Siegen mit Boris

Der Vorsitzende der Sportfreunde Siegen Ulrich Steiner (l.) und der Sportliche Leiter Lutz Lindemann bei der Vertragsunterzeichnung von Trainer Michael Boris.
Der Vorsitzende der Sportfreunde Siegen Ulrich Steiner (l.) und der Sportliche Leiter Lutz Lindemann bei der Vertragsunterzeichnung von Trainer Michael Boris.
Foto: Verein

Gelsenkirchen..  Der Abschied von Michael Boris als Trainer des Fußball-Regionalligisten Schalke 04 am letzten Spieltag geriet äußerst emotional – alles andere hätte auch nicht zum bald 36-Jährigen (am Samstag) gepasst. „Jetzt muss ich doch aufpassen, dass ich hier nicht noch rumheule“, meinte er in den Katakomben der BayArena, als das Buch Königsblau nach eineinhalb Jahren endgültig geschlossen wurde. Mit Höhen und Tiefen.

Als er kam, zur Winterpause 2009/10, war es ein bisschen Fußball-Wunderland für den Ex-Trainer von Germania Windeck. „Alles ein bisschen größer hier, Donnerwetter“, hieß es beim ersten Besuch auf der Schalker Geschäftsstelle. Dann wurden beim gebürtigen Kirchhellener aber schnell die Ärmel hochgekrempelt, der Abstieg zum Saisonende vermieden. In der Spielzeit 2010/11 konnte Michael Boris dann mit Wunsch-Kandidaten an den Start gehen. Und siehe da: Die Mannschaft startete ambitioniert und spielte im ersten Drittel sogar um die Tabellenspitze mit. Doch Reserve-Trainer eines Bundesligisten bedeutet auch, Animateur von mehr oder weniger gefrusteten Profi-Bankdrückern zu sein. Davon gab es zuletzt zu viele.

So fanden sich die Regionalligisten nach der Winterpause vermutlich leistungsgerecht im sicheren Mittelfeld der Tabelle ein. Da Abstiegssorgen aber dennoch in Buer ein Fremdwort blieb, was die Reserve angeht, ging Boris dann aber doch recht entspannt in die Gespräche mit Cheftrainer Felix Magath und Manager Horst Heldt. Und kam ein wenig verstört wieder heraus, als man ihm mitteilte, in Zukunft auf seine Verdienste verzichten zu wollen. Zwar möchte er auch heute noch nicht nachkarten, aber so viel muss dann doch erlaubt sein: „Fußball hat manchmal auch mit Politik zu tun“, meint er vielsagend. Mehr will er nicht dazu sagen, aber wer weiß, dass Nachfolger Bernhard Trares und Sportdirektor Horst Heldt eine gemeinsame sportliche Vergangenheit bei den Münchner Löwen teilen, mag sich den Rest denken.

Dennoch ist seine Bilanz rundum positiv: „Für einen Profi-Fußballklub im Reserveteam arbeiten zu dürfen, ist ein Privileg. Wenn man 40 Bälle braucht, kriegt man die auch.“ Und außerdem: „Wie viele Millionen habe ich auf dem Platz bewegt“, fragt er kokettierend, wenn er an die ganzen Stars denkt, die zur Zweiten abkommandiert wurden. Deshalb lautet sein Fazit: „Obwohl Windeck nun eine Klasse höher spielt und ich faktisch absteige: Ich bereue nichts und würde genau so nochmal entscheiden.“ Nun geht es also in die NRW-Liga, zu den Sportfreunden Siegen, einem Traditionsklub, bei dem in bedeutungslosen Spielen 1500 Zuschauer kommen, ansonsten 3000 bis 4000 Fans. Eine Kulisse, wie geschaffen für den Vollblut-Trainer Boris: „Siegen ist die Top-Adresse der NRW-Liga. Es freut mich, dass sie einem jungen Trainer das Vertrauen schenken.“

Dort war man beeindruckt. Eigentlich war er gar nicht der Top-Favorit – bis zum Vorstellungsgespräch. „Er hat eine beeindruckende Art, wie er den Job hier in Siegen angehen will“, so Manager Lutz Lindemann. Mit 100 000 Volt eben.

 
 

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