Nur ein ganz kleiner Schritt

Manuel Neuer und Atsuto Uchida nach dem Schalker 2:0-Sieg über Bayern München. Foto: Reuters
Manuel Neuer und Atsuto Uchida nach dem Schalker 2:0-Sieg über Bayern München. Foto: Reuters
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Gelsenkirchen. Allein im Ab­stiegskampf. Und als Schiedsrichter Peter Gagelmann am Samstag in der Veltins-Arena zur Halbzeit pfiff, hatte diese Kaiserslautern-Schlagzeile für Manuel Neuer nach wie vor Gültigkeit. Als der Schlusspfiff ertönte und der FC Schalke 04 den FC Bayern München mit 2:0 besiegt hatte, war der Torwart der Königsblauen jedoch nicht mehr der Einzige, der sich im Abstiegskampf ge­wehrt hatte. Dennoch war er der alles überragende Ak­teur des Abends. Nur er.

Und wenn sie sich beim nächsten Mal bei der Nationalmannschaft sehen werden, können sie noch einmal über dieses Spiel plaudern. Toni Kroos wird Manuel Neuer dann fragen, wie es denn überhaupt möglich sein kann, so einen Schuss zu halten, wie es der Schalker Schlussmann in der 34. Minute getan hat. Diese Parade war so spektakulär, dass die zweite Riesen-Chance, die Toni Kroos in der 39. Minute hatte, kaum noch der Rede wert war. Oder das Ding in der Nachspielzeit, als Manuel Neuer einem weiteren Kollegen aus dem Nationalteam, nämlich Mario Gomez, eine Kostprobe gab, dass er in einer ausgezeichneten oder noch besseren Verfassung ist.

Klar: So ein Mann ist be­gehrt – und zwar nicht nur beim FC Bayern. „Ein absoluter Weltklasse-Torhüter, der auch die Unmöglichen hält“, sagte Franz Beckenbauer, der Ehrenpräsident der Münchener. Oder, um Fe­lix Magaths Worte zu wählen. „Ich freue mich, dass er ein so großartiges Spiel gemacht hat“, sagte der Schalker Trainer, um dann sogar davon zu sprechen, dass Ma­nuel Neuer „ei­ner der besten, vielleicht der beste Torhüter der Welt ist“.

Es ist auch nicht so, dass Manuel Neuer dies nicht ge­nießen kann. „Ich weiß, dass ich mich gut fühle“, sagte er. „Ich weiß, dass ich ‘ne gute Saison spiele.“ Zu weit ging es ihm dann aber doch, als er da­rauf angesprochen wurde, dass er die Münchener ge­schlagen habe. „Schalke hat gegen Bayern gewonnen“, sagte der 24-Jährige, um die Gelegenheit auch sofort zu nutzen, darauf hinzuweisen, dass der FC Schalke 04 weiter Tabellen-15. der Fußball-Bundesliga ist – wenn inzwischen auch mit einem Vier-Punkte-Polster auf Rang 16. „Es hat sich nicht viel verändert“, sagte Manuel Neuer, „bis auf dass wir drei Punkte geholt haben. Das war gut für die Schalker Seele.“

Prellung an der Hand

Er, Manuel Neuer, ist ein Teil dieser Schalker Seele. Und er ist nicht nur der überragende Schlussmann, er ist auch noch ein ausgezeichneter Spieleröffner. Am 1:0, das José Manuel Jurado erzielt hatte, hatte er entscheidenden Anteil – weil eben sein Abschlag bei Tor-Vorbereiter Raúl gelandet war. „Sonst werfe ich ja mehr ab“, sagte er. „Aber weil ich Probleme an der Hand habe, habe ich heute mehr geschossen.“ Seine rechte Hand hatte sich der Nationaltorwart beim Training am Mittwoch bei ei­nem Zusammenprall mit Ky­riakos Papadopoulos geprellt.

Und was ist nun mit seiner Zukunft beim FC Schalke 04? Über 2011 oder sogar 2012 hi­naus? Es überrascht niemanden, dass Manuel Neuer keine verlässliche Antwort gibt. Was soll er auch sagen? Er spricht als Schalker. „Ich konzentriere mich jetzt auf den Verein. Wir haben hier genug Probleme, der Verein muss auf Vordermann ge­bracht werden.“

Aber wird er dabei noch lange helfen (können)? „Persönliche Dinge sind zweitrangig“, wiederholt Manuel Neuer, für den doch gerade auch so Spieler wie Raúl, Klaas-Jan Huntelaar oder José Manuel Jurado verpflichtet worden sind – weil eben Trainer Felix Magath seinem Schlussmann eine Schalker Perspektive aufzeigen will.

Das 2:0 über den FC Bayern München war nur ein ganz, ganz kleiner Schritt dorthin. Und wenn jetzt nicht weitere Siege beim FSV Mainz 05 und gegen den 1. FC Köln sowie im Pokal-Achtelfinale beim Zweitligisten FC Augsburg folgen werden, erkennt Manuel Neuer vielleicht schon in der Winterpause, dass es für einen wie ihn beim FC Schalke 04 keine Perspektive gibt. Zumindest keine attraktive.

 
 

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