Ein Schalker Familien-Treff

Jahreshauptversammlung des Fußball - Bundesligisten FC Schalke 04 am Sonntag, dem 03.06.2012, in der Emscher-Lippe-Halle Gelsenkirchen / Clemens Tönnies (m) , Vorsitzender des Aufsichtsrates, führte die Versammlung.Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool / 03.06.2012
Jahreshauptversammlung des Fußball - Bundesligisten FC Schalke 04 am Sonntag, dem 03.06.2012, in der Emscher-Lippe-Halle Gelsenkirchen / Clemens Tönnies (m) , Vorsitzender des Aufsichtsrates, führte die Versammlung.Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool / 03.06.2012
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„Wir dürfen keine Feindbilder in unserer Familie haben“, sagt Horst Heldt, und Peter Peters denkt an das Finanzielle: „Unser Verein benötigt definitiv mehr Geld.“ Ein neues Leitbild hat er schon.

Gelsenkirchen.. Es gab auch einige Nörgler wegen der Erhöhung der Preise für die Eintrittskarten. Wer deshalb jedoch Tumulte bei der Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 in der Emscher-Lippe-Halle erwartet hatte, wurde enttäuscht. „Wir leben dich“, lautete das Motto, das immer wieder auf der Videowand im Rücken der Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates flackerte. Schalke leben und Schalke lieben: Erst recht nach dem dritten Bundesliga-Platz und der Qualifikation für die Champions League waren fast alle der 2662 stimmberechtigten Mitglieder zufrieden.

Kumpel- und Malocher-Club

Und so gab es auch bei der Abstimmung über ein Leitbild keinen Widerstand. Dort steht als vierter Punkt: „Der FC Schalke 04 ist als Kumpel- und Malocher-Club entstanden. Daher ermöglicht unser Verein im Rahmen seiner wirtschaftlichen Verhältnisse seinen Anhängern aus allen gesellschaftlichen Schichten die Teilnahme am Vereinsleben und den Besuch der Spiele. Aus unserer Tradition als Bergarbeiterverein heraus bekennen wir uns zu unserer sozialen Verantwortung. Der Arbeit im Ehrenamt messen wir dabei besondere Bedeutung zu.“ Aus den Stuhlreihen und von den Tribünen gab es dazu fast ausschließlich Applaus.

Es herrschte also schon mal eine gute Stimmung, eben eine Leitbild-Stimmung. Und diese gute Laune – ob bewusst oder unbewusst – wussten auch Finanzvorstand Peter Peters und Sportvorstand Horst Heldt in ihren Reden zu nutzen. „Wir müssen unsere Ertragskraft weiter stärken und die Personalkosten reduzieren. Unser Verein benötigt definitiv mehr Geld“, sagte Peter Peters. „Dazu gehört auch eine Erhöhung unserer Ticket-Preise. Wir haben mit individuellen Regelungen vielen geholfen, und wir werden auch weiterhin helfen – aber bei denen, die in Not sind.“ Als Ziel für die Zukunft nannte der Finanzvorstand vier Ziele, die „wir alle gleichberechtigt verfolgen müssen“.

Erstens: ein Top-Team zu haben, das auch in Europa „zu den besten 20 Mannschaften gehört“ (Peters) und sich seinen Platz im zweiten Topf bei der Champions-League-Auslosung sichert.

Zweitens: finanzielle Konsolidierung.

Drittens: nachhaltiger Ausbau der Infrastruktur. In Planung ist ein Vereinsgelände am Berger Feld, „das in den nächsten 20, 30 Jahren modern und leistungsfähig sein wird“ (Peters). Und das es nach den Vorstellungen von Sportvorstand Horst Heldt nicht mehr nötige mache, ein Halbfinal-Heimspiel um die Deutsche Meisterschaft in Oer-Erkenschwick auszutragen.

Viertens: „Wir bekennen uns zu unserem Leitbild und zu unserer Vereinsidentität“, sagte Peter Peters, um seine vier Punkte zusammenzufassen: „Ich weiß, das ist ein ehrgeiziges Ziel. Aber, davon bin ich überzeugt, es ist auch keine Zauberei.“

Horst Heldt, der seit der Trennung von Felix Magath nicht nur auf dem Papier Manager des FC Schalke 04 ist, warb bei diesem Familien-Fest in der Emscher-Lippe-Halle für einen noch besseren Umgang mit den Mitgliedern dieser Familie. „Pfeift man ein Familien-Mitglied aus oder gibt es nach einem halben Jahr schon wieder auf?“, fragte der 42-Jährige und bat um Kritik in richtiger Dosierung für Chinedu Obasi. „Wir dürfen keine Feindbilder ins unserer Familie haben. In meiner Familie passt man aufeinander auf.“

Dass er die Fans mitnehmen muss, weiß Horst Heldt schon längst. „Von der Stimmung her sind wir überall Herr im Hause“, sagte er. „Von mir und der gesamten Mannschaft: Danke!“ Und als er ein paar Zahlen dieses Teams nannte, war er auch stolz. Zum Beispiel die 74 Tore, „die meisten seit 35 Jahren“ (Heldt); erzielt mit der zweitjüngsten Mannschaft der Liga.

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