Ukraine siegt vor Deutschland beim Biathlon auf Schalke

Die Besten des Abends: Valentina Semerenko und Sergej Semenov
Die Besten des Abends: Valentina Semerenko und Sergej Semenov
Foto: WAZ
Die Ukrainer Valentina Semerenko und Sergej Semenov sind die Sieger nach dem Verfolgungsrennen.Ein Fehler von Erik Lesser im letzten Schießen entscheidet den Wettkampf. Platz zwei für Deutschland

Gelsenkirchen..  Bei allem Respekt für das Siegerteam aus der Ukraine, für Valentina Semerenko und Sergej Semenov. Aber der Moment, der Biathlon auf Schalke wohl am besten beschreibt, ereignet sich, als Semenov schon lange über die Ziellinie gefahren war. Während die Biathleten die Skier bereits abgeschnallt haben und im Zielbereich über den Rennverlauf diskutieren, macht Kommentator Herbert Fritzenwenger darauf aufmerksam, dass ja noch einer fehlt – dass noch gar nicht alle Teams im Ziel sind. Und dann biegt Benjamin Weger in den beleuchteten Tunnel ein, der in die Arena führt, wo über 41000 Zuschauer toben. Stehende Ovationen für den weit abgeschlagenen Schweizer, der drei Minuten Rückstand hat. Fairness trifft Gänsehautstimmung mitten auf Schalke.

Herbert Fritzenwenger hat zwar auf einen deutschen Sieg, auf einen Sieg im Heimspiel auf Schalke, gehofft. Doch enttäuscht ist der Kommentator und Cheforganisator der Biathlon World Team Challenge keineswegs, er spricht von einem fantastischen Rennen, das alles zu bieten hatte, was den Biathlon-Sport so spannend macht. Co-Kommentatorin Magdalena Neuner stimmt zu.

Semenov und Lesser sind vor dem letzten Schießen gleichauf

Man musste kein Experte sein, um ahnen zu können, dass die World Team Challenge am Schießstand entschieden werden würde. Denn so packende Überholmanöver wie im vergangenen Jahr, als Florian Graf den Sieg für sich und seine Partnerin Laura Dahlmeier in der letzten Kurve sicherte, die gibt es auf der 1,4 Kilometer langen Loipe rund um die Veltins-Arena selten.

Vor dem letzten Schießen des Verfolgerrennens, der Entscheidung, liegen der Ukrainer Sergej Semenov und der Deutsche Erik Lesser, der mit Franziska Hildebrand startet, in Führung. Während Semenov mit all seinen fünf Schüssen ins Schwarze trifft, patzt Lesser beim letzten Schuss und muss in die Strafrunde. Diesen Rückstand kann der Doppel-Silbermedaillengewinner von Sotschi auf der letzten Sprintrunde nicht aufholen und kommt sieben Sekunden nach Semenov ins Ziel. Rang zwei für Deutschland.

„Ich wollte den Zuschauern auch eine Show bieten und habe sehr schnell geschossen“, erklärt Lesser und ergänzt: „So ein Harakiri-Schießen mache ich im Weltcup nicht. Da sind die Strafrunden länger als auf Schalke und gehen richtig in die Beine.“ Franziska Hildebrand ist trotz des verpassten Sieges begeistert: „Ein toller Abend, der zweite Platz ist ein schönes Ergebnis. Großartig, wie die Zuschauer hinter den Athleten stehen.“

Das Team Russland mit Jana Romanova und Evgeni Garanitschev sichert sich Rang drei. Laura Dahlmeier und Florian Graf, die Überraschungssieger des Vorjahres, belegen mit über 35 Sekunden Rückstand den sechsten Platz. Vier Fehlversuche von Dahlmeier in ihrem abschließenden Schießen beenden die Hoffnung auf die Titelverteidigung frühzeitig. Der französische Doppelolympiasieger Martin Fourcade läuft mit Partnerin Anais Chevalier Chevalier auf Rang fünf.

Dann kommt Benjamin Weger. Als Zehnter. Und Schalke feiert.

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