Heinz Flotho und die glorreichen Zeiten

Michael Koch
Einer der Höhepunkte in 50 Jahren Vereinsgeschichte: Das Fussball-Kreispokal-Halbfinale BV Horst Sued  (rot) gegen SC Hassel (gruen) im Jahr 2011.                                Foto: Thomas Goedde / WAZ FotoPool
Einer der Höhepunkte in 50 Jahren Vereinsgeschichte: Das Fussball-Kreispokal-Halbfinale BV Horst Sued (rot) gegen SC Hassel (gruen) im Jahr 2011. Foto: Thomas Goedde / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Ehemaliger Nationaltorwart gehört zu den Gründungsmitgliedern des heutigen Vereins. Inzwischen nur noch ein Schattendasein.

Horst.  In der öffentlichen Wahrnehmung fristet der BV Horst-Süd ein eher unscheinbares Dasein. Aber in diesem Jahr rückt der Klub mal wieder ins Blickfeld. Er feiert Jubiläum. Der Ballspiel-Verein aus dem Horster Süden, gegründet am 11. Dezember 1962, wird 50 Jahre alt. Das letzte Mal, dass der BV Horst-Süd aus dem Windschatten trat, war vor fast vier Jahren. Nach der Insolvenz der einst so ruhmreichen STV Horst übernahmen die Rot-Blauen zum 1. April 2008 das Fürstenbergstadion.

Es ist fast eine Ironie des Schicksals, dass der BV Horst-Süd seine Existenz auch einem Idol aus glorreichen Zeiten der untergegangenen Emscher-Husaren zu verdanken hat: Heinz „Schangel“ Flotho, früherer Nationaltorwart, der in den 50er Jahren für die STV Horst zwischen den Pfosten stand und sie 1967 als Trainer zur Deutschen Amateur-Meisterschaft führte, gehörte 1962 zu den Gründungsmitgliedern des Ballspiel-Vereins. Dass die Süder eines Tages anstelle der Schwarz-Blauen im Fürstenbergstadion spielen würden, hätte wohl auch der vor zwölf Jahren verstorbene Heinz Flotho nicht für möglich gehalten.

Der BV Horst-Süd ging aus einer ehemaligen Wirte-Mannschaft hervor, die sich bezeichnenderweise FC Flotho nannte. Ende 1962 trat der Klub dann dem DFB bei. Er fing in der 2. Kreisklasse an und schaffte 1974 erstmals den Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Dort hielten sich die Süder immerhin vier Jahre lang.

Die späten 80er und frühen 90er Jahre waren keine gute Phase für den BV Horst-Süd. Zwischen 1985 und 1995 pendelten die Rot-Blauen mehrmals zwischen Kreisliga B und C. Eine erneute Renaissance gab es vor acht Jahren, als zum zweiten Mal der Aufstieg ins Kreis-Oberhaus gelang. Diesmal dauerte der Aufenthalt in der Kreisliga A aber nur zwei Spielzeiten. Im überkreislichen Fußball tauchte der BV Horst-Süd in den ersten 50 Jahren seines Bestehens nicht auf.

Mit dem Umzug vom Schollbruch im Horster Norden ins Fürstenbergstadion im Horster Süden hatte sich der Klub einen Aufschwung erhofft. Er blieb bislang aus, denn nach einem kurzen Zwischenhoch im Nachwuchsbereich brachen dem Klub fast sämtliche Junioren-Mannschaften und auch die Damen-Mannschaft weg.

Dafür lief es in dieser Saison bei der ersten Mannschaft anfänglich sehr gut. Das Team von Trainer Murat Ak überwinterte in der Kreisliga B an dritter Stelle. Aber der Traum vom erneuten Aufstieg in die Kreisliga A blieb unerfüllt. In der Rückrunde fielen die Horster ab, kassierten beim 0:10 bei Arminia Ückendorf sogar eine zweistellige Niederlage.

Die Feierlichkeiten im Jahr des 50-jährigen Bestehens bleiben nach den Planungen des BV Horst-Süd in einem kleineren Rahmen. Der Klub beabsichtigt vom 22. bis zum 24. Juni ein Jux-Spiel mit ehemaligen Spielern, zwei Jugend-Turniere, ein Altherren-Turnier sowie ein Spiel der ersten Mannschaft gegen Horst 08.

Anschluss an Horst 08 verloren

Den Anschluss an den Nachbarn aus dem Norden des Stadtteils hat man inzwischen verloren. Das war vor einem Vierteljahrhundert noch anders. Damals richteten die Süder auf dem Schollbruch noch ihr traditionsreiches Oster-Turnier für Junioren-Mannschaften aus. „Wir waren zu der Zeit auf Augenhöhe mit Horst 08. Es wäre schön, wenn wir diesen Stand bald wieder erreichen würden“, sagt Erich Krause, der 1. Vorsitzende. Bei allem sportlichen Ehrgeiz will er aber nicht den wirtschaftlichen Aspekt außer Acht lassen. „Unser Verein ist schuldenfrei und wird auch schuldenfrei bleiben, solange ich 1. Vorsitzender bin“, betont er.