Huub Stevens attackiert die Schalke-Fans

Nach dem Schalker 3:0: Tranquillo Barnetta, Julian Draxler, Roman Neustädter und Torschütze Teemu Pukki.
Nach dem Schalker 3:0: Tranquillo Barnetta, Julian Draxler, Roman Neustädter und Torschütze Teemu Pukki.
Foto: dapd
„Kompliment an die Nordkurve , die hat nicht gepfiffen“, sagt Schalkes Trainer Huub Stevens nach dem 3:0-Erfolg über Mainz. „Die anderen haben nicht so viel Ahnung vom Fußball.“ Am Freitag steht das Spiel bei Fortuna Düsseldorf auf dem Programm.

Gelsenkirchen.. Als Klaas-Jan Huntelaar nach 65 Minuten diesen sagenhaften 40-Meter-Pass spielte, war es um viele der 59116 Zuschauer geschehen – sie pfiffen, was die Puste hergab. Und das bei einer ungefährdeten 1:0-Führung beim später noch ungefährdeteren 3:0-Sieg über den FSV Mainz 05. Denn der Holländer hatte den Ball aus der Mainzer Hälfte zu seinem Torhüter Lars Unnerstall zurückgepasst. „Natürlich hat der Zuschauer die Berechtigung, so etwas zu tun, aber für uns ist das etwas enttäuschend. Unsere jungen Spieler brauchen viel mehr die Unterstützung, dafür müssen wir unsere Fans wohl noch mehr sensibilisieren“, bekannte Manager Horst Heldt.

Unnerstalls Spieleröffnung ist verbesserungswürdig

Aber auch die Verantwortlichen müssen vielleicht sensibler mit der Kritik nach einem mausgrauen Bundesliga-Abend umgehen. Denn die Pfiffe, die sich vornehmlich auf Torhüter Lars Unnerstall konzentrierten, dessen Spieleröffnung aus dem Fuß sicherlich noch verbesserungswürdig ist – mancher der Versuche landete auch im Seitenaus –, brachte nämlich einen gereizten Trainer Huub Stevens auf den Plan: „Wenn man 1:0 führt, dann hoffe ich da auf mehr Verständnis beim Publikum.“ Ausdrücklich lobte er natürlich die Gesänge auf der Nordtribüne, die in ihrer Monotonie fast kaum noch wahrgenommen werden: „Kompliment an die Nordkurve , die hat nicht gepfiffen. Die anderen haben nicht so viel Ahnung vom Fußball.“

Hier sollten sich die Verantwortlichen aber genau überlegen, welchen Teil ihrer Kundschaft sie verprellen wollen. Stellvertretend für den größeren murrenden Teil, der sich unzufrieden auf den Heimweg machte, sei ein Kommentar von „soisdas1904“ aus dem waz.de-Forum genannt, der einmal den Verlauf seines Dienstags schilderte: 16 Uhr Abfahrt zum Stadion (172 km) – 18.35 Uhr: Ankunft, danach etwas gegessen (15 Euro), Spiel in der Arena besucht (45 Euro), 0.20 Uhr: Ankunft zu Hause (45 Euro). Sein Fazit: „Jetzt muss ich Huub Stevens auch noch dankbar sein, dass ich für das Topspiel nicht nur Nerven, sondern auch 105 Euro gelassen habe?“ User „soisdas1904“, dessen Arbeitswecker am nächsten Morgen um 5 Uhr klingelte, hat übrigens nicht gegen Lars Unnerstall gepfiffen, sondern eine Entscheidung ge­troffe­n: Nach 41 Fan-Jahren, nach Besuchen bei jedem Wetter und jede­m Gegner (auch 2. Liga) sei nun für ihn Schluss. Sein Kommentar ginge auch umgehend an die Schalker Geschäftsstelle, ließ er noch wissen.

Wenn sich alle Seiten wieder beruhigt haben und letztlich einzig und allein der Blick auf die Bundesliga-Tabelle zählt (zwei Punkte vor dem BVB!), wird dieses unspektakuläre 3:0 über Mainz auch als Abend der Generösitäten und Uneigennützigkeiten ins blau-weiße Saison-Jahrbuch eingehen. Zum Beispiel im Vorfeld zum 1:0, als Junior Diaz den aus (!) dem Strafraum eilenden Benedikt Höwedes in die Hacken trat und es Elfmeter gab. Worauf Klaas-Jan Huntelaar in einem Mutter-Theresa-Anflug die Einschusschance nach kurzem Blickkontakt an Jefferson Farfán abtrat, mit der klitzekleinen Einschränkung: „Bei einem Elfmeter musst du ganz bei 100 Prozent sein – und das war ich nicht.“

3:0 streichelt Teemu Pukkis Seele

Wohltat Nummer zwei folgte in der 89. Minute, als der eingewechselte Julian Draxler alleine auf Christian Wetklo zurannte, dann aber doch quer auf Teemu Pukki passte, dem das Einschieben zum 3:0 sichtbar die Seele streichelte. Und Julian Draxler? Dem klang wohl noch die Kritik nach dem Bayern-Spiel in den Ohren, als er in einer lukrativen Szene nicht so mildtätig gehandelt hatte. Dazwischen lag das 2:0 (81.) von Lewis Holtby, der brauchte für seinen herrlichen Kopfball nur die helfende Flanke von Christian Fuchs.

Nun geht es am Freitag zum erstaunlichen Aufsteiger aus Düsseldorf. Der hat bislang in seinen fünf Partien kein Gegentor eingesteckt, zu Hause in zwei Partien aber auch noch nicht einmal getroffen. Trotzdem blieben bislang Pfiffe aus. Alles eine Sache der Ansprüche.

 
 

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