Das Grozer-Gen für Gladbeck

Neues Gesicht, bekannter Name: Dora Grozer, Tochter von Georg Grozer, spielt künftig für die Giants.
Neues Gesicht, bekannter Name: Dora Grozer, Tochter von Georg Grozer, spielt künftig für die Giants.
Foto: WAZ FotoPool
Ihr Bruder sorgte jüngst bei den Olympischen Spielen für Furore, auch ihr Vater ist im deutschen Volleyball kein Unbekannter: Dora Grozer läuft künftig für die Giants auf.

Gladbeck..  Es würde Dora Grozer, die Neue bei den TVG Giants, nicht stören, dass ein Text über sie mit ihrem Vater oder Bruder beginnt. Georg Grozer senior war Deutscher Meister, Volleyballer des Jahres, eine Legende in den 80er und 90er Jahren. Georg junior, ihren Bruder, sah sie zuletzt nur im Fernsehen, als er in London aufschlug, für Deutschland. Als einer der Besten. Bei Olympia. Er ist aktueller polnischer Meister und wird kommende Saison in Russland bei Lokomotiv Belgorod spielen.

Spricht man über eine Grozer und über Volleyball, dann spricht man immer auch über Gene. Große, zu große Fußstapfen? „Quatsch“, sagt Dora, „ich bin stolz darauf, nicht neidisch.“ Ihr Name ist für sie keine Bürde, vielmehr ein Weg, ein Ziel, etwas, das möglich ist.

Die 16-Jährige mit dem großen Namen und den ungarischen Wurzeln spielt in der kommenden Saison für die Giants. Ihr neuer Trainer Waldemar Zaleski sagt: „In jeder Hinsicht eine sehr interessante Verpflichtung. Sie ist jung, bringt exzellente körperlich-motorische Voraussetzungen mit und hat riesiges Entwicklungspotenzial. Sie kann schon kurzfristig eine wichtige Rolle spielen.“

Das wünscht sich sicher auch Grozer. Doch viel wichtiger ist ihr etwas ganz anderes. Etwas, dass ihre Mutter Timea, natürlich ebenfalls Volleyballerin, beim TVG-Testspiel in Moers auf der Tribüne bemerkte: „Dora kann auf dem Platz wieder lachen.“ Bei ihren Stationen in Moers und zuletzt im Internat des USC Münster hatte die Schülerin bei all dem Training, bei all den Anforderungen schlicht den Spaß verloren.

Mit 15 Jahren arbeitete sie wie eine Leistungssportlerin, 20, 25 Stunden in der Woche. Dazu noch Schule, das Abitur ist angepeilt. „Das war auch körperlich einfach zu viel“, sagt ihr Vater. Gerade junge Spieler gilt es differenziert zu behandeln, ihre Entwicklung zu berücksichtigen. Sie hatte auch Probleme mit dem Knie. Den Kontakt nach Gladbeck stellte dann Giants-Co-Trainer Dieter Theis her. Und beim TVG widmen sie sich dem Talent nun intensiv, beachten die Belastung, bilden sie universal aus. Das überzeugte auch die Eltern Grozer. „Hier darf ich auch noch mal Fehler machen“, sagt die ja noch sehr junge Spielerin. Volleyball in Gladbeck fühlt sich für sie an wie eine kleine Befreiung.

Bei den Grozers ist Volleyball eine Familienangelegenheit. Entweder die Mutter oder der Vater fährt die Tochter von Moers nach Gladbeck. Es gibt Tipps von der Tribüne, auf der Rückfahrt bleibt eine halbe Stunde Zeit, um alles Sportliche zu besprechen. Dann ist Schluss. Dann stehen die Grozers vor der Haustür. Und dahinter, am Küchentisch, gibt es „auch noch anderen schöne Dinge zu bereden“, versichert der Vater und lacht.

Der Papa, das Naturereignis

Aber vermutlich nicht viele. Denn auch Dora Grozers Brüder Tim und Tom sind talentierte Sportler. Zum Spiel am Netz wird aber niemand gezwungen. Dora entschied sich einfach direkt für Volleyball. „Wenn nicht, wäre das auch nicht schlimm gewesen“, sagt ihr Vater. Er grinst: „Aber gefreut hat es uns schon. Die Tradition geht jetzt weiter.“

Ihren Vater nannte die Presse einst ein „Naturereignis“, auch bei ihrem Bruder spricht man von „urwüchsiger Kraft“. Die Tochter lacht dann: „Da bin ich wohl nicht so wie Papa“, sagt sie – obwohl ihre Stärken ebenfalls in Angriff und Block liegen. Und auch die Emotionalität, für die ihr Vater bekannt, aber auch berüchtigt war, ist ihr nicht fremd: „Ich rede auf dem Feld, wenn mir was nicht passt“, sagt sie, „aber Zicken kann ich gar nicht leiden.“

Eine Tradition wird sie aber erst einmal nicht fortführen: Grozers tragen die Nummer Neun. Beim TVG ist sie schon vergeben, nun ist es die 14. Für Dora Grozer gar kein Problem. Denn hier hat sie etwas viel wichtigeres wieder gefunden als nur eine Nummer: Den Spaß am Spiel. Am Spiel ihrer Familie.

 
 

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