Aus der Not eine Jugend machen

Michael Koch

Beckhausen.  Nein, eine echte Wohlfühloase ist die Sportanlage an der Gecksheide für Fußballer beileibe nicht. In Zeiten, in denen Naturrasen- und Kunstrasenplätze auch für Kreisliga-und Junioren-Kicker eher die Regel sind, löst ein Hartplatz keine Begeisterungsstürme aus. Diese Erfahrung musste der an der Gecksheide beheimatete SC Schaffrath zuletzt im Sommer wieder einmal machen, als er sich zumeist vergeblich darum bemühte, adäquaten Ersatz für seine abwanderungswilligen Spieler der ersten Herren-Mannschaft zu finden.

Mit dem nötigen Kleingeld hätte der SCS vielleicht den einen oder anderen überdurchschnittlichen Fußballer in die Bauernschaft im Stadtteil Beckhausen locken können. Aber auch damit kann der Klub nicht dienen. Dem Vorstand mit den Brüdern Rainer und Frank Grundmann an der Spitze blieb deshalb nichts anderes übrig, als dem neuen Trainer Angel Valdes eine Mannschaft zur Verfügung zu stellen, die um den Klassenerhalt im Kreis-Oberhaus bangen muss.

Ein Mädchen-Team ist geplant

Im Nachwuchsbereich stellt sich die Situation anders dar - glücklicherweise für den SC Schaffrath. Dort spielt Geld noch keine Rolle, und auch der staubige Hartplatz hält die Jungs und Mädchen aus der Nachbarschaft nicht davon ab, dem runden Leder nachjagen zu wollen. Der SCS boomt bei den Kids. „Vor vier Jahren hatten wir etwa 25 Kinder im Verein, jetzt sind es 110. Die Resonanz ist gut“, sagt Jugendleiter Thomas Roth.

Warum? Vielleicht, weil sich die Kinder beim SC Schaffrath ohne Leistungsdruck entwickeln dürfen. „Natürlich wollen wir unsere Spiele gerne gewinnen“, bestätigt Thomas Roth. „Aber es ist nicht so, dass unsere Torhüter, wie bei höherklassigen Vereinen geschehen, nach einem hohen Sieg wegen des einzigen Gegentreffers hart kritisiert werden.“ Und dass Acht- oder Neunjährige ausgesiebt werden, weil sie nicht das Talent eines Mesut Özil mitbringen, ist an der Gecksheide auch nicht üblich.

Für den SC Schaffrath nehmen in dieser Saison jeweils eine C- und eine D-Junioren-Mannschaft sowie jeweils zwei E- und F-Junioren-Mannschaft am Spielbetrieb teil. Besonders erfolgreich haben bislang die C-Junioren abgeschnitten. Sie konnten ihre ersten sechs Spiele in der Kreisliga C gewinnen, zuletzt sogar das Gipfeltreffen beim Erler SV 08 II mit 4:1.

Das C-Junioren-Team ist im Kern seit mehreren Jahren zusammen. Ihr Trainer: Simon Dechering. Der 24-Jährige, der bis zur Saison 2014/15 für die erste Mannschaft des SC Schaffrath auflief, ließ es sich trotz seines Wechsels zum TuS 05 Sinsen in die Westfalenliga nicht nehmen, im Juniorenbereich bei „seinem“ Team zu bleiben.

Die heute 14-Jährigen sollen weiterhin behutsam aufgebaut werden, um in einigen Jahren in den Herren-Bereich aufrücken zu können. Nur das ist der Weg, mit dem der SC Schaffrath seine Zukunft meistern kann: mit eigenen Kräften, die eine gewisse Identifikation mit dem Verein leben.

Auch das weibliche Geschlecht ist willkommen, denn die Schwarz-Weißen möchten ein Mädchen-Team für 12- bis 16-Jährige aufbauen. Für den 11. November (Mittwoch) um 17 Uhr sind alle interessierten Girls hierzu ins Vereinsheim eingeladen.

Trotz der erfreulichen Entwicklung gibt Thomas Roth zu bedenken: „Die Sportanlage Gecksheide stößt an ihre Grenzen.“ Für Entlastung soll der kleine Kunstrasenplatz sorgen, der im nächsten Jahr an der Gecksheide geplant wird. Der Boom im Nachwuchsbereich - er muss beim SC Schaffrath kein vorübergehendes Phänomen sein.