Zufrieden – aber nicht glücklich

Achim Faust
Nachdenklich:  Essens Trainer Igor Krizanovic.
Nachdenklich: Essens Trainer Igor Krizanovic.
Foto: WAZ FotoPool
Der ETB ist nach dem knappen Aus in den Playoffs nun in der Sommerpause. Positives Fazit, Verhandlungen mit Trainer Krizanovic laufen.

Vor zwei Wochen haben sich die ETB Wohnbau Baskets in die Sommerpause verabschiedet – verabschieden müssen. Zeit, die abgelaufene Spielzeit ein wenig genauer zu analysieren, als es so unmittelbar nach dem Ausscheiden in Nürnberg der Fall gewesen sein konnte. Ja, das Fazit ist und bleibt positiv. Dass aber mehr drin war in dieser Saison, dieses dumpfe Gefühl ist man im schwarz-weißen Lager nicht so recht losgeworden. Und es nagt auch ein wenig am Coach, diesen Eindruck kann man jedenfalls gewinnen, wenn man mit Igor Krizanovic spricht. „Ich setze mich intensiv damit auseinander“, gibt der Kroate zu Protokoll. Es klingt, als sei der Prozess noch immer nicht ganz abgeschlossen, obwohl die Analyse doch schon zu diesem Zeitpunkt recht umfassend ausfällt.

Da war zum einen das Verletzungspech, „das man nicht komplett unter Kontrolle haben kann“, so Igor Krizanovic. Christoph Hackenesch fehlte mal, Robin Christen fast die komplette Saison. Das Spiel über die Guards stockte – eben auch aufgrund von Verletzungen: Thomas Baudinet sollte in dieser Spielzeit eigentlich eine Schlüsselrolle spielen, er hatte aufgrund von Rücken- und Fußproblemen kaum eine Chance, zu zeigen was er kann und kam am Ende gar nicht mehr zum Einsatz. „Wir hatten bis zum Schluss gehofft, dass er vielleicht noch einmal eingreifen kann, leider hat das nicht geklappt.“ Marco Buljevic, lange Zeit in sehr guter Form, hatte einen Autounfall, musste sich auch erst wieder rankämpfen.

In der Schlussphase hatte der ETB versucht, die Spielweise umzustellen, das schwarz-weiße Angriffsspiel unter den Korb zu bekommen. Auch personell reagierte man aus diesem Grund, „aber man muss sich die Frage stellen, ob wir das zum richtigen Zeitpunkt getan haben“, so Krizanovic selbstkritisch. Die Wohnbau Baskets verpflichteten mit Nick Oudendag (für den auch aus disziplinarischen Gründen Ende Januar entlassenen Marques Oliver) und Logan Stutz große Jungs nach – und hatten Pech: Der Niederländer verletzte sich sofort am Ellenbogen, Stutz präsentierte sich nicht in Topform. Die Spielweise und das Personal in Einklang zu bringen – es war eine schwierige Aufgabe in dieser Saison. Der Coach sprach von einer „Operation am offenen Herzen“.

Die irgendwie doch erfolgreich durchgeführt wurde, es war – mal wieder – die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. „Wir haben mehr Spiele gewonnen, eine bessere Platzierung erreicht und wir haben in den Playoffs eine bessere Rolle gespielt“, fasste denn auch Igor Krizanovic nicht unglücklich zusammen. Es war wieder ein Schritt nach vorne. „Besonders erfreulich ist die Zuschauerresonanz, die wir erneut steigern konnten, was im Vergleich zur Saison davor sicher nicht einfach war.“

Und so ist das Feld bestellt. Ob Igor Krizanovic in der kommenden Saison noch Trainer sein wird, ist noch nicht abschließend geklärt, der Vertrag ist ausgelaufen. Doch alles deutet auf eine zeitnahe Vertragsverlängerung hin. Ein ehrgeiziger und akribischer Arbeiter wie Krizanovic will eine Perspektive sehen – und sich selbst in der Lage, diese mit Leben füllen zu können (Krizanovic ist nicht hauptamtlich Trainer). Der Kroate sieht sich und den Klub gerüstet, einen weiteren, vielleicht einen größeren Schritt nach vorne zu gehen. In den Gesprächen hatte er dem Klub nun seine Bereitschaft signalisiert, weiter zu machen. „Jetzt ist der Verein am Zug.“

Der wird sich wohl nicht lange bitten lassen. Niklas Cox, noch bis zum 1. Mai alleiniger Geschäftsführer der Wohnbau Baskets, zeigte sich gegenüber dieser Zeitung optimistisch: „Die Gespräche im ganzen Verein sind weit, ich hoffe, dass wir schon bald etwas vermelden können.“