Auferstanden aus Ruinen

Historisches Foto von der Trabrennbahn am Nienhausen Busch in Gelsenkirchen / Elite Rennen 1954 Foto: Gelsentrab
Historisches Foto von der Trabrennbahn am Nienhausen Busch in Gelsenkirchen / Elite Rennen 1954 Foto: Gelsentrab
Foto: WAZ FotoPool
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Trabrennbahn am Nienhausen Busch zu dem gesellschaftlichen Ereignis in Gelsenkirchen.

Feldmark..  Hatte die Entwicklung des Trabrennsports in Gelsenkirchen trotz mancher Rückschläge bis zum Zweiten Weltkrieg eine erfolgreiche Ära gezeigt, so sollten mit dem Tage der Kapitulation alle Mühen scheinbar zunichte gemacht worden sein. Ein grausames Bild bot sich am Nienhausen Busch, das allen Rennsportfreunden das Herz stillstehen ließ: Die Rennbahn durch mehr als 60 Bombentrichter zerstört, keine Stallungen mehr für den kümmerlichen halbverhungerten Pferdebestand von ca. 60 Pferden, kein Gramm Futter, kein Licht, kein Wasser. Der Pachtvertrag abgelaufen, in das Geläuf Gleise gelegt, um das Gelände mit einer Halde aufzuschütten.

Neustart im Juni 1945

Nur dem unermüdlichen Einsatz von Traberfreunden wie Franz Kuchinka, Bernhard Meisterfeld und Alfons Dahl war es zu verdanken, dass schon im Juni 1945 wieder ein Trabrennen am Nienhausen Busch stattfinden konnte. Maßgeblichen Anteil an der weiteren Entwicklung des Trabrennsports in Gelsenkirchen hatte Wilhelm Geldbach. Der Fabrikant aus Ückendorf war seit 1937 stellvertretender Vorsitzender des Vereins und trieb mit ganzer Kraft die Entwicklung seiner Heimatbahn zur Großbahn voran. Er investierte in neue Stallungen und verhalf Gelsenkirchen mit dem Elite-Rennen zu einem der renommiertesten Rennen Europas. Als der Bau einer Lichtanlage im Jahr 1951 auch Abendrennen am Nienhausen Busch ermöglichte, stieg der Umsatz an der Bahn weiter an. Unter der Geschäftsführung von Günter Elter vollzog sich seit 1953 dann die Aufwärtsentwicklung des Trabrennsports in Gelsenkirchen schneller als selbst kühnste Optimisten zu hoffen gewagt hatten.

Eine der modernsten Tribünen

Die Installation einer fotografischen Zeitmessanlage (1956), das deutschlandweit erste Startauto (1956), der Bau einer der modernsten Tribünen Europas (1965), die Inbetriebnahme des ersten Elektronen-Totalisators (1969) auf deutschen Rennbahnen und die Modernisierung des Stall- und Trainingsgeländes sind Meilensteine der Ära Elter/Geldbach. Parallel zum Ausbau der Trabrennbahn gelang es, die Qualität der Rennen am Nienhausen Busch kontinuierlich zu steigern.

Die längste Tradition hat hier der Westdeutsche Jugend-Preis, in dem sich seit 1924 die besten Zweijährigen messen. Das Treffen der Zweijährigen ging übrigens 60 Jahre, nachdem es ins Leben gerufen war, in die deutsche Trabergeschichte ein. Rennpreise in Höhe von einer Million DM machten es 1984 zum höchstdotierteste Trabrennen in Europa.

Höhepunkt: Das Elite-Rennen

Ähnliche Berühmtheit genoss über Jahrzehnte das Elite-Rennen am Nienhausen Busch. Zwischen 1947 und 2004 war es der Höhepunkt des Rennjahres in Gelsenkirchen. Es war zunächst ein Treffen der allerbesten Inländer, wurde dann aber mehr und mehr eine Begegnung der Weltklasse. Die besten Traber ihrer Zeit wie Permit, Gélinotte, Ourasi, Sea Cove oder Varenne trugen sich in die Siegerlisten ein.

Zum hervorragenden Ruf der Bahn am Nienhausen Busch trug nicht zuletzt das Deutsche Traber St. Leger bei. Es wurde 1954 aus Anlass des 80-jährigen Bestehens des deutschen Trabrennsports ins Programm genommen. Das Rennen am dritten Sonntag im September gilt bis heute als die klassische Derby-Revanche, in der sich die Besten der Dreijährigen messen.

Die Nummer Zwei im Land

Als Wilhelm Geldbach und Günter Elter 1975 verstarben, übernahm Hans Schneider die Geschäftsführung des Vereins. Zwischenzeitlich hatte sich der deutsche Trabersport zum gewinnreichsten Sportzweig der Republik entwickelt, Gelsenkirchen war hinter München-Daglfing die Nummer Zwei im Land. Dazu beigetragen hatten die vielfältigen internationalen Kontakte, die das Management pflegte. Sie ermöglichten ein sportliches Angebot auf höchstem Niveau. Hohe Rennpreise garantierten erstklassig besetzte Felder und ein glamouröses Rahmenprogramm. Insbesondere an Volksrenntagen platzte die Bahn am Nienhausen Busch fast aus allen Nähten. Die Erlöse wurden in weiten Teilen wieder reinvestiert. Ein Naturgeläuf aus hellem Sand löste die schwarze Schlackenbahn ab, das Tribünenhaus wurde auf 9 600 Plätze aufgestockt und das Stallgelände großzügig erweitert. In Spitzenzeiten bot es Platz für 900 Traber. Um die Pferde kümmerten sich 35 Trainer, die wiederum 140 Helfer und Auszubildende hatten.

Viel Prominenz unter den Gästen

Nach und nach war so aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges eine der modernsten und größten Trabsport-Arenen Europas emporgewachsen. Das honorierte auch das Publikum. Mitte der 80er Jahre zählte man am Nienhausen Busch regelmäßig rund 500 000 Besucher, darunter viel Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Trabrennen waren angesagt wie nie zuvor und die Bahn am Nienhausen Busch war zu dem gesellschaftlichen Treff in Gelsenkirchen geworden.

 
 

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