zwei Wochen wies Trainer Günter Appelt auf die Bedeutung des Duells mit der Badeweiher-Elf hin. Da konnte und wollte er nicht ahnen, dass die darauf folgenden Auftritte gegen Erndtebrück und den ASC Dortmund beide in die Hose gehen würden. Die ernüchternde Bilanz: ein Sieg, sechs Tore, sechs Punkte, Platz 15.

Ein kleiner Lichtblick: Die Zahl der Gegentore, nämlich elf, ist kleiner als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Würde ein Fußballspiel allerdings statt auf dem Platz auf dem Papier entschieden, ginge der Sieg dennoch zweifelsohne an die Marler. Auch Appelt weiß: „Hüls ist der Favorit.“ 14 Punkte sammelte die Elf von Trainer Karsten Quante bisher, mit 16 Treffern schoss sich der in der Vorsaison noch abstiegsbedrohte VfB an Position sechs.

Zehn der 16 Hülser Tore gehen auf das Konto der Herren Marko Onucka, Daniel Bertram, Andre Koch, Fabio Sardini, Sebastian Freyni und Bünyamin Karagülmez - und damit auf das von Spielern, die mit Ausnahme von Koch noch in der Vorsaison in Schwarz und Grün aufliefen. Böse Zungen könnten witzeln, der SV Zweckel habe peu à peu seine Torgefahr nach Hüls transferiert. Appelt aber betrachtet diese Entwicklung nüchtern – und ohne den geringsten Anflug von Neid: „Das schmälert in keinster Weise die Leistung des VfB.“ Hüls habe nun mal die besseren Rahmenbedingungen zu bieten, „wir müssen mit unseren Mitteln auskommen“. Auch Appelt habe sich vor Saisonbeginn um die Hochkaräter Markus Kaya und Marc Schröter bemüht: „Es war schnell klar, dass wir nicht übereinkommen.“

Viel mehr gefällt Appelt sich in der Rolle des Trainers bei einem „Ausbildungsclub“, jüngster Beleg ist A-Junioren-Stürmer Lukas Tomanek, den er behutsam an die Oberliga-Mannschaft heranführt. Oder der bei RW Essen ausgebildete Devin Müller, der „immens an sich arbeitet“ und sich „auf kurz oder lang in die Mannschaft spielen“ wird: „Es ist eine schöne Sache, wenn sich bei Spieler bei uns weiterentwickeln und sich woanders auf hohem Niveau beweisen.“ Spieler wie Daniel Bertram, dessen Abgang im Sommer wohl der größte Verlust war. Appelt sagt in Richtung Hüls: „Ich gönne ihnen den Erfolg.“ Auch wenn das für Sonntag eher nicht zutreffen wird.

Nun könnte man annehmen, der Zweckeler Trainer genießt einen taktischen Vorteil. Schließlich hat er die halbe Hülser Mannschaft vor Kurzem noch selbst trainiert. Appelt aber verneint: „Du kannst dir noch so viele Spiele anschauen und den Gegner noch so gut kennen. Wichtiger ist, dass wir auf uns schauen und uns fragen: ‚Wie können wir erfolgreich sein?’ Am Ende zählt die Tagesform.“

Die stimmte unter der Woche beim Zweckeler 6:0-Sieg gegen den eine Klasse tiefer spielenden Westfalenligisten SV Horst 08. „Das gibt der Mannschaft Auftrieb“, glaubt Appelt, „die Jungs haben gesehen, dass es mit dem Toreschießen noch geht.“ Denn rein spielerisch, davon ist Appelt trotz der Liga-Ergebniskrise nach wie vor überzeugt, „sind wir drei Klassen besser als letzte Saison.“