Willi Landgraf hilft beim VfB Bottrop aus

Ein Idol für die Jugend und noch immer am Ball: Willi Landgraf schnürt diese Saison die Fußballschuhe für den Bezirksligisten VfB Bottrop.                                                                               Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
Ein Idol für die Jugend und noch immer am Ball: Willi Landgraf schnürt diese Saison die Fußballschuhe für den Bezirksligisten VfB Bottrop. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool
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Bottrop.. Am Wochenende startete der VfB Bottrop in die neue Bezirksliga-Saison, erfolgreich, mit einem 4:1-Auswärtssieg beim Aufsteiger Viktoria Wehofen. Und das alles ohne seinen prominentesten Neuzugang, weil der Spielerpass noch nicht vorlag: Willi Landgraf. Willi will es immer noch wissen.

Landgraf und der VfB Bottrop, das passt. Nicht nur, weil der gebürtige Mülheimer seit Urzeiten im Ortsteil Vonder­ort ein schmuckes Reihenhaus bewohnt. Nein, vor allem deswegen: Legende trifft Legende. Die Schwarz-Weißen haben in den glorreichen Vierziger und Fünfziger Jahren so manchem Revierklub das Fürchten gelehrt, auch dem FC Schalke 04. Und mancher Blau-Weiße hat sich seine ersten Meriten im Bottroper Jahnstadion verdient: Diethelm „Didi“ Ferner oder Paul Holz etwa. Aber auch Ex-Nationalspieler Dieter Herzog (Düsseldorf, Leverkusen) spielte in den Siebzigern beim damaligen Zweitligisten.

Nun also Willi Landgraf, Mister Zweite Liga, mit 508 Spielen für RWE, Homburg, Gütersloh und Aachen in 20 Jahren noch immer Rekordspieler. Der Dauerbrenner, Dauerläufer; es geht das Gerücht, manche Klubs verpflichteten den 1,66 Meter großen Publikumsliebling anstelle eines notwendigen Rasenmähers.

Kommenden Montag feiert Willi seinen 43. Geburtstag, hat da jemand müde gelächelt? Lothar Matthäus spielte mit fast 39 Jahren noch im Champions-League-Halbfinale, da wird Landgraf doch mit den Bezirksliga-Kollegen fertig, bei denen schon mal nach 80 Minuten die Schnappatmung einsetzt oder manche Waage unter der Last ächzt.

Wer an einen PR-Gag glaubt, kennt allerdings den Ehrgeiz des einstigen Muster-Profis nicht. Zwar sagt Landgraf, „dass er keinem Jüngeren den Platz wegnehmen will, ich stelle da keine Ansprüche“, aber freiwillig wird er ihn auch nicht hergeben.

Muss er auch nicht bei VfB-Trainer Mevlüt Ata: „Bei mir gibt es keine jungen oder alten Spieler, bei mir zählt nur die Qualität.“ Und die stimmt offensichtlich noch. Seine Trainingskollegen hätten mit offenen Mündern da gestanden, wenn der Diagonal-Pass des Oldies mit Spann noch fußgerecht beim Mitspieler ankommt. Die Einigung zwischen Ata und Landgraf war übrigens schnell erzielt, beide kennen sich noch von RWE-Zeiten aus den Achtziger Jahren. „Ich kam damals aus der A-Jugend, leider reichte es nur für die Zweite, aber ich durfte bei den Profis mittrainieren, da lernte ich Willi kennen“, so der Coach.

Natürlich gibt es schon wieder erste Vereinskritiker, die ein Geschäft dahinter wittern. Tenor: So einer macht es doch nicht umsonst. „Bei Willi können wir unser Schwarzgeld in Weißes umwandeln“, lacht Benedikt Mies, der erste Vorsitzende. Jeder weiß, dass der Verein viel Tradition, aber keine Kohle mehr besitzt.

Nein, Willi macht es für die Bratwurst und das Pils danach. Leider noch nicht am Wochenende, da ist er noch im Hauptjob mit Schalkes U 15 beim Turnier in St. Petersburg. Ausgerechnet jetzt, beim Heimspiel im Derby gegen Barisspor Bottrop!

 
 

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