Schneller als die Polizei erlaubt

19. City-Nacht von Beckhausen am Mittwoch, 06.06.2012 an der Braukämperstraße in Gelsenkirchen-Beckhausen. Gefahren werden 35 Runden auf einem Zwei-Kilometer-Rundkurs. Im Bild (vl) 2.Platz Startnummer 2 Robert Bengsch (Rudy Projekt Racing Team) , Sieger Startnummer 3 Reinhardt van Rensburg (MTN-Qhubeka RSA) , 3. Platz Startnummer 78 Nils Plötner (Team Raiko Stölting).Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool
19. City-Nacht von Beckhausen am Mittwoch, 06.06.2012 an der Braukämperstraße in Gelsenkirchen-Beckhausen. Gefahren werden 35 Runden auf einem Zwei-Kilometer-Rundkurs. Im Bild (vl) 2.Platz Startnummer 2 Robert Bengsch (Rudy Projekt Racing Team) , Sieger Startnummer 3 Reinhardt van Rensburg (MTN-Qhubeka RSA) , 3. Platz Startnummer 78 Nils Plötner (Team Raiko Stölting).Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool
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Beckhausen.. Birgit Zurhausen weiß, wo es langgeht. Natürlich. Die 51-Jährige hat bei der 19. City-Nacht von Beckhausen mal wieder einen ganz exklusiven Platz. Birgit Zurhausen führt das Fahrerfeld an. Wie schon so oft. Am vergangenen Mittwoch in einem sportlichen weißen Cabriolet. Die Tachonadel pendelt konstant zwischen 50 und 60, darunter fällt sie nur ganz selten. Das Autoradio läuft. Nicht zu laut, das würde die Konzentration stören. In der Mittelkonsole liegt eine Flasche mit bayrischem Schnaps. Auch das würde ganz sicher die Konzentration stören. „Denkt bloß nicht, dass ich den während der Fahrt trinke“, sagt Birgit Zurhausen und lacht. „Das ist ein Geschenk von unseren bayrischen Fahrern.“

Birgit Zurhausen hat alles im Blick, schaut ständig in den Rückspiegel. Nach gut der Hälfte der insgesamt 35 Runden des Hauptrennens sieht sie nur noch zwei Fahrer, die einsam an der Spitze ihre Runden drehen. Sie haben rund 40 Sekunden Vorsprung auf das Hauptfeld. Ihre Namen: Reinhardt van Rensburg und Robert Bengsch. Das Duo liefert sich bis zum Schluss ein packendes Duell. Nur Nils Plötner schafft es noch, aus diesem Duo ein Trio zu machen, acht Runden vor dem Ende legt er sich noch einmal ins Zeug. Und wie. Am Ende hat aber Reinhardt van Rensburg die Nase vorn, der Südafrikaner düst nach gut einer Stunde und 20 Minuten vor Robert Bengsch und Nils Plötner über die Ziellinie. Ein tolles Rennen. „Die schnellste City-Nacht von Beckhausen aller Zeiten“, sagt Cheforganisator Michael Zurhausen.

Auch Birgit Zurhausen ist im Ziel. Diese 35 Runden, diese 70 Kilometer schlauchen sogar auf dem Fahrersitz des weißen Flitzers. „Keine Probleme, alles war ruhig“ meldet sie. „Es ist ganz wichtig, dass jemand das Führungsfahrzeug steuert, der den Radsport kennt. Man muss ein Rennen lesen können“, erklärt Birgit Zurhausen, die selbst sehr erfolgreich Radrennen fuhr, sogar mal einen Weltrekord aufgestellt hat.

Das Mikrofon gibt den Geist auf

Ihr Ehemann Michael ist als Organisator und Moderator nicht minder beschäftigt, er hat sich genau vor dem Start- und Zielturm postiert. Zwar gibt das Mikrofon zwischendurch den Geist auf, Michael Zurhausen aber hält tapfer durch. Ein Knochenjob, der Ausdauer erfordert. Michael Zurhausen animiert das Publikum, er informiert die Fahrer, und er preist die Prämien an, die es für besonders schnelle Runden gibt.

In den Straßen entlang des Kurses herrscht Volksfeststimmung. Auf der langen Geraden am Start und Ziel. Aber auch in den Seitenstraßen. In den Vorgärten wird gegrillt, es wird lautstark angefeuert. Von den Balkons wird mit Vuvuzelas getrötet, es wird applaudiert. Ein Anwohner hat sogar ein Stück weiße Tapete beschriftet, es auf seinen Wagen geklebt. „Radar“, steht darauf. Eine witzige Idee.

Die nationalen und internationalen Spitzenfahrer lassen sich nicht beirren, sind deutlich zu schnell unterwegs und drücken noch einmal auf die Tube. „Ein wahnsinniges Tempo heute“, sagt Birgit Zurhausen.

Auch die Polizei ist wieder in die Organisation eingebunden. Auf und abseits der Strecke verrichtet sie ihren Dienst. Noch vor dem Führungsfahrzeug von Birgit Zurhausen saust ein Ordnungshüter mit seinem Motorrad über die Strecke. Blaulicht inklusive. Schneller als die Polizei erlaubt übrigens. „Schon cool, wenn man mal die Polizei jagen darf“, sagt Birgit Zurhausen und lacht.

Michael Zurhausen spricht von hervorragendem Sport, spricht aber auch davon, dass der Radsport aktuell einen schweren Stand hat. „Früher konnten junge Fahrer stolz erzählen, dass sie Rennen fahren. Heute werden sie zuerst gefragt, ob sie auch schon dopen.“ Pac­kende Rennen wie die City-Nacht von Beckhausen seien dazu da, etwas für das angekratzte Image zu tun.

Das ist am Mittwochabend gelungen. Eindrucksvoll.

 

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