Schalke ist zurück auf der Intensiv-Station

Andree Hagel

Nürnberg. Es war Mittwochabend, als der FC Schalke 04 in der Champions League ein 2:0 über Benfica Lissabon gefeiert hatte. Der Krankenhaus-Patient, der überzeugt hatte, schien geheilt zu sein und sich das freie Wochenende für einen Ausflug zum 1. FC Nürnberg verdient zu haben. Dort aber setzte es eine 1:2-Pleite – und deshalb muss der Patient in der Bundesliga als Tabellenvorletzter zurück auf die Intensiv-Station.

„Wir haben aus unseren Fehlern nichts gelernt“, sagte Torwart Manuel Neuer, der Kapitän der Fußball-Kranken. Und weil die Zahl der Krankheiten nicht gerade gering ist, ha­ben die Königsblauen gerade mal vier Punkte nach sieben Spielen – 17 (!) hinter Tabellenführer FSV Mainz 05 mit Lewis Holtby, dem Schalker – und stellen nicht nur ihren Trainer Felix Magath vor Rätsel.

Krankheit eins:

die Ab­wehr, die ihren Schnitt – 2,0 Gegentore pro Spiel – souverän verteidigt hat. Gewiss hat sich Christoph Metzelder in der Innenverteidigung stabilisiert. Gewiss hat Kyriakos Papadopoulos längst nicht so stark gespielt wie gegen Lissabon und in Nürnberg nicht unerhebliche Fehler gemacht.

Es ist aber so, dass wiederholt einer schwächelte, der die vergangene Rückrunde so stark gespielt hatte, dass es nicht unverdient gewesen wäre, wenn er ins deutsche WM-Aufgebot gekommen wä­re: Benedikt Höwedes. Der 22-Jährige musste mal wieder als rechter Verteidiger ran und of­fenbarte nicht zum ersten Mal eine ungeahnte Schwäche. Er ist, obwohl dies Christoph Metzelder regelmäßig vorgeworfen wird, zu langsam.

Und er ist eine gute Überleitung. Zur

Krankheit zwei:

der Disziplin. Allein schon drei Bundesliga-Platzverweise nach nur sieben Spielen. In der gesamten vergangenen Saison flog gerade mal ein Schalker vom Platz. Marcelo Bordon sah am 3. April in der Nachspielzeit gegen den FC Bayern München – das 1:2 kostete am 29. Spieltag die Tabellenführung – die Gelb-Rote Karte.

2010/11 ist das anders: Am ersten Spieltag (1:2 beim Hamburger SV) sah Benedikt Hö­wedes die Ampelkarte, am vierten Spieltag (1:3 gegen Borussia Dortmund) Nicolas Plestan und jetzt in Nürnberg Jermaine Jones. Zu viele Platzverweise? „Das ist zu kritisieren“, sagte Trainer Felix Ma­gath. Aber: „Es ist schwer zu beurteilen, ob man Jermaine einen Vorwurf machen kann. Torwart Raphael Schäfer kommt auch riskant raus. Ich weiß nicht, ob eine Gelbe Karte da berechtigt ist.“

Krankheit drei:

mangelhafte Fitness. „Ich bin überzeugt davon, dass er noch stärker spielen wird, wenn er sich an das Bundesliga-Training ge­wöhnt hat“, hatte Felix Ma­gath noch am Freitag in Düsseldorf – es war schon die zweite Pressekonferenz in dieser Saison, die der Cheftrainer von Gelsenkirchen eben in den Flughafen der Landeshauptstadt verlegt hat – gesagt und über den Spanier José Manuel Jurado gesprochen.

Und prompt fiel der 24-Jährige in Nürnberg nur zweimal auf, und zwar schon in den ersten zehn Minuten, als er sich gleich zweimal das Schleifchen des rechten Schuhs neu band. Nach 45 Minuten durfte er in der Kabine bleiben, und es kam Peer Kluge, der es anders, aber auch nicht wirklich besser machte. Immerhin hat José Manuel Jurado Nürnberg kurz kennengelernt. Der Japaner Atsuto Uchida und der Franzose Nicolas Plestan mussten sogar zu Hause bleiben und trainieren.

VfB unterliegt Frankfurt

Aber: Es sind Krankheiten, die sich nach der Länderspielpause sicherlich schnell so heilen lassen, dass der Patient die Intensiv-Station der Bundesliga verlassen kann. Dazu ist aber ein Erfolg am 16. Oktober über den VfB Stuttgart, der wegen seines 1:2 gegen Eintracht Frankfurt am Tabellenende bleibt, Pflicht. „Jetzt müssen wir erst einmal zusehen, überhaupt zu punkten, um da unten wegzukommen“, sagte Felix Magath am Samstag in Nürnberg. „Über alles andere brauchen wir im Moment nicht zu diskutieren.“