Raúl gibt bei Schalke-Sieg in Haltern eifrig Autogramme

Raúll (m.) mit dem Halterner Bürgermeister Bodo Klimpel (re.) und Heinrich Schriewer vom Stadtsportverband.
Raúll (m.) mit dem Halterner Bürgermeister Bodo Klimpel (re.) und Heinrich Schriewer vom Stadtsportverband.
Foto: WAZ FotoPool
Beim 4:2-Sieg der Schalker beim Landesligisten TuS Haltern warteten 3000 Fans vergeblich auf letzte Ballkünste des Weltstars Raúl, ebenso wie die des frischgebackenen Bundesliga-Torschützenkönigs Klaas-Jan Huntelaar. Beide Spieler erhielten von Trainer Huub Stevens eine Schaffenspause.

Haltern am See.. Heimspiel in Haltern: 3000 eingefleischte Schalker nutzten am Montagabend in der Halterner Stausee-Kampfbahn die Gelegenheit, ihrem Idol Raúl Adios zu sagen. Kleine Enttäuschung für vor allem die ganz jungen Fans: Die Künste des Spaniers am Ball waren ebenso wenig zu bewundern wie Aktionen des frisch gebackenen Bundesliga-Torschützenkönigs Klaas Jan Huntelaar, beide Spieler erhielten von Trainer Huub Stevens eine Schaffenspause.

Raúl verrichtete dafür vor, während und nach der Partie eifrig Dienst am Fan. Es gab manch erstaunliche Utensilie, die ihm zum Autogramm entgegengereckt wurde: Jackenärmel, Kappen, Tröten, Rückennummern, Eintrittskarten – und als Clou war sogar ein Babystrampler dabei. Den Spanier konnte nichts schocken. Vor dem Anpfiff bekam er von einer Fangruppe noch Abschiedsgrüße aus dem Internet überreicht, die man schnell zum Buch gebunden hatte. Der Bürgermeister von Haltern am See hatte noch ein Trikot der Halterner Stadtauswahl mit der Nummer sieben dabei – haben auch nicht viele Profis.

Draxler im falschen Film

Ach ja, Fußball gespielt wurde auch noch, und da hatte die Partie gleich zu Anfang ihren höchsten Unterhaltungswert: Vom Anpfiff weg sah sich TuS-Stürmer Mustafa Dana plötzlich 20 Meter vor dem Tor mit dem Leder konfrontiert. Und da keiner so richtig angriff, und auch Torhüter Lars Unnerstall weit vor seinem Arbeitsplatz graste, setzte der gut Dana einfach mal zum Schlenzer an. 1:0 in der ersten Minute für den Landesligisten – welch ein Gejohle in den dicht besetzten Fanreihen.

Die aufgebotenen Schalker Profis hatten sich in der Folgezeit nur allzu willig auf das Landesliga-Tempo eingelassen. Huub Stevens hatte mit Alexander Baumjohann und José Manuel Jurado zwar zwei Zirkuspferdchen in die Manege geschickt, aber der Zauberkasten der Schalker blieb an diesem Abend geschlossen. Offensichtlich hatte niemand so recht Lust, kurz vor dem New-York-Trip sich noch eine Blessur gegen ungewollt ungeschickte Amateurbeine einzufangen. Immerhin dauerte es ein Viertelstündchen, bis Lewis Holtby im Nachschuss ausgleichen konnte. Teemu Pukki besorgte vor der Pause (35.) wenigstens noch die Führung. Direkt nach Wiederanpfiff erhöhte Sergio Escudero mit herrlich gezirkeltem Freistoß auf 3:1. Dann war nochmal Puppentheater: Lars Große-Puppendahl konnte einen Halterner Konter am verdutzten Robin Himmelmann zum 2:3 abschließen (52.). Damit haben zwei TuS-Akteure eine Geschichte, die sie noch ihren Enkeln erzählen können. Auch wenn Ciprian Marica (71.) noch auf 4:2 erhöhen konnte, waren die Halterner die gefühlten Sieger.

A propos Sieger: In der 52. Minute wurde Julian Draxler eingewechselt und der schaute wirklich selig. Ständig bat er einen Mitspieler, ihn zu kneifen, denn am Morgen hatte der 18-Jährige von seiner Nominierung für den vorläufigen EM-Kader erfahren. Und seitdem schwebt er: „Wenn man bedenkt, dass ich vor eineinhalb Jahren noch in der A-Jugend gespielt habe, fühlt es sich schon an, als sei ich im falschen Film“, bekannte er. Für die Zeit des DFB-Trainingslagers hatte er eigentlich Urlaub mit Freundin in Ägypten gebucht. Jetzt müssen die Pyramiden warten.

Ach, und den letzten Volltreffer des Spiels landete Jurado Junior. In seinen Windeln. Oben im Vereinsheim, gestern der VIP-Bereich. Kurzerhand wurde der leere Büffett- zum Wickeltisch umfunktioniert. Nasenzeugen können berichten, dass ihnen die Duftmarke durchaus spanisch vorkam.

 
 

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