Kinderfußball kindgerecht

Gelsenkirchen.. Eine Erfolgsgeschichte, die vor sechs Jahren in Aachen ihren Anfang nahm, könnte bald auch den Nachwuchsfußball in Gelsenkirchen prägen. „Kinderfußball kindgerecht“ – so lautet das Motto der so genannten FairPlayLiga, einer Spielform, die bei den E-, F- und G-Junioren, also den Unter-Elfjährigen, inzwischen in zahlreichen Landesverbänden ihren Siegeszug angetreten hat.

Was steckt hinter der Idee der FairPlayLiga? „Wir wollen den Kindern den Fußball zurückgeben, dem Kinderfußball ein eigenes Gesicht geben“, sagt Ralf Klohr vom SuS Herzogenrath aus dem Fußballkreis Aachen. Der 49-Jährige ist der geistige Vater dieser Idee. „Mir wurde bewusst, dass sich die Rahmenbedingungen rund um den Fußball und die gestiegenen Erwartungshaltungen in unserer Gesellschaft negativ auf die Entwicklung und das Fußballspiel bei den Kindern ausgewirkt haben“, führt er aus.

Den Straßenfußball, so wie ihn Ralf Klohr als Kind erlebt hat, wird es in dieser Form nicht mehr geben können. „Aber“, so der Aachener, „wir kommen ihm, wenn wir die drei Fair-Play-Regeln konsequent umsetzen, sehr nahe.“ Die drei Kernregeln der FairPlayLiga sind: 1. Es wird ohne Schiedsrichter gespielt, die Kinder entscheiden selbst. 2. Beide Trainer begleiten das Spiel aus einer gemeinsamen Coaching-Zone. Absprachen und abgestimmtes Handeln sind gewollt und erwünscht, sollten sie einmal ins Spiel eingreifen müssen. 3. Fans und Eltern halten sich in einem angemessenen Abstand von etwa 15 Metern zum Spielfeld auf. Anfeuern ja, Steuern nein!

Wer derzeit regelmäßig Fußballspiele der Allerjüngsten in Gelsenkirchen beobachtet, wird darüber berichten können, dass manche Eltern in wenig vorbildlicher Manier von außen Einfluss auf das Spiel nehmen wollen. Und selbst Trainer verhalten sich zuweilen nicht besser, wenn sie darüber streiten, ob ein Spiel 14:1 oder 15:1 ausgegangen ist. Obwohl auch im Fußballkreis Gelsenkirchen im unteren Nachwuchsbereich keine offiziellen Ergebnislisten und Tabellen erstellt werden, lassen es sich die meisten Vereine nicht nehmen, die Resultate auf ihren Webseiten trotzdem zu veröffentlichen und in teils martialischen Worten über das Fußballspiel der Unter-Elfjährigen zu berichten.

Im Kinderfußball zählt nach einem Grundsatz der FairPlayLiga nicht das Spielergebnis, sondern der Spaß am Tun. Die Entwicklung der jungen Kicker steht im Vordergrund, erst dann kommt der Erfolg der Mannschaft. Als mittelfristige Ziele der FairPlayLiga gelten insbesondere die Vermittlung von Eigenverantwortung, die Entwicklung sozialer Kompetenzen und die Förderung der Kreativität, des Mutes, der Spiel- und Entscheidungsfreude sowie des Selbstvertrauens der Kinder durch die Trainer.

Faszination des Spiels

Die Gedanken der FairPlayLiga gehen konform mit der vom Deutschen Fußball-Bund erstellten Philosophie des Kinderfußballs. „Im früheren Straßenfußball spielten Kinder selbst organisiert so, wie sie es wollten“, heißt es in dem Papier aus Frankfurt. „Dieses freie Fußballspielen müssen wir den Kindern im Vereinsfußball wieder anbieten. So vermitteln wir ihnen die Faszination des Spiels.“

Jürgen von der Gathen, der Vorsitzende des hiesigen Kreis-Jugendausschusses, wür­de die Ausweitung der FairPlayLiga nach Gelsenkirchen sehr begrüßen. „Wir haben das Konzept dieser Spielform vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen erhalten und es an unsere Vereine weitergeleitet“, berichtet er. „Auf dem nächsten Staffeltag, der voraussichtlich Ende Januar oder im Februar stattfindet, werden wir es vorstellen.“

Sollten die Vereine zustimmen, könnte die Idee der FairPlayLiga bereits ab der kommenden Saison auch in Gelsenkirchen umgesetzt werden. „Aber wir werden keinen Zwang ausüben“, sagt Jürgen von der Gathen und fügt hinzu: „Ich werde es den Vereinsvertretern jedoch nahelegen, für die Einführung der FairPlayLiga in Gelsenkirchen zu stimmen.“

 
 

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