Der FC Schalke 04 hat ihn nie losgelassen

Als wir am Samstagabend gemeinsam die Arena verlassen haben, hat er noch gesagt: Nein, eine Feier zum Geburtstag am nächsten Tag plant er nicht – auch wenn es der 65. ist. Wolfgang Kerkhoff hat lieber über Schalke gesprochen, über den 4:0-Sieg gegen Hoffenheim. Typisch für „Kerki“, wie wir ihn alle genannt haben: Sein eigenes Ding war ihm nicht so wichtig – die Glückwünsche zum Geburtstag hat er am Sonntag nur am Telefon entgegen genommen. Jetzt, so wenig später, erfahren wir das Unfassbare: Wolfgang Kerkhoff, der langjährige Leiter der WAZ-Sportredaktion in Gelsenkirchen, ist am Montag, nur einen Tag nach seinem 65. Geburtstag, gestorben.

Es gibt Nachrichten, die man kaum begreifen kann. Weil sie einen so unerwartet erreichen.

Dass unser letztes Treffen auf Schalke stattfand, passte zu Wolfgang Kerkhoff. Schalke war vielleicht nicht sein Leben – aber Schalke hat ihn nie losgelassen. Auch nicht, nachdem er die Redaktion zum 1. März 2010 verlassen hat. Er wollte noch etwas vom Leben haben – trotz seiner angegriffenen Gesundheit. Viele Jahre vorher hatte er einen Herzinfarkt erlitten; auf der Pressetribüne im Stadion. Viel Aufheben hat er nie daraus gemacht. Er hat sich einfach weiter um Schalke gekümmert – typisch Kerki.

Wolfgang Kerkhoff kannte sie alle – und alle kannten ihn. Zur WAZ kam er 1971, und seit dem 1. Januar 1977 war er der Schalke-Mann für die Leser. Man mochte seine trockene Art, man schätzte seine fundierte Kritik, seine geschliffenen Kommentare und seine fachlichen Analysen. Einmal, es muss Ende der 90-er Jahre gewesen sein, waren wir zusammen auf Gran Canaria – auch, um dort Schalkes früheren Präsidenten Günter Siebert in seinem Pub zu besuchen. „Oscar“ begrüßte „Kerki“ wie einen alten Freund. Und wir plauderten den ganzen Abend: „Kerki, weißt du noch…?“

Abstiege, Aufstiege, Uefa-Cup

Das erste Mal gesehen haben wir uns 1988: Bei den jungen Kollegen, zu denen ich mich seinerzeit noch zählen durfte, war er damals schon der „alte Haudegen“, der jede Menge Schalke-Erfahrung mitgebracht hat. Kerki konnte man immer um Rat fragen, weil er über die „Blauen“ einfach alles wusste. Er hat die Abstiege aus der Bundesliga mitgemacht, die Wiederaufstiege, den Uefa-Cup-Triumph 1997 in Mailand und die Meisterschaft der Herzen am 19. Mai 2001 im alten Parkstadion – Wolfgang Kerkhoff war für die WAZ immer dabei und hat die Leser am nächsten Tag mit seinen Geschichten fasziniert. Und Kerki konnte sich herrlich aufregen über Schalke: Noch kürzlich hat er weit vor dem Abpfiff erbost die Kneipe verlassen, in der er sich das Spiel gegen die Bayern angesehen hat – zu sehr hatte es ihn geärgert, dass sich seine „Blauen“ so sehr hatten vorführen lassen. Schalke hat ihn wirklich nie losgelassen – zum Schluss hat er es genossen, sich alles aus der Distanz ansehen zu können, nachdem er zum 1. März 2010 die Redaktion verlassen hatte. Vom damaligen Tag weiß man noch, dass ihm der eigene Abschied auch damals nicht wichtig war, dass er darin keinen Grund für eine Feier gesehen hat Nach dem Dienst hat er einfach den Redaktionsschlüssel abgegeben und gesagt: „Ich bin dann mal weg.“

Typisch Kerki.

 
 

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