Die verrückten Skater

Auf geht’s (v.l.):  Kati Kubitza, Tina Jerzynka, Andreas Schroer, Kalle Jerzynka und Supporter Detlef Zimmermann vom Post SV Buer haben sich monatelang auf das Rennen vorbereitet.
Auf geht’s (v.l.): Kati Kubitza, Tina Jerzynka, Andreas Schroer, Kalle Jerzynka und Supporter Detlef Zimmermann vom Post SV Buer haben sich monatelang auf das Rennen vorbereitet.
Foto: Foto: Martin Möller / Funke Fot
Der Post SV Buer packt an diesem Freitag 43 Leute in einen Reisebus und bricht auf nach Le Mans: Dort startet am Samstag das 24-Stunden-Rennen, nicht für Autos, sondern für Inline-Skater. Die Gelsenkirchener sind mit vier Teams dabei.

Gelsenkirchen.  Selbst Skater-Verrückte haben Regeln. Eine lautet: Du sollst Spaß haben. Eine andere: Du sollst gut vorbereitet sein. Noch eine andere: Du sollst nicht liegen. Denn: Bei den 24 Stunden von Le Mans sind die Skater 24 Stunden im Rennbetrieb. Genau dort, wo sonst die Autos im Langstreckenbetrieb über den Asphalt donnern, rauschen ab dem Samstagmittag 6000 Skater aus aller Welt auf Rollen über die Strecke. Mit dabei: 43 Leute vom Post SV Buer.

Kalle Jerzynka kann es kaum noch erwarten. „Wird Zeit, dass es endlich losgeht“, sagt er. Neunmal war die Truppe vom Post SV schon in Le Mans am Start. „In jedem Jahr ist das Team größer geworden“, sagt Jerzynka. Am Freitag packen die Skater dieses Mal einen ganzen Bus voll, der nach Frankreich fährt. „Größer wollen wir nicht werden“, so Kalle. „Wir sind ja keine Reiseunternehmen, sondern das ist alles mehr wie bei einer großen Familie.“

Teilweise ist es sogar eine echte Familie, denn Kalles Tochter Tina Jerzynka fährt auch mit: „Wahnsinn, wenn man da am Samstag an die Strecke kommt und überall nur Skater sind.“

Aber wie funktioniert das eigentlich? 24 Stunden auf Skates, und dabei immer rund um die 4185 Meter lange Strecke?

Es gibt tatsächlich ein Klassement für Sololäufer, die das Rennen alleine durchziehen, einer davon kommt sogar aus Buer. Die besten Skater schaffen es dabei tatsächlich, 17 bis 18 Stunden alleine über die Piste zu jagen. Für den großen Rest des Feldes gibt es Team-Wertungen mit Sechser-Mannschaften und Zehner-Mannschaften. In beiden Kategorien ist der Post SV mit zwei Teams vertreten.

„Ein Skater ist mit dem Staffelstab immer auf der Strecke unterwegs“, erklärt Kati Kubitza den Lauf-Rhythmus. Je nach Form dauert die Runde über den früheren Formel-1-Kurs sieben bis zwölf Minuten. Nach dem brutalen Anstieg zum Dunlop-Hügel folgt eine rasante Abfahrt mit Höchstgeschwindigkeiten von über 50 Stundenkilometern. Unten dann eine Kurve: Gerade in der Nacht eine kniffelige Nummer.

Nach jeder Runde wollen die Teams vom Post SV den Skater wechseln. Selbst das kostet Kraft genug. Andreas Schroer hat in der Vorbereitung rund 3000 Kilometer abgespult. Wenn es das Wetter auch nur halbwegs zulässt, macht er die 25 Kilometer zur Arbeit auf seinen Inline-Skates. Und bei schlechtem Wetter? „Fahrrad, man muss immer was für die Form tun.“

Aber selbst bei der besten Form kommt irgendwann im Verlauf der 24 Stunden der Mann mit dem Hammer vorbei. Deshalb planen die Teams Ruhephasen ein. Dafür haben sie Zelte dabei. Ein großes mit 72 Quadratmetern, in dem es Verpflegung gibt. „Größer als meine Wohnung“, sagt Tina Jerzynka und lacht.

Und dann die Mini-Zelte, in die sich die Skater zurückziehen können. Kalle Jerzynka erinnert sich ans vergangene Jahr, als ihn um drei Uhr nachts nach einer Stunde Schlaf jemand wecken wollte. „Ich hatte, keine Ahnung, wo ich war und was der von mir wollte.“ Aber Kalle rappelte sich auf und stand kurz danach auf der Strecke.

Die Folgen kamen später: Nach den 24 Stunden des Rennens saß er auf einem Campingstuhl und trank ein Bier. Dachte er. Die Wahrheit: Er war mit dem Bier in der Hand eingeschlafen. Rund um ihn herum: Gelächter! Kalle grinst, wenn er daran denkt. Genau das will er in diesem Jahr erneut erleben, diese Euphorie, dieses Glück. „Wir wollen es genießen“, sagt er.

Noch so eine Regel der verrückten Skater.

 
 

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