Der Gewinner heißt Schaffrath

Auf der Ziellinie trennten den siegreichen Lars Teutenberg (Mitte) nur wenige Zentimeter von Thomas Koep (l.) und Dennis Klemme (r.).
Auf der Ziellinie trennten den siegreichen Lars Teutenberg (Mitte) nur wenige Zentimeter von Thomas Koep (l.) und Dennis Klemme (r.).
Foto: Oliver Mengedoht

Beckhausen..  Die Frau von Hausnummer 80 hatte ihr Fenster im ersten Stock weit geöffnet und das Fliegennetz zur Hälfte hochgeklappt. Auf Höhe des Start- und Zielbereichs stützte die Mittfünfzigerin ihre Unterarme auf die Fensterbank und verfolgte aus ihrer privaten VIP-Loge die 22. Citynacht von Beckhausen. Viele machten es ganz ähnlich. Das traditionelle Radrennen zog Tausende in seinen Bann und wartete um kurz nach 22 Uhr mit einem dramatischen Finish auf.

Die Straßenlaternen waren noch aus. Die siebenköpfige Spitzengruppe trug den Kampf um den Sieg im Dämmerlicht aus. Auf der Zielgeraden hatte Thomas Koep lange die Nase vorn. Er war als Führender in die Schlussrunde gegangen. Erst wenige Meter vor der Ziellinie wurde der Lokalmatador des Gelsenkirchener Teams Stölting von Dennis Klemme (Stevens Racing Team) und Lars Teutenberg (FC Lexxi Speedbike) eingeholt. Eine Millimeter-Entscheidung. Die Rennleitung musste erst das Zielfoto auswerten. Bis Teutenberg zum Sieger ernannt wurde, sollte noch ein wenig Zeit verstreichen. Der 44-Jährige war sich beim Ausrollen selbst nicht sicher, ob es gereicht hatte. Die Freude stand ihm dann aber doch ins verschwitzte Gesicht geschrieben. Der Mann in dem grell mintblauen Trikot hatte es der jungen und bärenstarken Konkurrenz gezeigt. Er hatte die 77 Kilometer auf dem schnellen Kurs gemeistert. Es war der Schlusspunkt einer Veranstaltung, die ganz Schaffrath zu einem riesigen Radsport-Stadion machte.

Auf dem Stegemannsweg drängelten sich die Besucher im Start- und Zielbereich zwischen Bierständen und Würstchenbuden. Die Kinder verteidigten ihre Plätze in der ersten Reihe, drückten ihre Gesichter durch die Absperrgitter, um beste Sicht auf den Rennverlauf zu haben. Voll besetzte Balkone säumten den Rundkurs. Mieter und Wohneigentümer hatten Freunde eingeladen, um mit ihnen die Vogelperspektive zu teilen. In Vorgärten waren Gartenstühle und Bänke zur Rennstrecke ausgerichtet, dahinter bruzzelten Würstchen und Steaks auf rauchenden Grills. Auch am vielleicht spektakulärsten Punkt der Rennstrecke drängelten sich Schaulustige. An der Ecke Nottkampstraße/Schaffrath-straße wurde jedem deutlich, was es heißt Radprofi zu sein. „Für den Laien ist es immer wieder beeindruckend, wie die Sportler diese engen Kurven nehmen. Es gehört neben Mut auch viel fahrerisches Können dazu“, erklärte Michael Zurhausen, der als Kopf des Organisationsteams das Rennen am Mikrofon kommentierte. Vielen Zuschauern liefen an dieser Stelle des Rennens eiskalte Schauer über den Rücken.

Eine ganz besondere Atmosphäre, von der am Ende auch die Radprofis schwärmten. Hannes Baumgarten, der aus dem Schwarzwald angereist war und am Ende den sechsten Platz belegte, erklärte wenige Minuten nach der Zieleinfahrt: „Bei dieser Atmosphäre und diesen Leuten hier komme ich immer wieder gerne hier hoch. Ein tolles Rennen, ich hoffe, dass ich auch im nächsten Jahr dabei sein darf.“ Geadelt wurde die Beckhausener Citynacht auch von Thomas Koep. Der Radprofi des Gelsenkirchener Teams Stölting ging sogar noch einen Schritt weiter als sein Kollege aus Süddeutschland: „Das hier ist eines der wenigen Rennen, wo am Streckenrand richtig was los ist. Es ist ein Wahnsinn, hier zu fahren.“ Der Dritte des Hauptrennens war trotz des knapp verpassten Sieges zufrieden. „Ich habe alles probiert, leider hat es nicht ganz gereicht“, erklärte der 24-Jährige kurz bevor der Triumphmarsch für den siegreichen Lars Teutenberg aus den Lautsprechern dröhnte.

Bei den Amateuren dominiert Düsseldorf

Die Citynacht von Beckhausen wäre wohl nur eine halbe Sache, wenn es ausschließlich um Spitzensport ginge. Und deshalb gehörte ein Teil der Veranstaltung auch in diesem Jahr der Jugend und den Amateuren.

Den Auftakt des Renntages bildete das Rennen der Amateure um den Stölting-Jedermann-Cup. Das neu gegründete Jedermann-Team von Stölting trat gegen das Gios Uerige-Team aus Düsseldorf an. Der Sieg ging nach 40 Runden und insgesamt 44 Kilometern an Patrick Burges (Gios Uerige). Auf den Plätzen zwei und drei folgten mit Thorsten Voss und Rene Pätzold zwei Lokalmatadoren. Auch bei den Frauen siegte Düsseldorf. Maria Wilke gewann vor Karin Bürger (Stölting) und ihrer Teamkollegin Dani Dulak.

Im Anschluss an das Amateurrennen gehörte den Kindern die Rennstrecke. Beim Gästerennen ließen sich die jungen Starter auf ihren Puky-, Holland- oder BMX-Rädern über zwei Runden vom Publikum anfeuern. „Im kommenden Jahr werden auch unsere jungen Teilnehmer kleine Preise für die Rennteilnahme bekommen“, gab Organisator Michael Zurhausen vom RC Olympia Buer schon einen kleinen Ausblick auf die 23. Citynacht.

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